So überteuert ist der Münchner Wohnungsmarkt

Münchner Miet-Irrsinn: Wurde jahrelang der falsche Mietspiegel berechnet?

OB Dieter Reiter (m.) mit Christine Strobl (li) und Dorothee Schiwy.
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OB Dieter Reiter (m.) mit Christine Strobl (li) und Dorothee Schiwy.

Eine neue Studie der Stadt zeigt: So überteuert ist der Wohnungsmarkt. Doch der Fehler scheint tief zu sitzen. 

  • In München gibt es offenbar zwei Mietspiegel - den „realen“ und den „qualifizierten“.
  • Eien neue Studie zeigt: So überteuert ist der Münchner Wohnungsmarkt. 
  • Die Studie zeigt auch: In München könnten die Bürger viel Miete sparen. 

München - Diese Zahlen sollen die Politiker in Berlin zum Nachdenken bringen: Gestern hat das Sozialreferat die Ergebnisse des sogenannten „realen Mietspiegels“ für München vorgestellt. Die Erhebung hatte der Stadtrat vergangenes Frühjahr auf Initiative von OB Dieter Reiter (61, SPD) in Auftrag gegeben. Es war zu erwarten: Die Ergebnisse zeigen, dass wir viel Miete sparen könnten!

War bislang alles eine Miet-Lüge? Einen ganzen Euro günstiger ist nämlich demnach der monatliche Durchschnitts-Mietpreis pro Quadratmeter. Nach dem aktuellen sogenannten qualifizierten Mietspiegel beträgt die Münchner Kaltmiete durchschnittlich 11,69 Euro pro Quadratmeter. Würde der reale Mietspiegel angewendet, wäre die ortsübliche Vergleichsmiete nur 10,68 Euro! Das Mietniveau wäre um 8,6 Prozent niedriger – und die Bürger könnten bares Geld sparen. 

München: Miet-Wahnsinn - Wurde jahrelang der falsche Mietspiegel berechnet?

Denn am Mietspiegel müssen sich sich die Vermieter orientieren: Bei Neuvermietungen dürfen sie höchstens zehn Prozent mehr als den Mietspiegel-Wert verlangen. Heißt auch: Wäre dieser Mietspiegel-Wert niedriger, dann würden neue Verträge günstiger – was wiederum den nächsten Mietspiegel-Wert dämpfen würde. Im Umkehrschluss heißt das auch: Ein höherer Mietspiegel-Wert verteuert das Wohnen für die ganze Stadt.

Grund für die Unterschiede: Die Werte für den aktuellen Mietspiegel werden aus Fällen berechnet, in denen Wohnungen neu vermietet wurden oder in denen die Miete innerhalb von vier (beziehungsweise sechs) Jahren erhöht wurde. Geförderte Wohnungen oder günstige Bestandsmieten fließen nicht mit ein. Das ist beim neuen Ansatz des Sozialreferats anders: Für diesen wurden 1000 solche günstigeren Wohnungen einkalkuliert.

Münchner Miet-Irrsinn: Wurde jahrelang der falsche Mietspiegel berechnet?

Sozialreferentin Dorothee Schiwy sagt: „Der bisherige Mietspiegel ist eigentlich ein Mieterhöhungsspiegel.“ Unter anderem treibe bei Neuvermietungen die oft gehobenere Ausstattung nach Sanierung den Mietpreis in die Höhe. Der jetzt erhobene reale Mietspiegel sei „ein echter Durchschnittsmietspiegel. Und dieser würde sich dämpfend auf den Mietmarkt auswirken“.

Aber: Solange die Bundesgesetze sich nicht ändern, hat der reale Mietspiegel keine Relevanz. Geplant ist, dass Reiter mit den neuen Zahlen in Berlin anklopft und Druck macht.

In München sind die Mietpreise immer wieder Diskussionsthema. Und auch dieses Beispiel einer offiziellen Plattform gießt wieder Öl ins Feuer.

München: Neue Studie zeigt - So überteuert ist der Wohnungsmarkt

Ob er damit Erfolg haben kann? Berlin kennt die Kritik am Mietspiegel schon lange. Und die einzige Gesetzesänderung, zu der sich der Bundestag durchringen konnte, ist die Verlängerung des Betrachtungszeitraums bei der Vergleichsmiete von vier auf sechs Jahre. Auch der Eigentümer-Verein Haus und Grund betont, dass bisherige Versuche gescheitert seien.

Die SPD unterstrich ihre Forderung dennoch. Claudia Tausend, Vorsitzende der Münchner SPD, sagt: „Mit dem nun vorliegenden Zahlenwerk aus München sollte endlich ein Umdenken einsetzen.“ Der Fraktionsvorsitzende Christian Müller legt nach: „Der reale Mietspiegel zeigt: Es könnte endlich Entspannung geben für die Mieter.“ 

Eine andere Studie hatte kürzlich darauf geschlossen, dass die Mieten in München sinken. Doch es gab einen Haken. Weiterhin kommen in München aber immer wieder Menschen in die Situation wegen der hohen Mieten in München kaum noch Geld zum Leben zu haben. Viele verlassen deshalb die bayerische Hauptstadt.

Video: Wie sich Mieter gegen Wucher-Mieten wehren

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