Er sollte ihr Vermögen verwalten

Mann setzt Geld von Großtante abenteuerlich ein: „Bin davon ausgegangen, dass sie nichts dagegen hat“

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Vor dem Amtsgericht lieferte Ralf V. (45) abenteuerliche Erklärungen für das Verschwinden des Geldes.

Er sollte seine Großtante in Vermögensangelegenheiten vertreten. Das hat ein 45-Jähriger schamlos ausgenutzt.

München - Er hat sich schick gemacht für seinen Auftritt am Amtsgericht. Weißes Kurzarmhemd, beige Stoffhose: So sitzt Ralf V., 45 Jahre alt, auf der Anklagebank. Hier soll er erklären, wie 141.539,79 Euro verschwunden sind.

Das Geld gehörte seiner Großtante Gertrud L. Am 20. März 2013 hatte sie ihrem Großneffen eine Vollmacht ausgestellt, mit der er ermächtigt war, sie „insbesondere auch in Vermögensangelegenheiten zu vertreten“, wie die Staatsanwaltschaft es formuliert. Insgesamt elf Seiten umfasst die Anklageschrift, das meiste davon sind Zahlen und Daten: Sie listen genau auf, wann Ralf V. zwischen Februar 2014 und November 2015 Geld von dem Konto der pflegebedürftigen Seniorin abgehoben hat. Am Ende stehen 160 Fälle der Untreue, deretwegen sich V. verantworten muss.

München: Geld von Großtante verschwunden - Angeklagter mit abenteuerlicher Erklärung

„Es war nicht meine Absicht, meine Tante zu bestehlen“, sagt der Angeklagte. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn, im Gerichtssaal ist es heiß. Dann erklärt er. Sein Vater sei im Tatzeitraum schwer krank gewesen, „ich habe die Ausgaben für ihn getätigt. Das Geld meiner Tante brauchte ich, damit ich mich angemessen um ihn kümmern konnte.“

Ob die Ausgaben angemessen waren, konnte Gertrud L. gar nicht einschätzen, denn auch sie wurde gepflegt und ist mittlerweile verstorben. Laut Staatsanwaltschaft wäre Ralf V. nur berechtigt gewesen, 55.215,44 Euro abzuheben, seiner Großtante sei deshalb ein Schaden von 86 324,35 Euro entstanden.

Großneffe droht Haftstrafe

Ralf V. schüttelt darüber nur den Kopf – und setzt zu abenteuerlichen Erklärungen an: „Tante Gertrud war seit 2013 im Heim. Ich bin davon ausgegangen, dass ich der Erbe bin und sie nichts dagegen hat, wenn ich vorher schon was entnehme.“

Klingt, als ginge es um ein Taschengeld – doch tatsächlich war es das ganze Vermögen der Seniorin. Dass Ralf V. die 86.324,35 Euro zurückzahlen muss, hat das Gericht bereits angeordnet. Laut Gesetz droht ihm nun auch eine Haftstrafe bis zu fünf Jahren. 

Andreas Thieme

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