Schnell verderbliche Medikamente in der Packstation

Verderbliche Medikamente in der Packstation: Hilfe, ich bekomme mein Paket nicht!

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Michael Chlupsa war verzweifelt: Sein wertvolles Paket war in der Packstation, aber er bekam es nicht heraus.

Sein Paket in der Packstation enthielt schnell verderbliche Medikamente für seine Frau, aber er durfte nicht ran: Ein Münchner bat den Bürgeranwalt der tz bei seinem Kampf gegen die Post.

München - Mit dieser Bitte wandte sich Kraftfahrer Michael Chlupsa (61) an unsere Redaktion:

„In der DHL-Packstation in der Dachauer Straße liegen vier Päckchen von mir. In einem davon sind Medikamente für 500 Euro. Sie sind für meine Frau bestimmt. Das Problem ist, die Medikamente verderben innerhalb von fünf Tagen, wenn sie nicht kühl gelagert werden. Ich komme aber nicht an die Pakete heran. Die DHL hat nämlich meinen Zugangscode gesperrt. Als ich das merkte, rief ich sofort die Kundenhotline an. Dort konnte man mir nicht weiterhelfen und empfahl mir lediglich, mein Problem auf einer Internetseite der DHL zu schildern. Das tat ich und bekam die Nachricht, mein Code sei aus Sicherheitsgründen gesperrt, aber „Informationen über die Ursache liegen nicht vor“. Nun weiß ich endgültig nicht mehr weiter. Bitte helfen Sie mir!“

Bürgeranwalt hilft Leser - DHL kontaktiert

Als wir die Pressestelle der DHL einschalteten, teilte man uns mit, die E-Mailadresse von Michael Chlupsa sei gehackt worden. Er solle sein Passwort ändern, dann könne sein Konto wieder freigeschaltet werden und er würde den Code bekommen. Das Dumme war nur, dass die von der DHL genannte E-Mailadresse seit drei Jahren nicht mehr existiert. Die neue Adresse ist der DHL längst bekannt. Sie wickelt seit drei Jahren ihre gesamte Korrespondenz mit Michael Chlupsa über diese neue Adresse ab.

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Der Bürgeranwalt rief also wieder bei der DHL an und machte auf die Ungereimtheit aufmerksam. Daraufhin meldete sich ein Mitarbeiter des Paketdienstes bei Michael Chlupsa, entschuldigte sich und korrigierte den Irrtum. Aber die erste DHL-Nachricht, die Michael Chlupsa dann bekam, war, dass sein Päckchen mit den Medikamenten nicht mehr in der Packstation sei, sondern bei einem Postamt.

Glück im Unglück: Das kalte Wetter ist die Rettung für die Medikamente

Weil die Zeit immer mehr drängte, ging der tz*-Leser noch am selben Tag zur Post und holte das Paket ab. Da die Fünf-Tages-Frist für die Kühlung der Medikamente inzwischen verstrichen war, setzte sich Michael Chlupsa mit der Lieferfirma in Verbindung und wollte wissen, ob die Medikamente noch einsetzbar seien. Ihm fiel ein Stein vom Herzen, als die Firma mitteilte, das kalte Wetter habe die Ware gerettet.

Michael Chlupsa: „Ohne die tz würde ich heute noch auf mein Paket warten. Und ich möchte gar nicht darüber nachdenken, wer mir die 500 Euro für die Medikamente ersetzt hätte, wenn sich das Team des Bürgeranwaltes nicht so sehr für mich eingesetzt hätte.“

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Kommentar von Dietmar Gaiser: Jetzt schreib i

Das Paket liegt in der Paketstation der DHL, aber der Empfänger darf es nicht abholen. In dieser Situation schaltete ein tz-Leser den Bürgeranwalt ein. Was dann geschah, lesen Sie oben. Wenn man bedenkt, wie viele Abertausende von Briefen und Paketen die Post täglich befördert, gibt es zugegebenermaßen überraschend wenig Pannen. Trotzdem ist das kein Trost, wenn ausgerechnet man selbst Opfer so einer Panne wird.

Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass bei zu später Auslieferung der Paketzustelldienst für den Schaden aufkommen muss. Leider ist es aber nicht so. Denn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen sichern sich die Paketdienste ab und garantieren für Standardpakete keine bestimmte Lieferfrist. Das gilt auch für Großkunden wie Amazon und Zalando. Trotzdem bieten diese einen Internetservice, der genau voraussagt, wann das Paket ankommt. Aber darauf sollte man sich nicht unbedingt verlassen. Rechtlich gesehen sind diese Vorhersagen nämlich unverbindliche Prognosen. Sie werden von Algorithmen erstellt und basieren auf Wahrscheinlichkeitsrechnungen.

Wenn ein Paket sich allerdings länger als eine Woche verspätet, sollte ein Nachforschungsauftrag gestellt werden. Bei den einzelnen Paketdiensten ist es unterschiedlich geregelt, wer diesen Antrag stellen muss: Absender oder Empfänger. Meist taucht das Paket irgendwann einmal wieder auf. Dann gibt es keinen Schadenersatz. Wenn es wirklich verschollen bleibt und der Kunde eine Schadenersatzzahlung erstritten hat, kann er sich aber trotzdem nicht erleichtert zurücklehnen. Es sind nämlich Fälle bekannt, da tauchte das Paket nach Monaten wieder auf und der Kunde musste den Schadenersatz zurückzahlen.

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