Täter wollte Auto von 18-Jährigem haben

Münchens schlimmste Verbrecher: Er mordete aus purer Habgier

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Petru I. (25) wird im Januar 2002 in Temesvar/Rumänien wegen Raubmordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

In unserer Serie über Münchens schlimmste Verbrecher geht es diesmal um einen Fall aus dem Jahr 2001. Damals wurde mitten in der Stadt ein Autofahrer (18) entführt - und ermordet.

München - „Mama, ich habe so ein schönes Leben. So ein schönes Leben wie ich hat niemand.“ So glücklich feierte der Gymnasiast Sebastian O. (18) im Frühjahr 2001 im Überschwang der Gefühle seine neue Liebe, seine herzliche Familie, sein junges Leben.

Nur eine Woche später war der tief gläubige Gymnasiast tot: Ermordet von einem Gelegenheits-Mörder, dessen einziges Motiv die Gier nach Geld und Status war. Er hatte es nur auf Sebastians Auto abgesehen. So verlor eine leidgeprüfte Familie in Feldmoching den einzigen Sohn. Aber auch im fernen Temesvar in Rumänien - der Heimat des Mörders Petru I. (24) - brach für einige Menschen die Welt zusammen...

München: Späterer Mörder nutzt Großzügigkeit seines Gönners aus

Waisenkind Petru I. wuchs bei seiner Oma auf. Aber er hatte einen Gönner, der ihm beim Aufbau einer beruflichen Zukunft helfen wollte. Doch dessen Vertrauen und finanzielle Großzügigkeit nutzte Petru schamlos aus. Am 9. April 2001 fuhr der Rumäne im Zug nach München - mal wieder pleite.

Am Abend des 11. April fährt Sebastian im silbernen BMW seines Vaters zum Münchner Hauptbahnhof vor. Er bringt seine Freundin zum Zug. Der BMW 320i weckt sofort das Interesse des abgebrannten Petru I. Er wartet, bis Sebastian zurückkehrt, bettelt ihn auf dem Weg dorthin um Geld an. Sebastian winkt ab und steigt ein. Genau in diesem Moment springt Petru I. auf den hinteren Sitz, setzt Sebastian ein Messer an den Hals. Mitten auf dem Bahnhofsplatz wird der 18-Jährige entführt - und keiner merkt es.

Wurde nur 18 Jahre alt: Sebastian O. starb wegen seines BMW.

Währenddessen scheint es in einem „Cold Case“ wieder Bewegung zu geben. Rund 25 Jahre nach einem Mord sucht die Polizei in Hamburg nun eine Zeugin mit aktuellem Phantombild.

Im Prozess will sich Petru I. als Opfer darstellen

Im späteren Mord-Prozess in Temesvar benimmt sich I. wie ein Jammerlappen. Er stört sich an den Journalisten und will nach Deutschland ausgeliefert werden, weil ihm die Haftbedingungen nicht passen. Am Ende stellt er sich selbst als Opfer dar und deklariert den Mord als Notwehr. Das ärgert sogar den Richter.

Wahrscheinlich versuchte Sebastian unterwegs aus dem Wagen zu fliehen. Wo Petru I. den 18-Jährigen umbrachte, wurde nie geklärt. Erst am nächsten Tag wurde Sebastians Leiche in der Nähe von Weyarn im strömenden Regen im Straßengraben gefunden - mit durchtrennter Kehle. Zu diesem Zeitpunkt prahlte I. mit dem BMW schon längst in Rumänien und behauptete, sein Gönner habe ihm Geld geschenkt.

Sebastians Mutter reist nicht zur Urteilsverkündung

Die Oma ahnte schon, dass Petru wieder in Schwierigkeiten war. Die Wahrheit traf sie und Petrus schöne Freundin Jana (18) wie ein Blitz. Auch sein väterlichem Freund wandte sich tief enttäuscht ab: „Ich möchte diesen Verbrecher nie mehr sehen“, sagte er. Zur Urteilsverkündung - Petru bekam eine lebenslange Haftstrafe - fuhr Sebastians Mutter nicht nach Temesvar: „Ich werde ihm nie verzeihen. Verzeihen kann nur der liebe Gott“, sagte sie später einmal.

Als Sebastian 15 Jahre alt war, war sein Opa gestorben. Ein Freund fragte ihn damals, warum er trotz all der Trauer und des Elends in der Welt so fest an Gott glaube. Sebastians Antwort war derart tiefgründig, dass der Freund noch lange darüber nachdachte. Sebastian sagte nämlich: „Ich denke, dass diese Welt nicht die ist, die wirklich zählt.“

Den silbernen BMW von Sebastian O. fanden die Ermittler in Rumänien - der Heimat des Mörders.

Münchens schlimmste Verbrecher: Die bisherigen Teile der Serie

In den bisherigen Teilen der Serie um Münchens schlimmste Verbrecher ging es um mehrere schockierende Sexualdelikte, um einen nervösen Mann im Trenchcoat, der nur seine Eltern stolz machen wollte, den Teufel von Herrsching, einen Stalker, der zum Mörder wurde, einen Juwelier, der zweimal mit bewaffneten Räuberbanden kämpfte und einen grausamen Täter, der aus purer Mordlust eine halbe Familie auslöschte.

Im niedersächsischen Göttingen hat ein Mann offenbar eine Frau auf offener Straße ermordet. Die Polizei steht vor einem Rätsel.

Dorita Plange

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