Alten Nördlichen Friedhof

„Sheriffs“ auf dem Friedhof bringen einige Maxvorstädter auf die Palme

+
Ein Sicherheitsdienst auf dem Alten Nordfriedhof sorgt für Ärger.

Sheriffs auf dem Friedhof? Wer dabei an den Wilden Westen denkt, liegt falsch. Eine Security-Firma bewacht nun den Alten Nördlichen Friedhof in der Maxvorstadt. Warum?

München - Für Generationen von Maxvorstädtern ist der von 1869 bis 1944 für Bestattungen genutzte Alte Nördliche Friedhof ein lieb gewonnener Teil ihres Viertels. Spaziergänger, Jogger, Familien und Kitas: Sie schätzen die einzige grüne Oase weit und breit. 

Umso größer ist jetzt die Irritation über ein Pilotprojekt der Friedhofsverwaltung. Seit Mitte April zieht ein privater Sicherheitsdienst seine Runden. Und der ist im Umgang mit den Besuchern wenig souverän – zumindest nach Ansicht von rund 15 Maxvorstädtern, die sich jetzt in der Sitzung des Bezirksausschusses (BA) äußerten.

Was ist Ihre Meinung zu den Friedhof-Sheriffs? Stimmen Sie ab

Sheriffs auf dem Friedhof: Wenig souveräne Auftritte

So berichtete Irmgard Franke, Leiterin des Kindergartens „Springball“ in der Arcisstraße, vom überforderten Verhalten einer Security-Mitarbeiterin, die sogar die Polizei rief. Die Gruppe sei des Friedhofs verwiesen worden. 

Bei Sonnenanbetern ist der Alte Nordfriedhof beliebt – gern auch in Minimalbekleidung.

„Dabei haben wir uns lediglich an einer Stelle gesammelt“, so Franke. „Selbstverständlich“ richte man sich immer nach den Regeln, kläre die Kinder über die besondere Aufgabe des Ortes auf und sammle regelmäßig Müll. Nun hätten es die Kleinen auf ihrer liebsten Spielwiese mit der Angst zu tun bekommen. 

Auch Roland Melzer, Biologe und langjähriger Viertelbewohner, will nicht auf die Aufenthaltsqualität des Ortes verzichten: „Kann man einen Ort, an dem seit 75 Jahren keine Beisetzung mehr stattgefunden hat, nicht zum ,Park mit Erinnerungswert’ umwidmen?“

Sheriffs auf dem Friedhof: Zunächst für ein Jahr

Die Sheriffs sind zunächst für ein Jahr eingesetzt, wie Peter Lippert, Vize-Chef der Friedhofsverwaltung, erklärte. „Wir erhalten regelmäßig Beschwerden über beschädigte Grabanlagen, kaputte Vegetation und weggeworfene Speiseabfälle. Besonders beim Müll eskaliert die Situation.“

CSU und SPD im BA schlossen sich der städtischen Haltung an, die Anlage vor den Auswüchsen der Freizeitnutzung zu schützen. Dennoch forderten sie eine umfassende Dokumentation der Aktivitäten des Sicherheitsdienstes. 

„Wir müssen wissen, mit welchen Befugnissen wie gegen was vorgegangen wird“, so BA-Chef Christian Krimpmann (CSU). Die Grünen sehen‘s anders. „Ich wäre froh, wenn ich mal dort begraben wäre und Kinder auf meinem Grab spielten“, sagte Ruth Geling.

Friedhofsverwalter Lippert will nun im Gespräch mit der Sicherheitsfirma, die auch auf dem Alten Südlichen Friedhof im Einsatz ist, für „Nachbesserungen“ sorgen. 

Doch diese Änderung ist nicht die einzige in der Maxvorstadt, auch „Obststandl Didi“ muss umziehen.

Sheriffs für die Friedhöfe: Das sagen die Bürger

Das braucht es nicht

Ich finde einen Sicherheitsdienst auf dem Friedhof fragwürdig. Ich bin hier aufgewachsen und habe auf dem Friedhof quasi das Laufen gelernt. Auch ich habe damals zwischen den Gräbern gespielt. Klar muss man Regeln befolgen und Grenzen einhalten. Aber einen Sicherheitsdienst braucht es dafür wirklich nicht. Solange es respektvoll ist, kann es auch lebendig sein.

Jürgen Müller (50), Webdesigner aus München

Eine Notwendigkeit

Dank dem Sicherheitsdienst ist es schon viel ruhiger geworden. Kinder sollten nicht auf den Gräbern tanzen und spielen. Das gehört sich nicht. Helga K. (75), Rentnerin aus München

Eigenartig

Dass hier manchmal Kinder spielen, stört mich nicht. Klar ist es irgendwie eigenartig. Auf der anderen Seite ist der Friedhof schon seit Längerem nicht mehr in Betrieb. Ich glaube nicht, dass man einen Sicherheitsdienst braucht.

Regina Lücke (58), Jugendhelferin aus Erding

Ansonsten ändert sich in der Maxvorstadt einiges. Vor allem, was das Kulinarische betrifft. 

C. Raftery

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Münchner (14) läuft versehentlich ganzen Marathon: „Als ich merkte, dass ich falsch bin ...“
Münchner (14) läuft versehentlich ganzen Marathon: „Als ich merkte, dass ich falsch bin ...“
Junge Frauen lassen sich nachts heimlich bei Kaufland einsperren - und filmen sich
Junge Frauen lassen sich nachts heimlich bei Kaufland einsperren - und filmen sich
Zwei mal landeten Autos in U-Bahn-Abgang: Jetzt reagiert die Stadt
Zwei mal landeten Autos in U-Bahn-Abgang: Jetzt reagiert die Stadt
Bombendrohung gegen Gericht in München: 40 Beamte im Einsatz - Polizei gibt später Entwarnung
Bombendrohung gegen Gericht in München: 40 Beamte im Einsatz - Polizei gibt später Entwarnung

Kommentare