Schluss mit sexistischer Werbung

München verbannt frivole Werbe-Plakate - ist das prüde?

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Am Marienplatz war vor zwei Jahren diese Reklame zu sehen und es erhitzte die Gemüter der Stadt. 

Vor zwei Jahren löste eine Bikini-Werbung vor dem Hugendubel am Marienplatz einen Wirbel aus. Viel nackte Haut erhitzte die Gemüter in München. Nun hat die Stadt ein Machtwort gesprochen. 

München - Sexistische Werbung auf städtischem Grund ist nun verboten. Das hat der Stadtrat entschieden. Die ÖDP wollte auch gleich Werbung für Tabak und Alkohol unterbinden, was keine Mehrheit fand. Am Ende blieb die Frage offen, ob nicht auch frivole Plakate der städtischen Theater betroffen sind.

Bikini-Werbung sorgte am Marienplatz in München für Wirbel

Vor knapp zwei Jahren sorgte eine halbnackte Schönheit am Marienplatz für Kontroversen. Auf einem 114 Quadratmeter großen Poster räkelte sich das brasilianische Supermodel Ariana Lima in Bademode des Herstellers Calzedonia. Die Reklame befand sich aber nicht etwa an der Hausfassade des damals renovierten Hugendubel-Gebäudes, sondern davor. Sie stand direkt vor dem S-Bahn-Zugang, um die Container der Baustelle zu verdecken – und damit auf städtischem Grund.

Sexuelle Inhalte sind ein probates Werbemittel, um Aufmerksamkeit zu schüren und das Konsumbedürfnis zu steigern – doch damit ist jetzt Schluss. Der Stadtrat beschloss gestern, Werbung mit sexistischem Inhalt auf städtischen Werbeflächen zu verbieten. Die Entscheidung fiel zwar einmütig, aber nicht ohne Debatte: Die ÖDP stellte den Antrag, auch Werbung zu verbieten, welche Produkte und Dienstleistungen zeigt, die dem Jugendschutzgesetz unterliegen, also Personen unter 18 Jahren nicht zugänglich sein sollen. Darunter fallen zum Beispiel Alkohol, Tabak und Glücksspiel. „Wir können als Stadt auf solche Werbung verzichten“, sagte ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff. Auch Linke-Stadträtin Brigitte Wolf stimmte zu: „Wenn wir Werbung mit sexistischem Inhalt oder Verstößen gegen die Menschenrechte verbieten, dann sollten wir auch den Jugendschutz mit aufnehmen.“

Alkohol und Tabak-Werbung sind aber in Ordnung

Dagegen wehrte sich allerdings die SPD-Fraktion. „Wir sind gegen sexistische und pornografische Werbung, aber nicht gegen Werbung mit Tabak und Alkohol“, sagte Stadträtin Bettina Messinger. „Gerade während der Wiesn können wir Brauereien doch nicht ihre Werbung verbieten.“ Auch die CSU- Fraktion ist dagegen: „Tabak und Alkohol sind ganz neue Aspekte der Debatte, die in eine andere Richtung gehen. Wir können das jetzt nicht so einfach beschließen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Manuel Pretzl.

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Was ist sexistisch eigentlich genau?

Auch mit einer grundsätzlichen Frage musste sich das Gremium auseinandersetzen: Ab wann genau kann Werbung als sexistisch angesehen werden? Reklame gilt per Definition insbesondere dann als sexistisch, wenn sexuelle Attraktivität als Werbemittel ohne Sachzusammenhang verwendet wird. Im Falle Calzedonia bedeutete dies, zu prüfen, ob eine Abwertung und Stereotypisierung von Frauen vorliegt, oder ob Dessous-Werbung mit Frauenkörpern erlaubt ist.

Eine weitere Frage warf Stadträtin Ursula Sabathil (Freie Wähler) auf, als sie während der Vollversammlung ein Poster des Volkstheaters hochhielt, das zwei nur mit Unterhose bekleidete Männer in enger Umarmung zeigt: „Dieses Plakat ist sexistisch und beleidigend“, sagte die Stadträtin. Es scheint, als bestünde ein schmaler Grat zwischen Kunstfreiheit und sexistischer Werbung.

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Dem Zusatzantrag der ÖDP, Produkte und Dienstleistungen, die nach dem Jugendschutzgesetz einer Altersfreigabe unterliegen, mit einzuschließen, stimmten lediglich ÖDP- und Linke-Fraktion zu. Hier sei es vor allem wichtig, zunächst den rechtlichen Rahmen zu prüfen, betonte OB Dieter Reiter (SPD).

Das sagen die Münchner 

Ich bin da nicht so empfindlich! Die Werbebilder sind völlig in Ordnung. Ich sehe in der Werbung weder den Grund für Sexismus noch für übermäßigen Alkoholkonsum oder das Rauchen. Wenn diese Art der Werbung verboten wird, wo hört es dann auf? Es gibt andere Baustellen, an denen man zu diesem Thema ansetzen sollte, wie zum Beispiel bei der Erziehung durch Eltern. 

