Hinterbliebene hoffen auf Aktenzeichen XY ungelöst

Münchner Radl-Rambo weiter unauffindbar: Witwe zieht bitteres Fazit - „So ehrlich sind wir miteinander“

Die Witwe und der Schwager des Verstorbenen am Grab.
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Die Witwe und der Schwager des Verstorbenen am Grab.

Am 17. Mai 2020 kam Fabio Dettori bei einem Unfall ums Leben. Maßgeblich beteiligt war ein unbekannter Radfahrer, der nach wie vor unauffindbar bleibt. Wir haben mit Witwe und Schwager gesprochen.

  • Am 17. Mai 2020 kam Fabio Dettori bei einem Unfall ums Leben.
  • Maßgeblich beteiligt war ein unbekannter Radfahrer, der nach wie vor unauffindbar bleibt.
  • Wir haben mit Witwe und Schwager gesprochen.

München - 17. Mai 2020: Dass dieser Tag zu ihrem Schicksalsdatum werden würde, hat Lidija Dettori nicht ahnen können. An diesem Tag verliert die werdende Mutter nicht nur ihren Ehemann Fabio, sondern auch die Liebe ihres Lebens und den Vater ihrer ungeborenen Zwillinge. Seitdem versucht die Familie – allen voranSchwager Ugur Cetinkaya – den Mann, der maßgeblich an dem tödlichen Fahrradunfall beteiligt war, zu finden. Trotz Öffentlichkeitsfahndung der Polizei konnte derRadl-Rambo abtauchen. Darüber haben wir mit der Witwe und Fabios Schwager gesprochen.

Frau Dettori, wie geht es Ihnen inzwischen?

Dettori: Nicht gut. Auch wenn der Unfall nun schon fünf Wochen her ist. An manchen Tagen ist es besser, aber ich weine trotzdem noch sehr viel. Ich habe meinen Arzt schon gefragt, ob es schlecht für die Kinder ist, wenn ich immer so traurig bin. Aber da ist alles in Ordnung.

Eins der Fahndungsfotos.

Wissen Sie schon, was Sie erwarten?

Dettori: Ich bin jetzt am Anfang vom fünften Monat der Schwangerschaft. Seit vorletzter Woche ist klar, dass es zwei Jungen werden.

Kann man sagen, dass Ihnen die Schwangerschaft Halt in dieser schweren Zeit gibt? Trotz allem?

Dettori: Irgendwie schon. Ich muss jetzt stark sein. Aber ich habe auch Angst, wie das alles werden soll. Deshalb freue ich mich so über die Unterstützung.Dass ich so viele Spenden bekommen habe, aber auch Pakete mit Babykleidung. Mir wurden sogar schon ein Bettchen und ein Kinderwagen geschenkt. Da zeigt sich so viel Anteilnahme, die Menschen haben viel Herz.

Cetinkaya: Das stimmt wirklich. Unser Spendenaufruf wurde allein bei Facebook 8000 Mal geteilt. Lidijas Schicksal berührt die Menschen.

Die Medien berichten über ihre Familie, die Polizei fahndet mit Fotos und Plakaten. Trotzdem kann der zweite Unfall-Beteiligte nicht gefunden werden.

Nach tödlichem Radl-Unglück: „Jeder normale Mensch würde sich melden“

Centinkaya: Die Situation ist für uns unerträglich. Wenn man sich alles, was passiert ist, anschaut, dann muss man sagen: Fabio hatte maximales Pech. Dass er auf diesen anderen Fahrradfahrer getroffen ist, er geschubst wurde, die Art, wie er gefallen ist: Von zwei Millionen Stürzen ist es genau dieser eine Sturz, der tödlich ist. Dann gibt es zwar Fahndungsbilder, aber sie sind schlecht. Das ist etwas, was uns total fertig macht. Jeder normale Mensch, egal wie er sozialisiert ist, hat doch ein bisschen Herz. Und würde sich melden.

Dettori: Jemand muss den Mann doch erkannt haben: Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn. Das gibt es doch nicht. Auch wenn ich ihn kenne oder gut mit ihm bin, kann ich ihn doch anonym bei der Polizei melden. Aber das macht keiner, das ist mir ein Rätsel.

Auch mit diesem Fotos wird gefahndet.

Radl-Rambo unauffindbar: „2000 Euro Belohnung scheinen zu wenig zu sein“

Glauben Sie noch an einen Fahndungserfolg?

Wir haben gehofft, dass der Mann gefunden wird. Und Fabios Pechserie damit endet. Aber nach fünf Wochen kommt uns mittlerweile der Gedanke, dass das vielleicht nie eintritt. Und wir damit leben müssen. So ehrlich sind wir miteinander.

Was muss in Ihren Augen passieren?

Centinkaya: Drei Dinge: Zum einen hoffen wir, dass das LKA die Belohnung erhöht. 2000 Euro scheinen zu wenig zu sein. Dann könnte die Münchner Polizei den Fall in die Fernsehsendung„Aktenzeichen XY... ungelöst“ bringen. Drittens hoffe wir, dass es noch zu einer Auswertung der Handy-Daten kommt. Wer war an dem Tag vor Ort? Das ist sicher arbeitsintensiv. Aber man sollte doch alles versuchen.

Nur durch Zufall entgehen Mitarbeiter einer Katastrophe, als ein Bohrgerät abstürzt und ins Büro kracht.

Das Gespräch führte Nadja Hoffmann

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