Diskussion um Freizügigkeit

Barbusig in Münchens Freibädern planschen? Das sagt der Stadtrat zur Idee der Grünen

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Ohne Bikini-Oberteil im Freibad schwimmen? In München derzeit ein polarisierendes Thema.

In München schwimmt eine Frau barbusig im Freibad. Nach einer Verwarnung durch den Bademeister bricht eine hitzige Debatte los. Nun macht der Stadtrat eine Ansage.

Update 7. August 2019: Wer zu welchem Zeitpunkt in den Freibädern oben ohne schwimmen darf, werden weiterhin die Bademeister der Stadtwerke München (SWM) entscheiden. Der Feriensenat hat es am Mittwoch mehrheitlich abgelehnt, eine anderslautende Regelung zu erlassen. Die Grünen hatten beantragt, das auch in den SWM-Bädern - analog zur neu gefassten Badekleidungsverordnung an der Isar - eine Badehose ausreiche. 

Befeuert hatte die Debatte ein Vorfall, bei dem eine Frau barbusig geschwommen war, der Bademeister sie allerdings aufforderte, sich zu bekleiden (siehe unten). Kurz zuvor hatte der Stadtrat aber entschieden, dass an der Isar schwimmen und sonnen auch ohne Bikinioberteil erlaubt ist. In den Bädern ist das Sonnen erlaubt, das Schwimmen eher nicht - zumindest liegt es im Ermessensspielraum der Bademeister. Dabei sollte man es auch belassen, sagte etwa CSU-Stadträtin Alexandra Gassmann: „Eine Regelung ist nicht nötig. Man sollte dem Personal vor Ort vertrauen.“ 

SPD-Stadtrat Christian Vorländer fand, die Diskussion sei zuletzt wirklich heftig geworden. Das bisherige System laufe seit Jahren und es funktioniere schließlich. Und wenn sich Beschwerden häuften, so CSU-Stadträtin Manuela Ohlhausen, könne man immer noch nachsteuern. Grünen-Chef Florian Roth sah das erwartungsgemäß anders: „Oben ohne zu baden, ist längst Normalität. Es ist inakzeptabel, dass die Gleichberechtigung in den Münchner Schwimmbädern noch an einen Zustimmungsvorbehalt des Badepersonals geknüpft wird.“

Oben-ohne-Vorfall in Münchner Freibad sorgt weiter für Verwirrung 

Update 29. Juli 2019: An der Isar dürfen sich Frauen seit Kurzem „oben ohne“ sonnen und ohne Bikinioberteil baden gehen. Das hatte der Stadtrat entschieden. Doch gilt das auch für städtische Freibäder? Die Grünen zumindest wollen, dass die Stadtwerke München (SWM) die Badebekleidungsverordnung anpassen. SWM-Sprecher Michael Solic sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Das Sonnen oben ohne ist erlaubt, das Schwimmen nicht.“ 

Darf in Münchens Freibädern oben ohne geplanscht werden? (Symbolbild)

Zuletzt war über die sozialen Medien ein Fall bekannt geworden, bei dem eine Frau barbusig geschwommen ist, der Bademeister sie allerdings aufforderte, sich zu bekleiden. (siehe Meldung unten). 

Die Grünen nehmen das nun zum Anlass für einen entsprechenden Antrag. Grünen-Chef Florian Roth: „Es braucht endlich Rechtsklarheit. Wir möchten gerne, dass noch diesen Sommer ein für alle Mal geklärt wird, dass im städtischen Einflussbereich dieselben Regeln für alle Menschen gelten. Eine Badehose muss mit. Der Rest ist dann eine Frage der Mode und sollte jedem und jeder selbst überlassen bleiben.“

Für Aufsehen am Sendlinger Tor sorgte am Dienstagabend eine spektakuläre Wassersäule.

Meldung vom 24. Juli 2019: Oben-ohne-Ärger in Münchner Freibad: Schwimmerin wirft pikante Frage auf

München - Für freizügige Sonnenanbeter ist München kein leichtes Terrain. Obwohl die Nackerten an der Isar seit jeher das Stadtbild prägen, gibt es immer wieder Ärger. Im Juni wiesen Mitarbeiter eines von der Stadt engagierten Sicherheitsdienstes Frauen zurecht, die sich nahe der Reichenbachbrücke oben ohne gesonnt hatten. 

Eine hitzige öffentliche Debatte folgte, bis der Stadtrat ein Machtwort sprach: Gemäß Verordnung muss Badekleidung die primären Geschlechtsorgane bedecken. Heißt: Eine Badehose reicht nun gleichermaßen bei Männern, wie bei Frauen. Doch gilt das auch im Freibad?

Video: FKK - das sind die Regeln beim Nacktbaden

Oben ohne im Freibad: Ist das in München eigentlich erlaubt?

Diese Frage hat nun die Radio-Journalistin Julia Fritzsche aufgeworfen. „War vorhin mit einem Freund in einem Münchner Freibad. Wir schwammen Bahnen, bis ein Bademeister sagte, ich müsste ein Oberteil tragen. Ich trug eine Badehose wie mein Freund“, war am vergangenen Donnerstag (18. Juli) auf ihrem Twitter-Account zu lesen. Der Bademeister habe sich auf die Hausordnung berufen, erklärt Fritzsche. Wie das denn allgemein gehandhabt werde, wunderte sich die Journalistin - und verlinkte in ihrem Tweet den Account der Stadt München. 

Wenige Tage später bekam Fritzsche eine launige Antwort. „Leben und leben lassen“, heißt es in dem von den Münchner Stadtwerken abgesetzten Tweet. Wer gerne oben ohne sonnenbaden oder schwimmen gehe, könne dies auch weiterhin tun. „Wir weisen unsere Kolleginnen und Kollegen darauf hin“, versprechen die Stadtwerke. Auch auf ausgewiesene Bereiche für FKK-Begeisterte, die es etwa im Dantebad gibt, wird aufmerksam gemacht.

In einem Freibad in Düsseldorf kam es am Freitag zu erheblichen Ausschreitungen. Der Präsident der deutschen Bademeister sprach von einem „Ort des Schreckens“.

Oben ohne in Münchner Freibädern: Offizielle Verordnung liest sich weniger launig

Weniger tolerant liest sich die offizielle Benutzungsordnung der städtischen Bäder. Der Aufenthalt im Nassbereich sei nur in geeigneter Badekleidung gestattet, heißt es da. Und weiter: „Die Entscheidung, ob eine Badebekleidung den Anforderungen entspricht, obliegt dem Personal.“

lks

„Sittenwächter“ sorgen in München nicht nur an der Isar für Aufsehen. Auch am Feringasee klagen Badegäste über Kontrollen, die es früher nicht gab.

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