Überblick zum Fahrplanwechsel

Tarifreform beim MVV beschlossen: Ab 2019 für 55 Euro durch ganz München

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Bahnpreise

Das MVV-Tarifsystem wird endlich einfacher und trotzdem günstig. Nachdem die Reform bereits angekündigt wurde, ist sie nun beschlossene Sache - zumindest wenn Stadt und Landkreise zustimmen. 

Update, 23. November 2018, 14.10 Uhr:

Die breite Mehrheit der Fahrgäste soll im öffentlichen Nahverkehr im Großraum München künftig günstiger unterwegs sein - und das komplexe Tarifsystem wird einfacher. Die Gesellschafterversammlung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) beschloss am Freitag eine entsprechende Tarifreform. Nun müssen der Münchner Stadtrat und die Kreistage der zum Verbund gehörenden acht Landkreise zustimmen, damit die Neuerung zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 in Kraft treten kann. Die Reform kostet rund 70 Millionen Euro. 35 Millionen teilen sich die Stadt München und die Landkreise. Zudem fördert der Freistaat die Reform mit rund 35 Millionen Euro.

Nicht zuletzt damit sei über das gesamte Fahrkartensortiment eine Preisreduzierung von etwa sieben Prozent erreicht worden, teilte eine MVV-Sprecherin mit. Für einige Monatskarten im Stadtgebiet sollen Kunden sogar bis zu 30 Prozent weniger zahlen. Vor allem Vielfahrer mit Zeitkarten würden entlastet. Nur wenige Fahrkarten sollen etwas teurer werden, dafür werde in den meisten dieser Fälle der Geltungsbereich ausgeweitet. Das Herzstück der Reform sei die Vereinheitlichung auf sieben Tarifzonen, erläuterte der MVV. In dieser neuen Struktur fänden Fahrgäste schneller das richtige Ticket. Bisher gab es Ringe, Zonen und Räume.

Artikel vom Morgen des 23. November 2018:

München - Heute ist der große Tag: Im zweiten Anlauf soll der Beschluss für die große MVV-Tarifreform fallen, die dann ab Ende 2019 gilt. Dazu gehört ein Monatsticket für die ganze Stadt und angrenzende Gemeinden für 55,20 Euro. Darauf haben sich der Freistaat, die Stadt München und die Landkreise nach tz-Informationen vorab verständigt. Offiziell soll die Gesellschafterversammlung das Paket heute beschließen. Ein erster Entwurf war kurz vor der Landtagswahl geplatzt.

Der Freistaat schießt 35 Millionen Euro zu – damit kann man Härten und Tarifsprünge abmildern. Im Schnitt wird das System über alle Tarife gerechnet um sieben Prozent günstiger als heute. „Es war uns ein Anliegen, die Reform mit unserer finanziellen Unterstützung weiterzuentwickeln“, sagt Verkehrsminister Hans Reichhart (36, CSU).

Video: MVV bekommt neues Tarifsystem

München: MVV-System mit 16 Ringen und vier Zonen wird abgeschafft

Kernpunkt der Reform: Das System mit 16 Ringen und vier Zonen wird abgeschafft. Stattdessen kommt die M-Zone für das Stadtgebiet und angrenzende Gemeinden. Außenrum soll es sechs Zonen geben. Fahrgäste, die von außen nur eine kurze Strecke in die Stadt hineinfahren, müssen kein Ticket mehr für die gesamte M-Zone kaufen. Das gilt für Knotenpunkte wie Trudering, Pasing, Solln und die U-Bahn-Station Frankfurter Ring. Die MVV-Gesellschafter reagieren so auf Klagen des Landkreises München, der sich in der Erstfassung der Reform benachteiligt sah. Alle Gemeinden in die M-Zone aufzunehmen, sei aber nicht möglich.

Allerdings wird der Preis fürs Monatsticket gesenkt – von zunächst geplanten 59,90 Euro auf 55,20 Euro. Wer sich für die Jahreskarte im Abo mit jährlicher Zahlung entscheidet, kommt im Monat sogar auf weniger als 44 Euro. 1- bis 2-Ring-Kunden zahlen künftig nicht mehr als bisher, können aber das gesamte Stadtgebiet nutzen. Wer drei Innenstadt-Ringe hatte, zahlt künftig 17 Prozent, wer vier Ringe hatte, sogar 30 Prozent weniger. Die Streifenkarte kostet auch in Zukunft 14 Euro, der Kunde soll aber wegen der geänderten Zonen im Schnitt um 15 Prozent günstiger wegkommen.

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MVV München: Zeitkartenbesitzer müssen umgestellt werden

Die MVV-Gesellschafter, OB Dieter Reiter, Verkehrsminister Hans Reichhart und Landrat Robert Niedergesäß haben auch auf Übergangsregelungen geachtet: Mehrere hunderttausend Zeitkartenbesitzer müssen zum 15. Dezember 2019 auf den neuen Tarif umgestellt werden – und niemand soll Nachteile haben. Weil es in den meisten Fällen billiger wird, können viele MVV-Nutzer mit Rückbuchungen rechnen. Für eine geringe Zahl von Zeitkarten gebe es Preisaufschläge, räumen die Macher ein. In diesen Fällen müsse man den Aufschlag erst nach Ablauf des aktuellen Abo-Jahres bezahlen.

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Einzelfahrscheine werden zum Teil teurer – dem könne man aber durch Kauf einer Streifenkarte aus dem Weg gehen. Geht die Reform wie erwartet heute durch, sind die Kreis- und Stadträte gefragt: In allen acht Landkreise und in der Stadt müssen die Gremien noch zustimmen.

OB Dieter Reiter.

