Mehr als 7000 Fahrräder in der Stadt

München regt sich über Flut der „OBikes“ auf - nun spricht der Leihradl-Chef

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Muss Scherben kehren: Marco Piu auf einem der 7000 Münchner „OBikes“.

Der Start von OBike in München ist danebengegangen. „Eine PR-Katastrope“, sagt der Deutschland-Chef des Unternehmens, Marco Piu. Jetzt soll alles besser werden. Auch bei den Datenschutz-Richtlinien wird nachgebessert. Kundendaten würden aber ohnehin nicht weitergegeben.

Es gibt wahrlich bessere erste Arbeitstage. Seit einer Woche ist Marco Piu, 43, Deutschland-Chef des Leihrad-Anbieters Obike. Und er steht schon gehörig unter Druck. Anfang August hatte Obike 350 gelbe Leihräder in München aufgestellt. Jetzt sind es 7000. Viele Münchner sind empört, schimpfen über die vogelwild aufgestellten Radl. „Ich kann das alles verstehen. Das war zu viel“, sagt Piu. „Ich hätte die Einführung auch anders gemacht.“

Konnte er aber nicht, da war er, wie gesagt, noch nicht im Amt. Und der Deutschlandstart in München sei von Asien aus koordiniert worden. Piu soll nun die Scherben zusammenkehren. Oder die Radl. „Wir wollen die Probleme jetzt alle lösen.“ Er habe schon persönlich mit Vertretern der Stadtverwaltung gesprochen, zuvor fand Kommunikation nur über E-Mail statt. Erstes Ergebnis: Künftig sollen maximal zehn Räder an einer Straße abgestellt werden. Ab nächster Woche werden zudem vier Mitarbeiter des örtlichen Logistikunternehmens, mit dem Obike zusammenarbeitet, täglich in der Stadt patrouillieren und Räder entfernen, die wild abgestellt wurden. Derzeit passiere das nur auf Zuruf. „Sollten die vier Mitarbeiter nicht ausreichen, werden wir mehr schicken“, sagt Piu.

Obike ist erst Anfang des Jahres in Singapur gegründet worden, registriert ist das Unternehmen in Singapur. Es gibt Büros in Großbritannien, in der Schweiz, in Österreich und seit Kurzem in Berlin. Sieben Mitarbeiter sind in der Hauptstadt für Obike tätig.

„Es sind aber Fehler gemacht worden“

Der Markt in China sei für die Firma nicht interessant. Zum einen gebe es dort bereits sehr viele Anbieter, zum anderen gingen die Kunden nicht gerade pfleglich mit den Rädern um. Außerdem richte sich das Interesse der Leihrad-Anbieter nun langsam auf andere Kontinente. Daher habe Obike in München rasch reagieren wollen, um sich Markt- und Standortvorteile zu sichern. So erklärt Piu die Flut der gelben Drahtesel. „Es sind aber Fehler gemacht worden“, sagt der 43-Jährige. „Die Firma hatte keine konkreten Zahlen des Marktes.“ Außerdem hat sie offenbar aus den negativen Reaktionen in Zürich und London nichts gelernt.

Verkauft Obike die Daten seiner Kunden?

Eine weitere Baustelle für Piu ist der Vorwurf, Obike verkaufe die Daten der Kunden. Von einem entsprechenden Angebot seitens einer Vertreterin von Obike Deutschland an den Radl-Beauftragten der Landeshauptstadt „ist mir nichts bekannt“. Piu versichert auf Nachfrage, dass Obike die Kundendaten nicht weitergebe. Es bestehe auch keine Verpflichtung gegenüber Investoren. Zwar wird Obike durch Fremdfirmen mitfinanziert, es sei aber laut Piu kein Unternehmen darunter, das mit Kundendaten handle. Presseberichten zufolge ist die asiatische Internet-Handelsplattform Alibaba unlängst mit rund 700 Millionen Dollar bei einem Konkurrenten von Obike eingestiegen. „Bei uns aber nicht“, sagt Piu.

Womöglich im Sommer nächsten Jahres wird Bilanz gezogen, ob das Geschäft in München rentabel ist. Wie viele Kunden es gibt, verrät Piu nicht. Aber bisher sei die Leih-App 24 000-mal heruntergeladen worden. Und eine gute Nachricht noch für alle, die sich über die gelben Radl ärgern: Im Winter wird deren Zahl deutlich reduziert.

Lesen Sie auch: Fernost-Leihräder: CSU will Abstellchaos nicht hinnehmen

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