Eigentlich Gerichtstermin geplant

Polizist verprügelt unschuldigen Fußball-Fan - Überraschende Einigung

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Ein Polizist verprügelt einen Fußballfan mit einem Schlagstock. Wegen Körperverletzung wurde er bereits verurteilt, doch bekommt der Fan auch Schmerzensgeld?

Ein Polizist verprügelt einen unschuldigen Fußball-Fan und fälscht den Einsatzbericht. Jetzt einigten sich die Parteien überraschend außergerichtlich zum Schmerzensgeld.

Update vom 28. November, 14.30 Uhr: Im Schadensersatz-Prozess um einen Fußballfan, der von einem Polizisten verprügelt worden war, der anschließend den Einsatzbericht fälschte und dem Fan einen Angriff mit einer abgebrochenen Bierflasche unterstellte, erzielten die Parteien eine außergerichtliche Einigung. 

Der Polizist war bereits wegen Körperverletzung verurteilt worden. Am Mittwoch sollte das Oberlandesgericht entscheiden, ob der Fan auch Schmerzensgeld vom Freistaat bekommt. Der wollte dieses nicht zahlen. Nun kamen die Parteien kurz vor Prozessbeginn außergerichtlich zu einer Einigung. Wie diese aussieht, ist nicht bekannt.

Polizist verprügelt unschuldigen Fußball-Fan - Bekommt der Schadensersatz?

Artikel vom 29. November, 12.45 Uhr: München - Ein Polizist gerät mit einem betrunkenen Fußball-Fan aneinander, geht schließlich mit dem Schlagstock auf ihn los - und fälscht den Einsatzbericht. Wegen Körperverletzung wurde der Beamte schon verurteilt. Doch damit ist der Streit noch nicht zu Ende.

Ein Fußball-Fan fordert nach einem Polizeieinsatz 5100 Euro Schmerzensgeld vom Freistaat Bayern. Das Oberlandesgericht (OLG) München befasst sich an diesem Donnerstag mit dem Fall.

Der Polizist hatte den betrunkenen Fußball-Fan brutal verprügelt - und später gelogen

Der Fan von Eintracht Bamberg war nach OLG-Angaben im März 2013 nach einem Regionalliga-Spiel gegen die zweite Mannschaft des FC Ingolstadt am Ingolstädter Bahnhof völlig betrunken mit einem Polizisten aneinandergeraten. Der Bamberger boxte ihm auf einer Treppe in den Rücken. Dabei hatte er zwar eine Bierflasche in der Hand, nutzte diese aber nicht als Waffe. Mehrere Beamte brachten ihn daraufhin zu Boden.

Der vorher geschlagene Polizist verprügelte den Fan mit einem Schlagstock, stach ihm damit auch in die Rippen - und fälschte schließlich den Einsatzbericht. Darin gab er an, der Betrunkene sei mit einer abgebrochenen Bierflasche auf ihn losgegangen.

Dass diese Angaben falsch waren, klärte sich mithilfe eines Handy-Videos auf, das ein Passant von der Tat gemacht hatten. Der Polizist, der viermal auf Schulter und Bein des Mannes geschlagen hatte, wurde daraufhin wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt und Verfolgung Unschuldiger zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt.

Körperverletzung ja, Schadensersatz nein: Der Freistaat will dem Fußball-Fan nichts zahlen

Das Verfahren gegen den Fußball-Fan wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung wurde eingestellt.

Doch damit ist der Streit noch nicht vorbei: Der Fußball-Fan hat den Freistaat Bayern als Dienstherren des Polizisten auf Schadenersatz verklagt, wie das Oberlandesgericht mitteilte. Er erlitt nach eigenen Angaben Blutergüsse an Armen und Beinen und Schürfwunden am Kopf, sieht durch die falsche Darstellung seine Persönlichkeitsrechte verletzt und fordert darum mindestens 5100 Euro.

Der Freistaat will aber nicht zahlen und gibt an, der wegen Körperverletzung verurteilte Polizist habe sich im Großen und Ganzen rechtskonform verhalten. Die Schläge mit dem Schlagstock seien rechtlich gedeckt gewesen - nur der Stoß in die Rippen nicht und dieser Stoß habe den Kläger nicht verletzt.

Das Landgericht hatte die Klage des Fußball-Fans abgewiesen und den Polizei-Einsatz als rechtmäßig beurteilt. Gegen diese Entscheidung zog der Kläger nun eine Instanz weiter. Jetzt muss das Oberlandesgericht entscheiden.

mas/dpa

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