9. Dezember ist Stichtag für neuen Fahrplan in der Region München

Am 9. Dezember ist es soweit: Bei MVV, MVG und der Deutschen Bahn tritt der neue Fahrplan in Kraft. Eine Preiserhöhung wird es beim MVV heuer glücklicherweise nicht geben. Auch heuer hofft jeder Pendler, dass seine Strecke verbessert wird. Ob Sie von den Änderungen bei Bus, Bahn und Tram betroffen sind, sehen Sie in unserem großen tz-Überblick zum Fahrplanwechsel.

Das ändert sich: Fernverkehr in München

Die Schnellstrecke von München nach Berlin wird verstärkt – durch den ICE4 mit mehr Platz als bei allen anderen Baureihen. Außerdem gibt’s fünf statt bisher drei Sprinter am Tag. Die Nachtverbindung München-Frankfurt-Berlin erhält mehr Verbindungen, ab jetzt auch von Freitag auf Samstag und von Sonntag auf Montag. Zwischen Ostern und den Herbstferien fährt er sogar jede Nacht. Außerdem in Planung: eine ganzjährige ICE-Verlängerung über München-Garmisch-Partenkirchen nach Innsbruck.

Das ändert sich im MVV: U-Bahn

Die U4 soll künftig einheitlich im Fünf-Minuten-Takt fahren – Unterschiede zwischen Schultagen und Ferien gibt’s nicht mehr. Ebenfalls vereinheitlicht werden die Fahrpläne der U3 und der U6. Auch bei der U5 wird’s einfacher. Die Züge fahren montags bis freitags ohne Ausnahme bereits ab 12.45 Uhr und auf der ganzen Linie im 5-Minuten-Takt, auch in den Ferien. Bei den Großmessen Bau und Bauma unterstützt die U7 teils den Messeverkehr nach Riem. Die Samstagslinie U8 wird bis Neuperlach Zentrum fahren.

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Das ändert sich im MVV: Trambahn

Die Tram 19.

Bei der Tram gilt ein neuer Netzfahrplan mit den dauerhaft verlängerten Linien 19 bis Berg am Laim Bf. und der Linie 21 zur St.-Veit-Straße. Die Linie 15 wird ab dem Fahrplanwechsel künftig auch samstags betrieben. Sie verstärkt die Linie 25 zwischen 10 Uhr und 20 Uhr. Die Linie 23 erhält eine neue Haltestelle zwischen Parzivalplatz und Münchner Tor mit dem Namen Schwabinger Tor. Gedulden müssen sich die Passagiere auf die geplante Verlängerung der Linie 22 bis zum Willibaldplatz. Sie fährt bis auf Weiteres zwischen den Stationen Hochschule München und Stachus. Es fehlen zusätzliche Fahrzeuge.

Das ändert sich im MVV: S-Bahn

Für die S1 gibt’s eine neue tägliche Frühverbindung um 4.36 Uhr ab Freising. Auch auf der Linie S2 – von Erding um 4.38 Uhr. Auf der Linie S6 verkehrt samstags ein neuer Frühzug von München-Pasing ab 5.18 Uhr. Zwei Frühverbindungen der S4, die bisher am Ostbahnhof endeten, werden montags bis freitags bis zum Leuchtenbergring verlängert. Am Samstag gibt’s eine neue S4-Verbindung von Trudering (ab 6.01 Uhr) bis München-Ost. Das Platzangebot der Linie S8 wird um 544 Plätze von und zum Flughafen (zwischen 12 Uhr und 16 Uhr) erweitert.

Das ändert sich im MVV: Busse

Pünktlich geht die neue Expressbuslinie X50 an den Start. Sie steuert Moosach, Frankfurter Ring, Studentenstadt und Alte Heide an und verbindet alle U-Bahnlinien im Münchner Norden. Im Frühjahr soll eine weitere Expressbuslinie kommen. Die X80 wird zwischen Moosach, Lochhausen, Gröbenzell und Puchheim Bahnhof verkehren. Einen neuen Stadtbus im Westen soll es ab Frühjahr auch geben: zwischen Pasing Bahnhof, Westkreuz, Hellensteinstraße, Joseph-Suder-Bogen und Germeringer Weg (geplant Linie 157).

Das Angebot auf der Linie 139 wird teilweise verdoppelt, auf der Linie 164 geschieht das morgens. Auf der neuen StadtBus-Linie 178 werden Gelenkbusse statt Solobusse eingesetzt. Zwischen Trudering und Iltisstraße fährt der StadtBus 185 abends nun länger im 10-Minuten-Takt.

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Das ändert sich: Regionalzüge in München

Bahnpreise

Im Stundentakt können Urlauber aus der Oberpfalz künftig mit dem Regionalzug von Regensburg über Landshut und Freising zum Flughafen München fahren – ohne umzusteigen. 78 Minuten dauert die gesamte Fahrt mit dem neuen Flughafenexpress. Ab Sommer 2019 soll die Expressstrecke von München nach Nürnberg außerdem die neuen Doppelstock-Züge von Skoda bekommen, die bis zu 190 Stundenkilometer schnell sind. Auf der Regio-Strecke von München über Ingolstadt nach Nürnberg wird nun außerdem verstärkt die „Twindexx“-Flotte mit mehr Sitzplätzen eingesetzt. Ein neues, günstiges Ticket kommt: Für Strecken mit einer Länge von maximal 50 Kilometernkönnen Reisende auf das „Bayern-Hopper“-Ticket zurückgreifen (13,60 Euro), bis zu drei Kinder unter 15 Jahren sind kostenlos.

Der MVV bereitet einen Großversuch zur Einführung eines Streckentarifs vor. Ab März 2020 sollen 10 000 MVV-Gelegenheitsfahrer an einem Großversuch teilnehmen.

Dirk Walter

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