Prozess am Oberlandesgericht München

OP-Pfusch - dann sitzt Schülerin (15) plötzlich im Rollstuhl

Wegen eines Behandlungsfehlers saß eine 15-Jährige plötzlich im Rollstuhl (Symbolbild)
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Wegen eines Behandlungsfehlers saß eine 15-Jährige plötzlich im Rollstuhl (Symbolbild)

Der Behandlungsfehler fiel den Ärzten zunächst nicht einmal auf den Röntgenbildern auf - seither ist ein Mädchen gelähmt.

  • Eine 15-jährige Schülerin sollte an der Wirbelsäule operiert werden.
  • Als die junge Patientin nach der OP aufwachte, machte sie eine schreckliche Entdeckung.
  • Das Oberlandesgericht München hat in dem Schmerzensgeld-Prozess jetzt ein Urteil gefällt.

München - Was einem 15-jährigen Mädchen im Krankenhaus passierte, ist wahrlich ein Albtraum: Die Schülerin wurde wegen einer Verkrümmung der Wirbelsäule operiert. Erst erfolgreich – doch dann hatte sie einen Kreislaufzusammenbruch. Ein Katheter wurde gelegt – landete allerdings im Spinalkanal. Seitdem ist das Mädchen querschnittsgelähmt. Die heute 27-Jährige bekommt nun 500.000 Euro Schmerzensgeld von der Klinik – plus 250.000 Euro an Zinsen. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) München gestern entschieden. 

Was war genau passiert? Das Mädchen hatte sich im Jahr 2008 wegen einer Wirbelsäulen-Verkrümmung (genannt Skoliose) in einer Klinik in Schleswig-Holstein operieren lassen. Die Operation verlief nach Angaben des Gerichts wie geplant – bis es die Komplikationen gab. Dass der Katheter nicht nur die Vene, sondern auch den Spinalkanal traf, fiel den behandelnden Ärzten übrigens zunächst nicht einmal auf Röntgenbildern auf. 

Entsetzlicher Behandlungsfehler in Krankenhaus: „Mehrere Fehler in einer Kette“

Schrecklich: Als die junge Patientin am nächsten Morgen aufwachte, konnte sie ihre Beine nicht mehr bewegen, machte die Ärzte darauf aufmerksam. Sie ist seither vom vierten Halswirbel an abwärts gelähmt. „Die Klägerin hat ihr Geh- und Stehvermögen vollständig eingebüßt und auch die Beweglichkeit der Arme und Hände ist stark eingeschränkt“, teilte das Gericht mit. „Weil wir mehrere Fehler in einer Kette sehen, behandeln wir sie in der Summe als grob“, begründete der Vorsitzende Richter das Urteil. 

Das Landgericht Traunstein, das in erster Instanz zuständig war, weil die Klinikgesellschaft ihren Sitz am Chiemsee hat, hatte der Klägerin 430.000 Euro und eine Schmerzensgeld-Rente von 1500 Euro pro Quartal zugesprochen. Die Klinik aber ging in Berufung, sprach von „schicksalhaft“. Und tatsächlich: Die Entscheidung änderte das OLG nun ab. Einen Grund für eine Rente sah der Senat nämlich gestern nicht. „Wir haben das eher zusammengefasst.“

dpa/frs

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