Hauptversammlung in der Olympiahalle

Siemens-Chef nach Kritik genervt: Münchner Aktivisten entscheiden sich für spezielle Form des Protests

Mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen und schwächeren Neuaufträgen ist Siemens in München in eine voraussichtlich turbulente Hauptversammlung gestartet.

  • Umweltaktivisten haben am Dienstag (4. Februar) an der Siemens-Zentrale in München mit einem riesigen Banner demonstriert.
  • Am Mittwoch (5. Februar) findet die Hauptversammlung des Unternehmens statt.
  • Aktivisten protestieren vor der Olympiahalle, Siemens-Chef Kaeser zeigt kein Verständnis.

16.32 Uhr: Helena Marschall von Fridays for Future Deutschland warnte, dass Siemens alle Kunden verlieren würde - „zumindest die Zukünftigen“. Daraufhin zeigte sich Siemens-Chef Joe Kaeser frustriert und entgegnete, dass man bei „solchen Themen“ nicht gewinnen könne, da „der Anspruch, den viele haben auf der anderen Seite, ein legitimer ist“. Seinen Kritikern gegenüber gab er zu verstehen, dass diese ein „Geschäftsmodell Aktivismus“ betreiben würden. 

Doch einige der Investoren ließen verlauten, dass Kaeser im Projekt rund um Adani widersprüchliche Aussagen getätigt und damit die Diskussionen selbst entfacht habe. Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz stimmte zwar zu, entgegnete jedoch, Kaeser habe vieles sehr gut und richtig gemacht. 

Immer wieder musste Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe die Aktionäre ermahnen, die Hauptversammlung nicht als „politische Bühne“ zu verwenden und die Redner abwürgen. Mit 63 Wortmeldungen war das Ende der Hauptversammlung in der Olympiahalle am Nachmittag noch nicht in Sicht. Siemens geht die letzten Schritte auf dem Weg zur Aufspaltung. Die Hauptversammlung am Donnerstag soll nun Gewissheit über die Zukunft bringen.

München: Zahlreiche Videos und Fotos zu Siemens-Hauptversammlung und Demonstrationen

15.12 Uhr: Auf Twitter finden sich zahlreiche Kommentare, Fotos und Videos, die sich mit der Siemens-Hauptversammlung und den Demonstrationen von Fridays for Future beschäftigen. Während in der Olympiahalle die Siemens-Hauptversammlung läuft, findet draußen ein Protestmarsch der Klimaaktivisten statt.

Siemens-Hauptversammlung: Aktivisten aus ganz Bayern reisen an

13 Uhr: Aus ganz Bayern reisen Aktivisten an, um vor der Münchner Olympiahalle zu demonstrieren. Fridays for Future Nürnberg hat auf Twitter einen Schnappschuss aus dem Regionalzug geteilt; auch die „Kollegen“ aus Würzburg und Erlangen sind auf dem Weg.

10.40 Uhr: Sie singen, halten sich bei den Händen und hüpfen fürs Klima - etwa 300 Umweltschützer haben sich am Mittwochvormittag vor der Münchner Olympiahalle versammelt, um gemeinsam bei der Siemens-Hauptversammlung gegen die vergleichsweise geringfügige Beteiligung des Konzerns an einem großen Kohlebergbau-Projekt in Australien zu protestieren.

Mit Plakaten mit Slogans wie „Wir brauchen keine Kohle“ oder „Siemens als Brandbeschleuniger für die Klima-Kriminellen“, begrüßten die Aktivisten die Aktionäre vor dem Eingang. Ein Großteil der Protestierenden des Bündnisses, etwa von Fridays for Future, Campact, Greenpeace und Extinction Rebellion, bildeten eine Menschenkette, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Kurzzeitig sei auch der Zugang zum Gebäude behindert gewesen, teilte ein Sprecher der Polizei mit.

9.40 Uhr: Zahlreiche Aktivisten von Fridays for Future München bevölkern bereits den Olympiapark. Für 14 Uhr ist eine große Kundgebung angekündigt.

Luisa Neubauer hat derweil Eindrücke aus dem Inneren der Versammlungshalle mit ihren Followern geteilt: „Hier geht es längst nicht mehr „nur um eine Beteiligung an der Adani Mine“, schreibt die „deutsche Greta“ zu ihrem Beitrag.

Proteste in München gehen weiter: Siemens-Chef macht Ansage, die Aktivisten zusätzlich provozieren könnte

Update, 5. Februar, 7.50 Uhr: Kurz vor Beginn der Siemens-Hauptversammlung haben sich zahlreiche Einsatzkräfte der Polizei am Olympiapark positioniert. Auch für heute haben Gruppierungen wie Fridays for Future, Extinction Rebellion und Greenpeace Proteste angekündigt.

