Bande vergewaltigt Studentin (22) stundenlang

Münchens schlimmste Verbrecher: Der Albtraum nach der Wiesn

In der neuen Serie geht es heute um mehrere schockierende Sexualdelikte, die selbst erfahrene Polizisten, Staatsanwälte und Richter fassungslos machten:

München - Es war ein reiner Zufall, dass die Polizei das Handy mit den grauenhaften Vergewaltigungs-Fotos überhaupt in die Hände bekam. Weitere zwei Jahre vergingen, bis das Opfer – eine schwerst misshandelte junge Frau – die Kraft fand, sich der Münchner Polizei anzuvertrauen. Erst dann konnte dieser Fall endgültig gelöst und die Vergewaltiger für Jahre hinter Gitter gebracht werden. Ein Fall, der Opfern sexueller Gewalt Mut machen sollte, nicht länger still zu leiden und zu verdrängen. Weil ihr Schweigen nur die Täter schützt.

Im Januar 2008 gerät der Sendlinger Student Tim T. (27, Name geändert) in eine Drogenermittlung der Münchner Polizei. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wird sein Handy beschlagnahmt und ausgewertet. Dabei finden die Beamten Fotos einer extrem brutalen Vergewaltigung, die am 7. Oktober 2007 nach der Wiesn in Tim T.s Wohnung stattfand. 

Er war dabei nicht allein: Sein Freund Achim B. (28), ein Filialleiter, machte mit. Zeitweise vergewaltigten die Männer die Frau gleichzeitig. Eine Stunde dauerte dieses unmenschliche Verbrechen, dass der Dritte im Bunde mit dem Handy dokumentierte: Mechaniker David Z. (25) – ebenfalls nackt – beschränkte sich aber aufs Fotografieren. Die junge Frau wirkte völlig leblos. Und die Ermittler fragten sich, ob sie diese Tortur überhaupt überlebt hatte.

Münchens schlimmste Verbrecher: Der Albtraum nach der Wiesn

Wer sie ist, wissen die Männer angeblich nicht. Sie sei am nächsten Morgen gegangen. Als Einziger spricht später David Z. Man habe sich auf der Wiesn kennengelernt. Sie sei freiwillig mitgegangen. Sie habe sich freiwillig ausgezogen und alles wohl genauso gewollt. Die letzten beiden Punkte sind definitiv gelogen: Später wird sich erweisen, dass sich die junge Frau und Tim von der Uni kannten, dass sie mit der Droge GHB im Jägermeister betäubt wurde und dadurch sogar potenziell in Lebensgefahr geriet. Auf den Fotos sieht man außerdem, wie sie ausgezogen wurde.

Den einzig konkreten Hinweis auf ihre Identität gibt an ihrer Kleidung eine Holzklammer mit dem Schriftzug Liserl. Diese Klammern werden tausendfach auf der Wiesn verkauft. Im März 2009 steht die Anklage gegen die Männer wegen schwerer Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung. Aber wo ist Liserl und wer ist sie?

Sie wurden im Herbst 2009 zu Haftstrafen verurteilt: der Filialleiter Achim B. (29).

Im Juli 2009 – da läuft der Prozess bereits – die überraschende Wende: Lieserl meldet sich bei der Polizei und sagt aus. Mitte Juli war sie mit einer Freundin (24) ausgegangen. Die erzählte ihr von einem ganz anderen Missbrauchsfall. Da brach Liserl plötzlich in Tränen aus und erzählt von ihrem traumatischen Erlebnis. Im Hacker-Zelt hatte sie die drei Freunde getroffen. Weil sie Tim kannte, war sie arglos mit ins Taxi nach Sendling gestiegen. 

Münchens schlimmste Verbrecher: Lieserl geht erst mit einer Freundin zur Polizei

Dann setzt ihre Erinnerung aus. Am nächsten Morgen erwachte sie blutend und mit großen Schmerzen. „Was war los?“, fragte sie David. Der antwortete: „Nichts!“ Schwer verletzt an Körper und Seele schleppte sie sich heim. Aus Scham ging sie nicht mal zum Arzt. Sie wollte keine Fragen beantworten, am besten alles vergessen. Doch das Unterbewusstsein lässt sich nicht so leicht austricksen. Bereits die Erwähnung des anderen Falles hatte genügt, um Liserl zusammenbrechen zu lassen.