Kirstin M. (50), Computerspezialistin aus München

 

Werbung hat einen starken Einfluss auf Jugendliche. Und solche Bilder erzeugen natürlich ein verzerrtes Bild der Realität. Aber ob das Verbot solcher Werbung hilft, gegen diese Verzerrung vorzugehen, ist fraglich. Dennoch finde ich es einen guten Schritt, diese Werbung von der Straße zu nehmen. Sie hat eher einen negativen Einfluss – und schließlich hat die Stadt eine Verantwortung gegenüber den Bürgern. 
Konstantin Hamberger (24), Student aus München

 

Die Fotos sind doch super! Anstößig finde ich sie gar nicht. Letztes Jahr wurden solche Plakate ja überklebt, das fand ich komisch. Auch dass Tabakwerbung den Konsum begünstigt, sehe ich eher kritisch. Ich fand als Kind die Marlboro-Werbung auch toll und bin kein Raucher geworden. Eltern sehe ich da eher in der Vorbildfunktion.
Rosalie Hatlapa (33), Webdesignerin aus München

Umfrage: Ann-Kathrin Ulbricht

Warum sind unsere Mülleimer genoppt? 38 kuriose München-Fakten

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1. Alle Entfernungs-Angaben zu München auf Bayerns Autobahnen beziehen sich auf die Mariensäule. © dpa
2. Wenn man das gesamte Straßennetz der Stadt per Taxi durchqueren würde, dann müsste man etwa 3460 Euro löhnen. © dpa
3. In München gibt es 10 962 Künstler, in der Kulturwirtschaft sind 40 140 beschäftigt. © dpa
4. Rund 40 000 Tauben bevölkern München. © d pa
5. Durch Falschparker nimmt die Stadt im Jahr zirka 10,5 Millionen Euro ein. © dpa
6. Seit Thomas Seehaus (Symbolfoto) ist München Millionenstadt: Er kam am 15. September 1958 zur Welt. Eltern: Hubert (Kaminkehrermeister) und Brigitte aus Pasing. © dpa
7. Die Dienstumkleide-Kabinen der Polizeiinspektion 22 am Prinzregentenplatz befinden sich im ehemaligen Schlafzimmer Adolf Hitlers. © Kurzendörfer
8. In den U-Bahnhöfen Odeons- und Goetheplatz laufen seit dem Jahr 2000 ununterbrochen zwölf Klassik-Stücke – in einer 300-Minuten-Schleife. © Kurzendörfer
9. Der FC Bayern hat auf Facebook über sechs Millionen Fans – das sind mehr als die nachfolgenden zehn deutschen Fußballclubs zusammen. © dpa
10. 2011 zogen 112 947 Menschen nach München – Rekord der vergangenen 20 Jahre. © dpa
11. Eines der beiden Uhrenblätter am Isartor (hier das "andere") ist verkehrt herum angebracht. Das ist europaweit einmalig! © Schlaf
12. Die Abfalleimer sind genoppt, damit Wildplakatierer keine Chance haben. © Kurzendörfer
13. Würde man eine Linie zwischen dem Nordturm der Frauenkirche und dem Turm der Heilig-Geist-Kirche verlängern, würde sie genau nach Mekka führen. © dpa
14. Bei uns leben 30 828 Hunde, die täglich sechs Tonnen Hundekot erzeugen. © dpa
15. Eine Wiesnmass hat etwa so viel Alkohol wie acht Schnäpse. © dpa
16. Die Ziegen, die das Leder für neue Lederhosn für die Wiesn liefern, haben in Indien oder Pakistan gegrast. © dpa
17. In Hella­brunn sind 19 183 Tiere. © Tierpark Hellabrunn
18. Der kleinste Friedhof steht in Neuhausen und hat 175 Grabstätten. © Haag
19. Die laufenden Füße und die Augen des Tatort-Vorspanns wurden am Flughafen München-Riem gedreht. © dpa
20. Der Wolfsbrunnen am Kosttor zeigt Rotkäppchen und den Wolf, weil dessen Stifter Adolf Wolf hieß. © Emons Verlag
21. Die Klingel gehört zur Burschenschaft Stauffia (Stollbergstr. 16). © Emons Verlag
22. Das Wiesn-Riesenrad war das erste weltweit mit „Zacken“ – also außen aufgehängten Gondeln. © dpa
23. In den insgesamt 53 Pflegeheimen der Stadt liegt die Männerquote nur bei 21 Prozent. © dpa
24. Das nicht anerkannte, selbsternannte Fürstentum Seborga (Italien, 323 Einwohner) hat ein Konsulat in Bogenhausen. © Symbolfoto: dpa
25. München liegt südlicher als Wien (Foto). © dpa
26. Die erste Aufgabe des ersten namentlich bekannten Henkers Münchens, „Magister Haimpert“: Er hängte seinen Vorgänger (14. Jh.). © dpa
27. Die Frauenkirche war das erste deutsche Fotomotiv. © dpa
28. Die Knetmasse wurde im Jahr 1880 vom Münchner Apotheker Franz Kolb erfunden. © dpa
29. Die US-Hardrockband Mötley Crüe hat extra zwei Umlaute in ihren Namen einbauen lassen, weil Löwenbräu ihr Lieblingsbier ist. © dpa
30. Die Blattschneiderameise (Symbolfoto) Resi ist mit fünf Millimetern Länge das kleinste Tier Hellabrunns. © dpa
31. 248 Einwohner Münchens sind über 100 Jahre alt. © dpa
32. Früher verwendete man in einigen deutschen Gegenden das Wort „münchen“ für kastrieren. © dpa
33. Jeder Baum der Stadt muss eine Grundfläche von 24 qm und eine Mindestbreite von drei Metern zur Verfügung haben. © düa
34. Jimi Hendrix erfand sein Gitarrenschrotte am 9.11.66 in Schwabing ("Big Apple") © dpa
35. Eine über 300 Jahre alte Linde am Westfriedhof ist der älteste Baum der Stadt. © Jantz Sigi
36. Zur Wiesn-Zeit fahren die Rolltreppen schneller. © Schlaf
37. Die Monatsmiete der Tiefgarage im neuen Palais an der Oper kostet so viel wie der Hartz-IV-Monatsregelsatz: 375 Euro. © Schlaf
38. In München gibt es 50 000 leere Grabstätten. © Symbolfoto: Jantz


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Annabell Pazur 

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