Genossenschaften betroffen

Mietpreisbremse ohne Wirkung: Ude zeichnet düsteres Bild - nächster Tiefschlag droht

+
Suchen nach Lösungen für Münchens Mieter: Professorin Sophie Wolfrum und Alt-OB Christian Ude. 

Die Mietpreisbremse ist offenbar wirkungslos. Seit ihrer Einführung 2015 seien die Mietpreise in München um 19 Prozent gestiegen, meldet das Portal Immowelt.

München - Damit fällt die Preissteigerung beinahe genauso hoch aus wie in den drei Jahren vor dem Gesetz. Aktuell zahlen Mieter demnach 17,90 Euro pro Quadratmeter. Dramatisch ist auch der Anstieg der Wohnungslosen. Waren im Jahr 2009 noch 2500 Münchner ohne Bleibe, sind es heuer schon 9000. Schuld daran, dass unser Mietmarkt der angespannteste in Deutschland ist, ist die Spekulation bei den Bodenpreisen, befand Münchens Alt-OB Christian Ude (SPD). Er traf sich am Donnerstag mit 50 Experten des Münchner Netzwerks für Wohnungslosenhilfe im Haus International in Schwabing an der Elisabethstraße 87, um nach Lösungen zu suchen.

„Bei den Grundpreisen passieren Preissteigerungen, die ich mir früher nie hätte vorstellen können, da müssen Gesetze her, denn Grundbesitz verpflichtet“, sagte Ude. „Wenn der Staat der Eigentümer und damit der Spekulant ist, gehören die Gewinne investiert in die Lösung von Wohnungsproblemen.“ So zum Beispiel bei den Eisenbahnergenossenschaftswohnungen.

Lesen Sie auch: So wollen die Münchner Rathausparteien die Mitpreisbremse ziehen

Preisspirale verhindert Bewegung auf dem Mietmarkt

Alleine in München laufen bei sieben Genossenschaften in den kommenden Jahren die Erbpachtverträge aus. Betroffen sind 3500 Mieter, die derzeit im Schnitt sieben Euro pro Quadratmeter zahlen. Läuft die Pacht aus, verkauft das Bundesverkehrsministerium als Erbpachtgeber die Wohnungen zu marktüblichen Preisen. Damit ist klar, dass auch dann die Mieten auf marktübliche Beträge – knapp 18 Euro – ansteigen. „Hier muss der Bundesfinanzminister die Gewinne in die Lösung von Wohnungsproblemen stecken“, fordert Ude. Allerdings dürfe die Devise „nicht bauen bauen bauen heißen, sondern preiswerten Wohnraum zu schaffen“. Und das schnell.

Die Preisspirale verhindert zudem Bewegung auf dem Mietmarkt. Ältere Menschen, die inzwischen ohne Familie leben, bleiben in ihren großen, aber günstigen Wohnungen, da sie für eine kleinere mindestens genauso viel zahlen müssten. „Das liegt daran, dass bei jedem Mieterwechsel abgesahnt wird, dass die Schwarte kracht“, schimpfte Ude. Dabei gibt es großes Interesse am Wohnungstausch: „Wir haben das früher gesehen bei der Wohnungstauschbörse in der Kreuzkirche, hunderte von Mietern hätten gewollt, doch nur eine Handvoll Vermieter machte mit.“

„Momentan keine Wohnstadt mit Herz“

Sophie Wolfrum, die bis Jahresbeginn den Lehrstuhl für Städtebau an der TU innehatte, kritisierte ebenfalls die Explosion der Bodenpreise, die eine vernünftige Stadtplanung verhinderten: „Ein Beispiel ist, dass ja bei der Entwicklung des neuen Stadtteils in Freiham extra Flächen für Baugenossenschaften vorbehalten waren. Doch meldete sich keine einzige, denn die Bodenpreise waren schlicht zu teuer.“ Das zeige, dass auch Normalverdiener inzwischen betroffen sind, denn Genossenschaftswohnungen dienten ja größtenteils der Mittelschicht.

Dass das Problem längst dort angekommen ist, merkt auch Ludwig Mittermeier, Vorstand des Katholischen Männerfürsorgevereins. „Wir tragen als Gesamtgesellschaft eine Verantwortung, dass München doch noch eine Wohnstadt mit Herz werden kann, denn momentan ist es das leider nicht.“ 

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Party-Ärger an der Isar: Anwohner dokumentiert seine schlaflose Nacht
Party-Ärger an der Isar: Anwohner dokumentiert seine schlaflose Nacht
Drahtesel-Wahnsinn am Marienplatz: Wer hält sich wirklich an das Verbot?
Drahtesel-Wahnsinn am Marienplatz: Wer hält sich wirklich an das Verbot?
Radfahrer weicht Hund aus und stürzt - Reaktion des Hundehalters macht fassungslos
Radfahrer weicht Hund aus und stürzt - Reaktion des Hundehalters macht fassungslos

Kommentare