Bürgeranwalt

Münchner abgezockt: Er musste 800 Euro für ein Wespennest bezahlen

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Caspar Bernet geriet an eine unseriöse Firma und zahlte zu viel.

Für die Entfernung eines Wespennets hat ein Münchner 800 Euro gezahlt. Laut Berufsverband sollen maximal 150 Euro verlangt werden.

München - Caspar Bernets Notlage, Angestellter aus München, hat ein Schädlingsbekämpfer ausgenutzt. Der 34-Jährige berichtet: „Vor Kurzem öffnete ich an einem Sonntag ein Fenster unserer Wohnung und wurde prompt von einer Wespe gestochen. Ich erlitt eine allergische Reaktion und musste zum Arzt. Später entdeckten wir ein Wespennest an der Fensterbank an unserem Haus. Damit mich, aber auch die Kinder, die vor dem Haus spielen, nicht erneut die Wespen stechen, riefen wir die Feuerwehr an und baten sie, das Nest zu entfernen. Die verwies uns aber an eine Schädlingsbekämpfungsfirma.“

Caspar Bernet geriet an eine unseriöse Firma und zahlte zu viel.

Danach ging Bernet wie folgt vor: „Wir suchten also im Internet und riefen die erstbeste an. Kurze Zeit später kam ein Mitarbeiter, der das Nest besprühte und es dann entfernte. Das dauerte etwa 20 Minuten. Zuerst waren wir heilfroh, das dicke Ende kam aber noch: Nun verlangte der Fachmann mehr als 800 Euro und bestand auf Sofortkasse. Da wir nicht so viel Geld im Haus hatten, zahlte meine Mutter mit EC-Karte. Als der Handwerker wieder weg war und sich die Aufregung etwas gelegt hatte, wurde uns klar, dass wir über den Tisch gezogen worden waren. Wir kontaktierten also die angerufene Schädlingsbekämpfungsfirma erneut und verlangten einen Arbeitsnachweis und eine Rechnung. Den Arbeitsnachweis bekamen wir, die Rechnung nicht. Was können wir tun?“

München: Wespennestentfernung sollen maximal 150 Euro kosten

Unser erster Anruf galt natürlich besagter Schädlingsbekämpfungsfirma. Wir landeten in einer Art Callcenter mit immer neuen Ansprechpartnern, die uns sagten, sie hätten den Auftrag an einen Fachmann in München weitergegeben. Weitere Fragen sollten wir per Mail einreichen – was wir taten, aber nie eine Antwort bekamen.

Unsere nächste Anlaufstelle war der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband e.V. Dort kannte man die Masche solch unseriöser Firmen bereits. Steffi Klotz vom Verband klärte uns auf, dass eine Wespennest­entfernung zwischen 50 und 150 Euro kosten darf. Weiter wusste sie: „Leider häufen sich die Fälle von Wucher. Wir hatten in diesem Sommer Endverbraucher, die für eine Wespennestbeseitigung einen vierstelligen Betrag zahlen mussten.“ Der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband e.V. warnt deswegen zusammen mit anderen Branchenverbänden vor solchen Betrügerfirmen. Qualifizierte Firmen finde man im Internet unter www.dsvonline.de.

Für Familie Bernet kommt diese Warnung leider zu spät. Deswegen schalteten wir den VerbraucherService Bayern ein. Dort nahm sich der Jurist Jochen Weisser des Falls an. Er teilte uns mit: „Rechtlich gesehen, ist man in solchen Fällen eigentlich ganz gut geschützt. Wenn kein konkreter Preis vereinbart wurde, darf der Handwerker maximal abrechnen, was angemessen und ortsüblich ist.“ Wenn mehr als das Doppelte kassiert wird, kann die Firma wegen Wuchers verklagt werden. Leider sei es aber in der Praxis oft schwierig, unseriöse Firmen zu ermitteln und zur Rechenschaft zu ziehen, wenn der Auftrag über einen Vermittler läuft. 

Wer ein Wespennest ohne Erlaubnis entfernt, kann mit einer hohen Strafe von bis zu 50.000 Euro belegt werden. Für viele Mieter stellt sich die Frage: Wer muss eigentlich dafür aufkommen, wenn einWespennest in einer Mietwohnung entfernt werden soll?

Video: Wespen, Hornissen & Bienen: Wann sind sie gefährlich und was kann man gegen die Insekten tun?

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