Millionendiebstahl in Commerzbank

Paukenschlag beim Panzerknacker-Prozess: Männer verlassen jubelnd das Gericht

In der Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz kam es zu dem spektakulären Diebstahl. Wie viel Geld tatsächlich erbeutet wurde, muss jetzt das Gericht klären.
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In der Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz kam es zu dem spektakulären Diebstahl. Wie viel Geld tatsächlich erbeutet wurde, muss jetzt das Gericht klären.

Wie konnten die 4,6 Millionen aus dem der Commerzbank verschwinden? Im Prozess vor dem Landgericht München ist es zu einer überraschenden Wende gekommen.

  • Im Prozess um den Millionendiebstahl in der Commerzbank gibt es eine drastische Wende.
  • 4,62 Millionen Euro sollen aus dem Tresorraum der Commerzbank am Promenadeplatz in München verschwunden sein.
  • Jetzt forderte selbst die Staatsanwaltschaft für vier Angeklagte einen Freispruch 

München - Paukenschlag im Panzerknacker-Prozess: Am Dienstag (11. Februar) hat das Landgericht vier Angeklagte freigesprochen. Jubelnd verließen die Männer das Strafjustizzentrum. Wer die 4,6 Millionen Euro aus der Commerzbank gestohlen hat, bleib somit weiter unklar.

Selbst die Staatsanwaltschaft hatte einen Freispruch gefordert: Riccardo I. (50), Agron S. (45), Francesco G. (30) und Nezir H. (72) sei keine Beteiligung an einem Bandendiebstahl nachzuweisen. In der Anklageschrift galten sie noch als Hintermänner für den Millionen-Diebstahl, der sich am Promenadeplatz ereignet hat.

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Millionen-Diebstahl aus Commerzbank in München - vieles unklar

„Es sind jetzt Nachermittlungen erforderlich“, sagte der Vorsitzende Richter Gilbert Wolf. Er fordert zwei Gutachten über die Commerzbank an und will genau prüfen lassen, wie etwa die Alarmanlage funktioniert, mit welchem Kraftaufwand man ein Schließfach im Tresorraum aufhebeln kann und wer Zugriff auf Kundendaten hatte. Für Mitte September wurde inzwischen ein neuer Prozess angesetzt: Silvia F. (58), die seit 1992 bei der Commerzbank angestellt war, ihr Sohn Luca (31) sowie Besart H. (27) müssen sich dann erneut vor dem Landgericht verantworten. So lange bleiben sie auf freiem Fuß.

„Die Behörden haben schlampig ermittelt, die Anklage steht auf sehr wackeligen Beinen“, sagt Rechtsanwalt Sascha Petzold, der die Hauptangeklagte Silvia F. vertritt. „Ich bin überzeugt, dass sich auch die Unschuld meiner Mandantin ab Herbst zeigen wird.“

Bilder aus der Überwachungskamera genügen nicht

Für die Justiz ist der Fall tatsächlich schwer aufzuklären. Zwar gibt es Fotos aus der Überwachungskamera, doch die zeigen nur vermummte Männer, die den Tresorraum der Bank betreten. Bislang gibt es keine schlagkräftigen Beweise, die die Angeklagten überführen könnten.

Bilder aus der Überwachungskamera zeigten Verdächtige in der Bankfiliale – doch für eine Verurteilung reicht das nicht.

Weiter Rätselraten um mysteriöse reiche Russin

Eine zentrale Rolle im Prozess kam deshalb Evgeniya B. zu. Vor Gericht sollte die reiche Russin berichten, wie viel Geld sie tatsächlich in ihren sieben Schließfächern bei der Commerzbank eingelagert hatte. Doch ihrer Ladung als Zeugin war sie am 4. Februar nicht gefolgt.

Schon vergangene Woche war Richter Gilbert Wolf deswegen sauer: „Wie soll das Gericht die Wahrheit finden, wenn die Geschädigte nicht erscheint?“, fragte er. Noch immer fehlen detaillierte Angaben, wie viele Millionen verschwunden sind. Die Commerzbank selbst kann darüber keine Angaben machen, weil sie es schlicht nicht weiß – das Bankgeheimnis schützt die Kunden, die in Schließfächer packen können, was sie wollen. Letztlich ist es ihre Privatsache. Auch die Ermittler tappen diesbezüglich noch im Dunkeln.

„Darum tun wir uns so schwer mit dem Verfahren“, sagte Wolf. Er will nun die gesamte Schließfachanlage in der Filiale am Promenadeplatz überprüfen lassen. Doch diese Gutachten nehmen mehrere Monate Zeit in Anspruch und fordern den Einsatz von Spezialisten.

Ein Schreiner baute den Tresorraum der Commerzbank für den Prozess nach.

Münchner Commerzbank will sich zum Fall nicht äußern

Auch der Münchner Commerzbank stehen nun wohl noch unruhige Zeiten bevor. Auf Nachfrage will sich die Bank nicht zum Fall äußern. Weder zu den Freisprüchen noch zu den gerichtlich angeordneten Nachermittlungen in der Filiale am Promenadeplatz. Klar ist jedoch: Bis heute wirft es Fragen auf, wie es möglich sein kann, dass Diebe mutmaßlich drei Mal im Tresorraum diverse Schließfächer aufbrechen – und danach unbehelligt mit Koffern aus der Bank spazieren.

Antworten darauf muss die Justiz finden. Bis zum 25. März 2021 hat das Landgericht den neuen Panzerknacker-Prozess terminiert. Insgesamt 47 Verhandlungstage stehen ab September an. Wie das Verfahren ausgeht, wird wohl auch von den neuen Ermittlungen abhängen. Und davon, ob es doch noch Beweise gegen die drei verbliebenen Angeklagten gibt.

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