Zwischen Pannenserien und Ausbauplänen

Großer S-Bahn-Gipfel in München - jetzt hier anmelden

Die S-Bahn ist für unsere Pendler unverzichtbar, fährt aber an der Kapazitätsgrenze. Es gibt viele Stimmen, die den Ausbau auch auf den Außenästen fordern. Darüber wollen wir reden!

München - Pannen und Verspätungen der S-Bahn nerven – und doch weiß jeder: Die roten Züge sind unverzichtbares Rückgrat des Nahverkehrs. Der Münchner Merkur und die tz wollen auf einem S-Bahn-Gipfel Verbesserungsvorschläge erörtern. Denn die gibt es für jede Strecke – zum Beispiel auch für die S1.

„Ein massives Ausbauprogramm ist zwingend nötig, um die S-Bahn München und damit den Großraum zukunftsfähig zu machen“ – das sagt kein Dauernörgler an der Münchner Verkehrspolitik, das sagt die S-Bahn München selbst. Im März 2010 hat die Geschäftsleitung in einem internen Papier die „Infrastrukturengpässe der S-Bahn München als Risiko der weiteren Entwicklung des Großraum Münchens“ bezeichnet. Dabei war weniger von der (damals noch nicht beschlossenen) zweiten Stammstrecke die Rede, als vielmehr von zwei Problemen, an denen die Bahn bis heute leidet: 31 Prozent des 430 Kilometer langen S-Bahn-Netzes sind nur eingleisig – darunter weite Strecken der S7 und S2. Und auf 34 Prozent des Streckennetzes herrscht Mischbetrieb – auf Teilen des S4- und S1-Streckennetzes zum Beispiel werden ein- und dieselben Gleise von S-Bahnen, Güterzügen sowie Regional- und Fernzügen benutzt.

Pannenserie der S-Bahnen im Februar: Offenbar war nur eine Person schuld

Ein Beispiel: Pendler Edmund Lauterbach aus Unterschleißheim

Was das bedeutet, kann zum Beispiel Edmund Lauterbach, 59, gut erklären. Der IT-Spezialist ist S1-Nutzer, pendelt täglich zwischen Unterschleißheim und seiner Arbeitsstätte in Freising. Lauterbach ist auch Mitglied im Fahrgastverband Pro Bahn – und lästert auf Twitter gerne mal über die Bahn – „Das war jetzt wieder so eine typisch Sch...-Fahrt. Sie lernen es nicht“, heißt es dann. Im Gespräch erklärt er aber sehr sachlich, was ihn nervt. 

Einer von vielen: Edmund Lauterbach (59) pendelt mit der S1 - und ist genervt. 

Die S1-Route ist in der Region die am stärksten belastete Strecke ohne eigene S-Bahn-Gleise, sagt Lauterbach – eine Aussage, die die Bayerische Eisenbahngesellschaft bestätigt. Trotzdem benutzt die S1 seit eh und je dieselben Gleise wie viele Güterzüge und zum Beispiel auch der Donau-Isar-Express nach Passau. Inmitten dieses Grundrauschens ist die S1 präzise vertaktet – aber wehe, wenn die S-Bahn beispielsweise nach einem Störfall auf der Stammstrecke Verspätung hat. Dann tritt das ein, was Lauterbach hasst: Die S1 endet oder beginnt dann entweder am Hauptbahnhof oder gar in Moosach – wo ein U-Bahn-Anschluss besteht. Wer abends von München zurück in seinen Wohnort an der S1-Strecke will, muss er eine lange U-Bahn-Fahrt in Kauf nehmen, ehe er in Moosach in die S1 steigen kann.

Verkehrsminister im Landtag: Herrmann nimmt nach S-Bahn-Chaos in München Bahn in die Pflicht

Noch ein Problem nervt den Pendler: die vielen schienengleichen Bahnübergänge. Gleich neun Stück gibt es auf der Gesamtstrecke, vier davon im Münchner Stadtgebiet. Jede Schrankenstörung produziert Verspätung für die Bahn – und die Warterei nervt die Autofahrer. Ein neuralgischer Punkt sind zum Beispiel die Schranken an der B 471 in Oberschleißheim kurz vor dem Schloss. Sie sollen weg. Aber wie? Die Bürgerinitiative „Bahn im Tunnel“ und die Mehrheit im Gemeinderat haben ambitionierte Vorstellungen. „Ich stehe für die Beseitigung des Bahnübergangs“, sagt Bürgermeister Christian Kuchlbauer (Freie Wähler). Schon heute ist die Schranke in der Spitze 37 Minuten pro Stunde geschlossen. „Da muss eine Lösung her“, findet der Rathauschef. Nur eine Brücke über die Bahn zu schlagen, ist vielen Bürgern indes zu wenig – das produziere nur noch mehr Durchgangsverkehr. Also verlangen sie von der Bahn im Gegenzug die Tieferlegung der Gleise und die Verlegung des Bahnhofs nach Süden, besser aber gleich einen zweiten Bahnhof. Selbst Wohlmeinende glauben aber, dass ein neuer Bahnhof Utopie ist – ganz abgesehen davon, dass zusätzliche Standzeiten von Zügen auf der hochbelasteten Strecke kaum verkraftbar wären. Es sei denn, die Strecke bekäme neue Gleise. Dafür gibt es nicht mal eine Grobplanung.

Pendler Lauterbach hätte noch viele weitere Vorschläge zur Verbesserung der S1: „In der Hauptverkehrszeit wären ein paar dreiteilige Langzüge ganz nett“, meint er lakonisch. Und das Flügeln und Kuppeln in Neufahrn, wo die Strecke zum Flughafen abzweigt, sei steter Quell von Verspätungen. Könnte man nicht separate S-Bahnen fahren lassen? Fragen über Fragen – die auch beim S-Bahn-Gipfel zur Sprache kommen können. „Mich ärgert, dass die Bürgermeister der S1-Orte bisher wenig Flagge zeigen“, merkt Lauterbach noch an. Eins aber will er nicht: Mit dem Auto zur Arbeit. Dann lieber mit der verspäteten S-Bahn.

S-Bahn-Gipfel für die Region München

S-Bahn-Gipfel für die Region München - Eine Diskussion über Alltag, Probleme und Herausforderungen des S-Bahn-Netzes im Großraum München.

Termin: Donnerstag, 12. April, Beginn um 19 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr).

Ort: Alte Rotation unseres Pressehauses (Bayerstr. 57 direkt gegenüber vom Holzkirchner Flügelbahnhof)

Es diskutieren:

  • Bernd Pfeiffer, DB Netz, Leiter Großprojekte Bahnausbau München
  • Thomas Kantke, unabhängiger Verkehrsplaner in München
  • Günter Heyland, Bürgermeister von Neubiberg
  • Frank Kutzner, Leiter Projektgruppe Bahnausbau München im bayerischen Verkehrsministerium

Die Moderation übernimmt Dirk Walter (Münchner Merkur)

Nach Kurzvorträgen der Referenten wird es eine Diskussionsrunde auf dem Podium geben. Anschließend besteht Gelegenheit zu Fragen aus dem Publikum.

Wichtig: Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Wir bitten interessierte Besucher dringend darum, sich über das Kontaktformular anzumelden. Angemeldete Zuhörer erhalten innerhalb von drei Tagen eine Bestätigung.

Die Anmeldung ist beendet.
Vielen Dank für Ihr Interesse! Besuchen Sie unsere Seite gerne wieder.

Rubriklistenbild: © dpa / Sven Hoppe

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