Seit zwei Monaten verschwunden

Mutter & Tochter weiter vermisst – Freundinnen erzählen: „Nichts tun zu können macht uns kaputt“

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München: Maria und ihre 16-jährige Tochter Tatiana sind spurlos verschwunden.

Seit zwei Monaten sind Maria und ihre 16-jährige Tochter Tatiana verschwunden. Marias Ehemann sitzt in Untersuchungshaft. Zwei Freundinnen der Mutter erzählen über ihren Schmerz.

München - Für Silvia M. (44) und Andrea T. (43, Namen geändert) ist seit zwei Monaten jeder Tag ein Albtraum. Die Frauen sind zwei der besten Freundinnen von Maria Gertsuski (41), die seit zwei Monaten – ebenso wie ihre 16-jährige Tochter Tatiana – spurlos verschwunden ist. „Diese Ohnmacht, nichts tun zu können, macht uns kaputt“, sagen sie traurig.

Beziehung zum Tatverdächtigen habe „ganz normal“ gewirkt

„Es ist wie im Film ,Und täglich grüßt das Murmeltier‘, nur in der Horrorversion“, beschreibt Andrea T. die vergangenen Wochen. Maria Gertsuskis Lebensgefährte Roman H. (44) sitzt unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. „Unser Leben hat sich geteilt in ein Davor und ein Danach“, erklären die Frauen, die Maria seit mehr als 12 Jahren kennen. Den Tatverdächtigen haben Silvia M. und Andrea T. mehrmals zusammen mit Maria Gertsuski getroffen. Die Beziehung habe „ganz normal“ gewirkt. „Viel hat Maria jedoch nie darüber erzählt“, so Silvia M. Beide Frauen sprechen in der Vergangenheit von ihrer Freundin. Doch es kostet sie Überwindung, so als würden sie sich mit jedem Wort darüber klar, dass jede Hoffnung, die Vermissten lebend zu finden, irreal ist.

„Wir haben uns für Maria gefreut, dass sie einen neuen Lebensgefährten hat“, erzählen die Freundinnen. Roman und Maria hätten viele Ausflüge unternommen. Im Juni trafen sich Silvia M. und Andrea T. noch in einer größeren Gruppe mit dem Paar. „Da wirkte alles ganz normal.“ Man könne sich überhaupt nicht vorstellen, dass man jemanden kannte, der zu so etwas fähig sein soll. „Man denkt sich auch: Warum schweigt der? Es würde allen sehr helfen, wenn er mal reden würde!“ Natürlich habe der Tatverdächtige auch ein Recht zu schweigen. „Aber kann man das so hinnehmen? Man mag sich kaum vorstellen, wie der Familie von Maria und Tatiana – den beiden Vätern (dem von Maria und dem von Tatiana, Anm. der Redaktion) dabei zumute ist.“

Tatverdächtiger rief Freundinnen an und fragte, ob sie wissen wo Maria ist

Maria beschreiben die Freundinnen als erfolgreiche Frau, deren Leben sich um Tatiana und ihren Vater in Russland drehte. Da Tania, wie ihre Mama und Bekannte das Mädchen nannten, jedoch erwachsen wurde, wollte die Mutter für sich ein neues Glück finden. Das hoffte sie in Roman H. gefunden zu haben.

Der Ehemann rief die Freundinnen am 14. Juli an und fragte, ob sie wüssten, wo Maria ist. „Am Anfang waren wir nicht so besorgt, wir hatten die Hoffnung, dass es für das Verschwinden eine harmlose Erklärung gibt.“ Mittlerweile sind sie aufs Schlimmste vorbereitet. „Schlechter als jetzt kann es uns nicht gehen. Die Familie und wir Freunde können ja gar nicht trauern.“

Die Frauen kritisieren Ermittlungen

Die Frauen hoffen nun auf die Ermittler. „Wir wollen und müssen jetzt einfach glauben, dass der Fall für die Polizei höchste Priorität hat und sie juristisch und personell alle Möglichkeiten ausschöpft.“ Die Ergebnisse, die das Präsidium bislang vorweisen kann, kommen beiden recht oberflächlich vor. „Wir hoffen, dass die Polizei mit der nötigen Tiefe an den Fall herangeht.“

Sie kritisieren auch, dass weder Familie noch Öffentlichkeit Informationen zu den Fortschritten der Ermittler bekämen. „Das ist sehr unbefriedigend.“ Sie böten den Beamten jede Hilfe an. „Es kann doch nicht sein, dass mitten in München am helllichten Tag zwei Frauen verschwinden und man sie nicht findet“, sagen beide. Es gebe heute zahllose technische Möglichkeiten. Und der Täter müsse doch Spuren hinterlassen haben.

Bei jedem Wort kämpfen die zwei mit den Tränen. „Natürlich haben wir Angst vor der Wahrheit, aber würden Maria und Tatiana nicht gefunden, wäre das das Horror­szenario.“ Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf, dass der Fall aufgeklärt werde. Dann hätten Familie und Freunde eine Chance, damit abzuschließen. „Und die Mädels haben das auch verdient.“ 

Die Polizei ermittelt: Suchaktion in einem Waldstück

Stefanie Wegele

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