Der Münchner Student Tim T. (28)

Mit ihrer Freundin ging sie zum Kommissariat 15 für Sexualdelikte der Münchner Polizei. Dort fand sie Hilfe, Verständnis und Unterstützung, um dieses Trauma bewältigen zu können. Die 22-Jährige musste auch nicht vor Gericht aussagen. Nach Liserls Aussage wendete sich das Blatt: Die Haupttäter wurden im September 2009 zu fast elf bzw. knapp zehn Jahren Haft verurteilt. David Z. kassierte drei Jahre wegen Beihilfe. 

Alle drei zusammen mussten dem Opfer 22 000 Euro zahlen. Tim T. rang sich zuletzt zu einer Entschuldigung („Es tut mir wirklich wahnsinnig leid.“) durch. Achim B. zeigte wenig Einsicht: Er bezeichnete das Verbrechen als „Fehler“, den er auf „sehr viele Drogen und Alkohol“ zurückführte. 

Münchens schlimmste Verbrecher: Vor Sven K. (18) zitterte ganz München

Ein weiteres schlimmes Verbrechen geschah im Herbst 2001. Der junge Mann grüßte die Klosterschwester am Eingang höflich. Und schon war er im Haus. So begann am Morgen des 19. Oktober 2001 in der Grundschule der Armen Schulschwestern in der Blumenstraße (nahe Sendlinger Tor) ein Verbrechen, das wochenlang Schlagzeilen schrieb und eine bundesweite Diskussion über die Sicherheit an Schulen und schärfere Gesetze auslöste.

19. Oktober 2001: In der Klosterschule in der Blumenstraße vergewaltigt Sven K. ein kleines Mädchen (7)

Denn nur Minuten später dringt der Mann in der Mädchen-Toilette in eine Kabine ein, in der sich gerade die kleine Anna (7, Name verändert) aufhält. Vergewaltigt, beinahe erwürgt und schwerst verletzt wird Anna kurz darauf gefunden – dem Tode näher als dem Leben. Eine Not-OP rettet ihr Leben. Die Mordkommission zieht sämtliche Register – und findet bald heraus: Es war der gleiche Täter, der bereits am frühen Morgen des 17. August 2001 eine Reinigungskraft (20) in den Kellern der Frauenklinik in der Maistraße überwältigt. Die Frau war ebenfalls vergewaltigt und so extrem gewürgt worden, dass sie zeitweise bewusstlos war und ihr die Äderchen in den Augen platzten. Der Täter flieht, als er Geräusche hört. Zweieinhalb Monate später schlägt der Mann zum dritten – und letzten – Mal zu: In einem kleinen Ort nahe Seeshaupt greift er am Silvesterabend 2001 die Wirtin (56) eines Gasthofes in der Toilette an, würgt und vergewaltigt sie und raubt zudem ihre Geldtasche.

Ihre Beschreibung ist so gut, dass die Polizei den Täter wenig später in Kirchseeon bei Ebersberg festnehmen kann. Sven K. ist damals erst 18 Jahre alt, stammt aus einer zerrütteten Familie. Gewalt gehörte für ihn und seine Geschwister zum Alltag. Als Jugendlicher begeht er unzählige Straftaten, wird von Heim zu Heim weitergereicht. Er nimmt Drogen und trinkt. Im Juni 2001 landet er als Stricher in München. Beim Prozess im Oktober 2002 sagt seine eigene Schwester über ihn: „Ihm ist nicht mehr zu helfen.“ In der Nacht zum 27. Juni 2004 wird Sven K. tot in seiner Zelle des Bezirkskrankenhauses Straubing gefunden. Er hat sich erhängt. 

Dorita Plange

In den bisherigen Teilen der Serie um Münchens schlimmste Verbrecher ging es um einen nervösen Mann im Trenchcoat, der nur seine Eltern stolz machen wollte, den Teufel von Herrschingeinen Stalker, der zum Mörder wurde, einen Juwelier, der zweimal mit bewaffneten Räuberbanden kämpfte und einen grausamen Täter, der aus purer Mordlust eine halbe Familie auslöschte

Rubriklistenbild: © Unfried

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