Diskussion um fehlerhafte Abrechnung

Wiesn-Urgestein zieht sich nach Vorwürfen zurück: „Jetzt mag ich nicht mehr“

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Wiggerl Hagn will der Wiesn den Rücken kehren.

Die Diskussion um die fehlerhafte Abrechnung in seinem Löwenbräu-Zelt hat Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn offenbar so zugesetzt, dass er sich vom Oktoberfest zurückziehen will.

Oktoberfest-Hammer: Wirt vom Löwenbräu-Zelt, Wiggerl Hagn will sich zurückziehen

Update 11. Januar 2019, 8.18 Uhr: Wiggerl Hagn hat genug. Die Querelen um die angeblich fehlerhafte Abrechnung im Löwenbräu-Zelt haben das Wirte-Urgestein so entnervt, dass es sich jetzt vom Oktoberfest zurückziehen will. „Der Shitstorm, der über uns eingebrochen ist, war zu viel. Ich bin echt angefressen. Ich habe niemals betrogen, werde aber wie ein Schwerverbrecher hingestellt. Jetzt mag ich nicht mehr“, sagte der 78-Jährige der Bild. Er habe die Brauerei nun gebeten, seine Tochter Stephanie und seinen Enkel Lukas als künftige Zeltbetreiber vorzuschlagen. Hagns unversöhnliche Position: „Wenn sie es (das Zelt, Anmerkung der Redaktion) nicht bekommen, werde ich die Theresienwiese nie mehr betreten. Das wäre zu schmerzhaft. Die Wiesn war mein Leben.“

lks

Meldung vom 8. Januar 2018:

München: Jetzt entscheidet der Stadtrat, ob die Festwirt-Legende noch mal darf

München - Das wäre der Hagn-Hammer! Die Brauerei rückt offenbar zum Teil von ihrem Wiesn-Wirt ab. Wir wissen: Löwenbräu hat zwar Wiggerl Hagn (79) erneut als Zelt-Festwirt vorgeschlagen, aber auch eine Alternative angeboten. Demnach könnten Hagn-Tochter Stephanie Spendler und einer seiner Enkel, Johannes oder Lukas, die Festleitung übernehmen. Nach über 60 Jahren – Wiesn ohne Wiggerl? Die Entscheidung trifft nun der Stadtrat!

Das Vorgehen von Löwenbräu stellt insofern ein Novum dar, da die sechs Brauereien üblicherweise nur einen Festwirt für ihre Zelte benennen. Der Stadtrat genehmigt dann die Bewerbung der Brauerei, nicht des Wirtes. Anders ist dies bei den fünf freien Zelten, wo der Gastronom als Bewerber auftritt.

Festwirt Hagn hat Ärger mit der Stadt

Rathaus-Insider gehen davon aus, dass eine Bewerbung Löwenbräus mit dem Festwirt Hagn schwierig geworden wäre. Wie berichtet, hat der 79-Jährige Ärger mit der Stadt, weil er rund zwei Millionen Euro an Umsatz nicht angegeben haben soll. Unter anderem soll Hagn die Freimarken der Brauerei, die diese verschenkt, nicht zur Ermittlung der Pacht eingebracht haben. Dadurch sind der Stadt wohl 110 000 Euro entgangen – die der Wirt allerdings inzwischen beglichen hat. Das abschließende Ergebnis der Prüfung durch das für das Oktoberfest zuständige Referat für Arbeit und Wirtschaft liegt noch nicht vor. Hagn war für die tz nicht zu erreichen.

Ferner war aus Rathaus-Kreisen zu erfahren, dass der zweite Vorschlag der Brauerei auch nicht wirklich eine Alternative darstelle, denn Spendler betreibt das Zelt schließlich gemeinsam mit ihrem Vater in einer Gaststätten-Betriebs oHG, also einer offenen Handelsgesellschaft. 

Es besteht Gesprächsbedarf

„Wenn einer von zweien etwas macht, handelt er mit und für den anderen“, sagt ein Branchenkenner. „Es wird da sicher noch Gespräche geben, eventuell auch einen Hinweis an die Brauerei.“

Gesprächsbedarf besteht definitiv, denn wie berichtet lässt das Referat für Arbeit und Wirtschaft aufgrund der Causa Hagn derzeit die Abrechnungen aller großen Wiesn-Wirte abermals kontrollieren. Darauf hatte OB Dieter Reiter (SPD) bestanden. Dazu sind externe Prüfer eingeschaltet worden. 

Diese Kosten wiederum sollen die Wirte tragen. Und nicht wenige Szenekenner gehen davon aus, dass die so entstandenen finanziellen Zusatzbelastungen beim Oktoberfest 2019 wiederum auf die Preise umgelegt werden.

So vergibt die Stadt die Zelte

Insgesamt gibt es (mit der Oidn Wiesn) 16 große Zelte und 22 kleine. Welcher Wirt auf dem Oktoberfest zum Zuge kommt, entscheidet die Stadt. Die orientiert sich an einem Bewertungskatalog mit 13 Kategorien – zu vergeben sind jeweils null bis elf Punkte. 

Kriterien sind unter anderem Volksfesterfahrung, Zuverlässigkeit bei der Vertragserfüllung, Tradition, Ortsansässigkeit des Bewerbers, Ökologie und Umweltschutz. Besonders hoch bewertet werden die Ausstattung, der technische Standard und die Anziehungskraft der Betriebe. 

S. Karowski, A. Geier

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Kommentare

AmtsdienerAntwort
(0)(0)

Das ist eben die Magie von Macht und Geld :-)

AmtsdienerAntwort
(0)(0)

Merkelsyndrom?

Amtsdiener
(0)(0)

78 Jahre alt und die besagte "Ruachdrüsn" musste betäubt oder operiert werden, welche aber selbstverständlich weiter vererbt wird, damit der Goldesel zumindest in der Familie bleibt.
"Ja mei, de Kinda hoabm ja sunsd nix glernd und woin hoid a guad lebm!"
Meine Frage ist ganz klar, gibt es schon ein Spendenkonto?