„Wenn sie sich bei uns aufführen ...“

Sheriffs patrouillieren im Freibad: Weitere Maßnahmen sollen jugendliche Randalierer abschrecken

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Nach dem großen Krawall im Michaelibad: In Münchner Bädern sind nun verstärkt Sicherheitskräfte unterwegs.

Eigentlich war es eine gute Idee: Jugendliche dürfen diesen Sommer umsonst baden gehen. Doch der freie Eintritt zog auch Randalierer an. Jetzt reagieren Polizei und Stadt.

München - Oberbürgermeister Dieter Reiter (61, SPD) und der Zweite Bürgermeister Manuel Pretzl (43, CSU) hatten dafür gesorgt, dass junge Leute unter 18 Jahren in dieser Saison freien Eintritt in den Freibädern haben. Das sollte finanziell schlechter gestellte Familien unterstützen und dafür sorgen, dass Kinder besser schwimmen lernen. Doch funktioniert hat der Plan nur ein paar Wochen lang. Denn den freien Zugang nutzten nicht nur friedliche junge Menschen, sondern auch Jugendliche, die sich im Michaelibad zum Randalieren verabredeten.

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Am Pfingstwochenende trafen sich dort rund 50 Halbstarke, überwiegend Burschen, um sich zu prügeln. Fünfmal musste die Polizei anrücken, um Streit zu schlichten. Die Behörde ermittelt nun wegen Körperverletzungsdelikten und Landfriedensbruchs. Auch in anderen Bädern gab es Probleme. Darauf reagieren nun Stadt und Polizei.

Auch im Englischen Garten gab es im vergangenen Sommer immer mal wieder Probleme mit jugendlichen Randalierern. Auch da Schritt die Polizei ein. 

München: Sheriffs im Freibad - Baden unter Bewachung

Unter 18-Jährige dürfen weiterhin umsonst baden. Es wird aber komplizierter. Jugendliche brauchen ab jetzt einen Sommerbäderpass. Ab dem morgigen Mittwoch wird der Vordruck an den Kassen in allen acht Sommer- und neun Hallenbädern der Stadtwerke (SWM) ausgegeben. Außerdem gibt es ihn im SWM-Shop am Marienplatz sowie im Kundencenter in der SWM-Zentrale. 

Wer den Pass will, muss ein Passbild und seinen Ausweis mitbringen. An den Bäder-Kassen vorlegen müssen Jugendliche den Pass ab Freitag, 28. Juni. Er berechtigt zum kostenlosen Besuch der SWM-Sommerbäder – eines pro Tag. Ohne den Pass sowie bei einem weiteren Besuch am gleichen Tag gilt der reguläre Eintrittspreis.

Für Kinder unter acht Jahren, die laut ABB (Allgemeine Bedingungen für die Benutzung von Badeanlagen) nur in Begleitung ihrer Eltern in die Münchner Bäder dürfen, ist der Eintritt regulär kostenfrei. Sie benötigen keinen Sommerbäderpass.

„Es geht nicht, dass uns hier Jugendliche auf der Nase herumtanzen, nur weil sie kostenlos ins Bad dürfen“, schimpft Michael Lichtner (26), Schichtleiter im Michaelibad. Er hofft, dass der Pass eine Hemmschwelle für jene jungen Menschen darstellt, die nur Randale im Sinn haben. „Wenn sich Jugendliche bei uns aufführen, können wir ihnen den Pass auch wegnehmen“, sagt er. In besonders schlimmen Fällen gebe es Hausverbot.

München: Sheriffs im Freibad - Polizei zieht Konsequenzen

Auch die Polizei hat Konsequenzen aus dem Ansturm auf die Bäder und vor allem dem Tumult im Michaelibad gezogen. Die Beamten zeigten am sonnigen Freitag Präsenz, als mehr als 4000 Gäste im Michaelibad waren. Uniformierte Polizisten standen vor dem Eingang des Bades und vor dem U-Bahnaufgang. Dort führten die Beamten stichprobenartig Kontrollen durch. Zudem waren Zivilpolizisten im Bad unterwegs. „Die Maßnahmen haben gefruchtet, am Wochenende war es dort sehr ruhig“, berichtet ein Polizeisprecher. Trotzdem hält sich die Polizei bereit, will – falls nötig – wieder Präsenz zeigen. Außerdem werden Zivilpolizisten in ausgewählten Bädern je nach Bedarf Dienst tun.

Auch die Stadtwerke als Betreiber der Bäder reagieren: Zusätzliche Kundenbetreuer und Sicherheitskräfte, teils externe Kräfte, verstärken das Personal. „Unsere Mitarbeiter können sich auf die Beckenaufsicht konzentrieren, die zusätzlichen Kräfte sind Ansprechpartner für die Badegäste auf den Liegewiesen“, sagt SWM-Sprecher Michael Solic. Wie all das bei den Badegästen im Michaelibad ankommt, lesen Sie in der Umfrage.

In einem anderen Freibad musste das Schwimmbad nach einem Streit sogar geräumt werden - die Polizei setzte Pfefferspray ein.

Laura Felbinger/Ramona Dinauer

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