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Neue Serie

Münchens schlimmste Verbrecher: Akram löschte eine halbe Familie aus - aus purer Mordlust

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Akram D. (18/kl. Foto) löschte im Frühsommer 1996 aus reiner Mordlust eine halbe Familie in Trudering aus.

Die neue Serie zeigt Münchens schlimmste Verbrecher. Heute geht es um einen unbegreiflichen Doppelmord, der 1996 die Münchner erschreckte und zutiefst bewegte.

München - Eigentlich wollte er die Frau schon an der Haustür erschießen. Aber weil die Mutter (55) seines Schulfreundes ihn so nett empfing („Hallo Akram, komm herein. Der Tobi ist oben in seinem Zimmer.“) gewährte er ihr gnädigerweise noch zwei Stündchen…

Es sind Details wie diese, die die abgrundtiefe, mutmaßlich krankhafte Empathielosigkeit eines jungen Mannes offenbarten, der im Alter von 18 Jahren eines der finstersten Kapitel Münchner Kriminalgeschichte schrieb. Am späten Abend des 22. Juni 1996 erschießt der Schüler Akram D. (18, alle Namen geändert) seinen Schulfreund Tobias T. (18) und dessen Mutter Christine (55).

Vater findet Leichen von Frau und Sohn und beweist Stärke

Vater Stefan (56) findet seine grausam entstellten Lieben, als er morgens von der Taxi-Nachtschicht heimkommt in den Truderinger Kiebitzweg. Er erträgt diesen doppelten Schicksalsschlag mit einer solchen Würde, dass selbst der Richter sich später vor diesem außergewöhnlichen Mann erheben wird.

Akram D. hat eine deutsche Mutter und einen pakistanischen Vater und wuchs in München auf. Er hat eine Menge Probleme mit sich selbst und der Dominanz seines Vaters. So stehen die Dinge, als er sich in der Schule mit Tobi anfreundet - dem immer freundlichen, intelligenten und zielstrebigen Sohn des Taxifahrers.

Akram dachte sogar über Amoklauf nach

Welch düstere Phantasien Akram beschäftigen, weiß Tobi wohl kaum. „Ich hatte daran gedacht, Amok zu laufen,“ gesteht Akram D. später der Mordkommission. Denn Akram will töten, Menschen sterben sehen. Wen seine Mordlust treffen wird, hat für ihn keine Bedeutung.

Eine Waffe hat er schon. Die Makarov-Pistole hat er seinem Vater gestohlen. Er hat sie dabei, als er am Abend des 22. Juni um 22 Uhr an der Doppelhaushälfte der Familie T. klingelt. Zwei Stunden schaut er mit Tobi das Video Alien III an. Um Mitternacht geht er hinunter in die Keller-Bar, in der Christine T. den Boxkampf Axel Schulz/Michael Moorer schaut. Dreimal schießt Akram auf die arglose Frau, den letzten setzt er aus nächster Nähe auf ihren Kopf auf.

Nach dem Doppelmord raucht Akram eine Zigarette

Tobias hat die Schüsse gehört. In der Ess-Ecke im Erdgeschoß trifft er auf Akram. Wieder fallen drei Schüsse, der letzte wieder aufgesetzt. Auch Tobias ist sofort tot. „In der Diele rauchte ich erst mal eine Zigarette,“ erzählt Akram der Mordkommission später. „Ich überlegte, ob ich auf Vater T. warten sollte.“

Er verwirft den Gedanken. Und tut etwas völlig Unbegreifliches: Er vergeht sich an der toten Frau. Später trampt er nach Neuperlach und besucht unter einem Vorwand seinen Vater, dem er 700 D-Mark (350 Euro) stiehlt. Dann flieht er nach Paris, wird dort aber bald gefasst.

Bewies vor Gericht Stärke: Stefan T., Ehemann und Vater der Mordopfer verlor kein schlechtes Wort über Akram D.

Täter wird in Psychiatrie eingewiesen

Die Trauer um die geliebten Familienmitglieder ist unermesslich. Viele Münchner schließen den verzweifelten Familienvater Stefan T. und seine erwachsene Tochter in jenen Tagen in ihre Gebete ein. Bei der Urteilsverkündung im März 1998 sitzt Stefan T. im Saal - um den Hals eine Krawatte seines Sohnes, an der linken Hand einen Ring, den ihm seine Frau geschenkt hatte. Akram wird auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie eingewiesen und zu anschließend neuneinhalb Jahren Haft verurteilt.

„Er hat einen fairen Prozess bekommen - und das ist gut so“, sagt Vater T. hinterher. „Ich wünsche ihm, dass er durch Beschäftigung im Gefängnis auch eine gewisse Erfüllung seines Lebens findet.“ Sichtlich bewegt verneigt sich sogar der Richter vor dieser menschlichen Größe und sagt: „Ihre bewegenden Worte wird wohl niemand je vergessen.“

Dorita Plange

In den bisherigen Teilen der Serie um Münchens schlimmste Verbrecher ging es um einen nervösen Mann im Trenchcoat, der nur seine Eltern stolz machen wollte, den Teufel von Herrsching und einen Stalker, der zum Mörder wurde.

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