„Wir wollen natürlich nicht...“

Pop-Up-Radwege in München: Unfälle vorprogrammiert? Auf diesen Routen lauern die Gefahren

Neu seit Montag: ein temporärer Fahrradweg an der viel befahrenen Elisenstraße.
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Neu seit Montag: ein temporärer Fahrradweg an der viel befahrenen Elisenstraße.

In der Corona-Pandemie nutzen Menschen verstärkt das Fahrrad. In München entstehen deshalb Pop-Up-Bike-Lanes - eine potentiell gefährliche Mischung.

  • München hat eine Pop-Up-Bike-Lane mehr - in der vielbefahrenen Elisenstraße
  • Die Fahrradwege sind eine Reaktion auf die Corona-Pandemie in München.
  • Das Bündnis Radentscheid setzt sich für weitergehende Maßnahmen ein.
  • Viele weitere spannende Geschichten aus München gibt es in unserer App.
  • München - Jedes Jahr werden über 3000 Fahrradfahrer in München* bei Unfällen verletzt. Hinzu kommt, dass seit Corona* immer mehr Menschen aufs Fahrrad steigen. Eine gefährliche Mischung, die die Stadt zum Handeln veranlasst hat. Sie installiert temporäre Fahrradwege, um die Situation an neuralgischen Punkten zu entschärfen. 

    Den Initiatoren der Bürgerbegehren Radentscheid München und Altstradt-Radlring  geht das nicht weit genug. Zumal die Baustellensituation die Lage in der ohnehin schon viel befahrenen Innenstadt noch verschärft (siehe unten).

    Pop-Up-Radwege in München - OB Reiter: „Wollen nicht, dass alle auf das Auto umsteigen“

    Deshalb war der Ort für den großen Pressetermin am Montagmorgen von Dieter Reiter (SPD) passend gewählt: Der Oberbürgermeister hat die Medien an die Elisenstraße eingeladen, wo das Baureferat zwei so genannte Pop-Up-Bike-Lanes – auf deutsch temporäre Fahrradwege – zwischen Lenbachplatz und Dachauer Straße abmarkiert hat.

    Reiter sagte: In der anhaltenden Corona-Pandemie habe man festgestellt, dass viele Menschen den öffentlichen Nahverkehr mieden und lieber mit Auto oder Fahrrad unterwegs seien. „Wir wollen natürlich nicht, dass alle nun wieder auf das Auto umsteigen und dabei bleiben.“ Die temporären Radwege seien geeignet, rasch Verbesserungen für den Radverkehr zu bringen und diesen damit sicherer und attraktiver zu machen.

    Neu seit Montag: ein temporärer Fahrradweg an der viel befahrenen Elisenstraße.

    München mit neuen Pop-Up-Bike-Lanes:

    Wie berichtet, hatte der Stadtrat Ende Mai beschlossen, fünf temporäre Radwege im Stadtgebiet einzurichten. Der Test läuft bis Ende Oktober. Entlang dieser Strecken dürfen Radfahrer dann Autospuren benutzen, die als Radwege markiert werden. Betroffen sind zwei Teilabschnitte auf der Rosenheimer Straße, die Zweibrückenstraße zwischen Erhardt-/ Steinsdorfstraße und Rumford-/Thierschstraße, die Theresienstraße zwischen Türken- und Schleißheimer Straße sowie die Gabelsbergerstraße zwischen Arcis- und Türkenstraße. 

    „Das ist natürlich besser als nichts“, sagt Radentscheid-Sprecherin Katharina Horn, die beim Termin mit dem Baureferat vor Ort war. „Aber wir brauchen noch viel mehr.“ An der Elisenstraße zeige sich, dass die jetzige Lösung nicht viel mehr als eine Baustelle sei. Der neue Radweg verlaufe neben den Parkflächen für Autos. „Und gerade in dem Bereich ist die Fluktuation sehr hoch.“ 

    Ausparkende Wagen müssen den Radlweg queren – da seien Unfälle vorprogrammiert. „Das bedeutet: Man müsste es gleich besser machen.“ Horn fordert, dass die Inhalte beider Bürgerbegehren umgesetzt werden. „Da ist bisher wenig passiert.“ Zur Sicherheit der Fahrradfahrer.

    Der Bentley war nur geliehen. Mit einem Luxus-Auto hat ein junger Mann in München einen Mega-Crash verursacht.

    Mehr zum Thema Pop-Up-Bike-Lanes im Video:

    München: Immer mehr Radler – aber Schnellwege fehlen

    Immer mehr Menschen fahren mit dem Rad – bereits vor Corona hatten die städtischen Mess-Stellen 2018 ein Plus von 10,8 Prozent an gezählten Zweirädern verzeichnet. Doch ein Durchkommen ist insbesondere in der Innenstadt schwierig – Sperrungen und Umleitungen wegen Baustellen. Daher wird es beispielsweise in der Marsstraße 1 und in der Elisenstraße 2 eng. Auch in der Luisenstraße – zwischen Sophienstraße und Karlstraße 3 ist in Fahrtrichtung Nord Einbahnstraße. Das gilt ähnlich für die Schwanthalerstraße zwischen Paul-Heyse- und Sonnenstraße 4 in Fahrtrichtung Ost.

    Der ADFC fordert darüber hinaus Verbesserungen – besonders im Bereich der Innenstadt, etwa zwischen Sendlinger Tor und Lindwurmunterführung 5. Der vom Radentscheid München geforderte Altstadt-Radlring würde zudem Verbesserungen auf der Sonnenstraße 6 bringen. Notwendig wären laut ADFC auch bessere Radwege auch auf der Nymphenburger Straße 7 sowie ein Radschnellweg auf der Ludwig- und Leopoldstraße Richtung Garching 8.

    In der Corona-Krise produzieren die Münchner mehr Müll. Dabei scheinen viele nicht zu wissen, dass auf ein Verhalten empfindliche Strafen drohen.

    *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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