Millionäre in der Landeshaupstadt

Nach Merz-Debatte: Wer ist in München reich? Und wie viele?

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Gut, München ist romantisch. Aber auch eine Stadt des Geldes.

Dass München zu den reichsten deutschen Städten gehört, ist klar. Wie es mit der Millionärsdichte in der bayerischen Metropole aussieht, haben wir erforscht. Außerdem erklärt uns ein reicher Einwohner, wie glücklich ihn Geld macht.

München - Giorgio Armani, Ralph Lauren, Coco Chanel - wer durch die Maximilianstraße spaziert, ahnt: In München leben viele Reiche. Oder zumindest gehören viele zur oberen Mittelschicht. Friedrich Merz (63) hat diese Debatte unwillentlich losgetreten. Merz, Politiker und Aufsichtsratsmitglied mehrerer Großkonzerne, will CDU-Chef werden – und hat zuletzt offengelegt, dass er rund eine Million Euro brutto jährlich verdient – trotzdem zählt er sich nur zur Mittelschicht. Wer wirklich reich ist und ab wann man sich als reich bezeichnen würde? Die Einschätzungen gehen weit auseinander – zwischen „4500 Euro netto im Monat“ (Behördeneinschätzung, Institut für Sozialökonomie) und „eine Million Dollar flüssig“ (gängige Bankeneinschätzung). Gemäß ersterer Variante sind fast 11 Prozent der Münchner reich. Gesichert ist: Etwa 33.000 Münchner verdienen mehr als 125.000 Euro brutto im Jahr.

Statistik der zehn reichsten Münchner bzw. ihrer Familien: Einsam an der Spitze: die BMW-Milliardäre Klatten/Quandt.

Die höchste Millionärsdichte Deutschlands herrscht in Grünwald

Wobei die Reichsten nicht unbedingt in einem teuren Appartement in der Innenstadt wohnen – die meisten Millonäre zieht’s ins Umland. Fakt ist etwa: Knapp zwei Prozent der Einwohner Grünwalds sind Einkommensmillionäre (brutto) – die mit Abstand höchste Millionärsdichte Deutschlands, gefolgt von Königstein im Taunus und Gräfelfing. Von den 20 Gemeinden mit der höchsten Millionärsdichte liegen sechs im Münchner Umland, darunter Starnberg, Oberhaching und Gauting sowie Dießen am Ammersee. In München leben laut Behörden-Zahlen insgesamt 1268 Millionäre.

Wenn man’s so betrachtet, müssen wir in Sachen München eigentlich nicht mehr vom „Millionendorf“ reden, sondern vom Millionärsdorf.

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Wie glücklich macht Geld? Ein reicher Münchner berichtet 

Dietmar Holzapfel (l., mit seinem Gatten Josef Sattler) besitzt eine Wohnung im The Seven (Müllerstraße).

Dietmar Holzapfel ist Besitzer des Hotels Deutsche Eiche, er hat eine Wohnung im exklusiven The-Seven-Turm. Die meisten Menschen würden sagen: Dieser Mann ist reich. Wie sieht er selber das? Das Interview:

Was bedeutet Reichtum?

Dietmar Holzapfel: Der größte Reichtum ist für mich das persönliche Glück – eine Partnerschaft, in der man aufeinander Acht gibt.

Also nichts Materielles?

Holzapfel: Ich finde, dass es reicht, wenn man ein normales Leben führen kann. Dass die einfachen Dinge des Lebens ­reichen.

Friedrich Merz sagt, mit einem Einkommen von einer Million jährlich gehöre er nur zur oberen Mittelschicht – sehen Sie das auch so?

Holzapfel: Millionär ist ja nicht gleich Millionär. Es gibt da viele Unterschiede – um Vermögensmillionär zu sein, reicht es schon, ein Reihenhaus in München zu besitzen. Wenn man mehr als eine Million Euro an Einnahmen hat, stellen sich viele Fragen: Wie sieht es zum Beispiel mit Krediten aus? Außerdem muss enorm viel versteuert werden. Mit einem Nettoeinkommen von einer Million gehört man aber schon zur oberen Schicht.

Macht Reichtum glücklich?

Holzapfel: Die Leistung kann glücklich machen. Bei der Erbengeneration frage ich mich: Sind die wirklich glücklich?

Wie ist Ihr Verhältnis zu Geld?

Holzapfel: Ich fahre einen kleinen Elektro-Smart. Wenn ich einkaufen gehe, schaue ich immer auf den Preis – es müssen keine teuren Marken sein. Ich putze und mache meine Wäsche selbst. Ich könnte mir zwar eine Putzfrau leisten, aber ich brauche das alles nicht.

Wie viel Geld zahlen Sie für ein Paar Schuhe?

Holzapfel: Bei Schuhen sollte man nicht sparen. Ich möchte, dass sie länger halten und achte zum Beispiel auch darauf, dass sie aus echtem Leder sind. Im Normalfall gebe ich so um die 150 Euro aus.

Sind Sie beim Trinkgeld besonders spendabel?

Holzapfel: Großzügig. Ich halte mich immer an die zehn Prozent. Wenn der Service sehr gut war, sind es mehr.

Wie viel Gewinn machen Sie mit der Deutschen Eiche?

Holzapfel: Das ist schwer zu sagen… Wir machen ordentlich Gewinn und können uns nicht beklagen. Aber wir haben auch viele Schulden. Beim Kauf hat sie 3,3 Millionen Euro gekostet – daraus haben wir aber etwas Schönes gemacht.

Wie viel haben Sie für Ihre Wohnung im Glockenbachviertel gezahlt?

Holzapfel: Mit Garagen etwa fünf Millionen Euro.

Würden Sie sich als reich bezeichnen?

Holzapfel: „Reich“ klingt großkotzig. Also: Arm sind wir nicht…

Kathrin Braun

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