Siemens-Chef Joe Kaeser zeigte sich am Mittwochmorgen verärgert über die Proteste. Es mute „schon fast grotesk an, dass wir durch ein Signaltechnikprojekt in Australien zur Zielscheibe doch zahlreicher Umweltaktivisten geworden sind“, sagte er. Zudem betonte er, dass die Lieferung für die Mine „irrelevant“ sei. 

Umweltaktivisten auf dem Dach der Siemens-Zentrale: Gelände von Großaufgebot der Polizei geräumt  

Update, 4. Februar, 22.25 Uhr: Offenbar planten einige der Aktivisten, die Nacht auf dem Dach der Siemens-Zentrale zu verbringen - doch aus diesem Vorhaben wurde nichts. Die Umweltschützer von Greenpeace hatten sich zunächst auf ein Gespräch mit der Siemens-Leitung eingelassen. Laut einem Posting auf Twitter folgte anschließend jedoch die Räumung des Areals. „Greenpeace geht auf das Gesprächsangebot von Joe Kaeser ein und bekommt statt Gespräch die Räumung“, heißt es von Greenpeace. Auf dem Foto sind Einsatzkräfte der Polizei mit Helmen und Schutzwesten zu sehen. Offenbar waren zwischenzeitlich sogar Hubschrauber im Einsatz. Fest steht außerdem, dass rund 150 Polizisten vor Ort waren. 

Siemens in München: Aktivisten mit aufsehenerregender Aktion - 150 Polizisten im Einsatz

Update, 4. Februar, 19.55 Uhr: Noch immer befinden sich Umwelt-Aktivisten auf dem Dach der Siemens-Zentrale. Laut einem Sprecher der Polizei München seien allerdings „alle Parteien miteinander im Gespräch“. Die Stimmung sei friedlich und ruhig - es gebe „keine Aggressionen“. 

Die Polizei ist derweil immer noch mit etwa 150 Einsatzkräften vor Ort an der Siemens-Zentrale. „Wir können noch nicht abschätzen, wie lange es noch wird“, so der Polizei-Sprecher weiter. Für den morgigen Mittwoch (5.2.) rechnet die Polizei mit einer Gegendemonstration während der Siemens-Hauptversammlung, zu der rund 500 Teilnehmer erwartet werden. „Wie sich die Situation morgen gestaltet, hängt sicher auch davon ab, wie es heute Nacht verläuft“, so der Sprecher.

Auch die „Deutsche Greta“ Luisa Neubauer und andere Klimaschützer rufen zu Protesten am Mittwoch in München auf. Im Fokus wird das umstrittene Kohleförderprojekt sein.

Umwelt-Aktivisten mit aufsehenerregender Aktion an Siemens-Zentrale in München

München - Bereits einen Tag vor der Siemens-Hauptversammlung haben die Proteste an der Zentrale in München in der Jägerstraße/Ecke Werner-von-Siemens-Straße begonnen. Am Dienstagnachmittag (4.2.) protestierten nach Polizeiangaben mindestens vier Aktivisten von Greenpeace auf dem Dach der Siemens-Zentrale - mit einem riesigen Banner. 

München: Umwelt-Aktivisten mit aufsehenerregender Aktion an Siemens-Zentrale

„Buschbrände beginnen hier“, ist auf dem großen Plakat zu lesen, dass die Greenpeace-Aktivisten auf Twitter posteten. In einem weiteren Posting auf Twitter erläutern die Demonstranten ihre Beweggründe. „Der Riesenkonzern verspricht nachhaltiges Handeln, hat aber weiterhin Verträge wie die mit der Adani-Kohlemine in Australien“, heißt es dort. 

Dass zu der Siemens-Hauptversammlung Proteste erwartet wurden, ist nicht neu - für Mittwoch (5.2.), wenn das Aktionärstreffen um 10 Uhr beginnt, haben verschiedene Gruppierungen Aktionen angekündigt. Auch von Investorenseite wird sich der Vorstandsvorsitzende Joe Kaeser einiges anhören dürfen. Zuletzt hatte Vera Diehl von Union Investment den Auftrag für das Kohlebergwerk als „kommunikatives Desaster für Siemens“ bezeichnet.

Aktivsten mit Aktion an Siemens-Zentrale in München - Polizei vor Ort

Siemens befindet sich derzeit in einer Umbruchphase. Der Konzern will im Laufe des Jahres sein Energiegeschäft als „Siemens Energy“ an die Börse bringen. 

Wegen der Greenpeace-Proteste rückte am Dienstag auch die Polizei an - die Beamten griffen nach ersten Angaben zufolge jedoch nicht ein. Die Proteste dauern an. 

nema

Nicht das erste Mal kommt es bei Siemens in München zu Klimaprotesten. Kürzlich klebte sich ein Aktivist an die Konzernzentrale und streamte die Aktion live auf Facebook.

Zu einer großen Protestaktion in München kam es auch nach der Wahl von Thomas Kemmerich in Thüringen. 300 Menschen versammelten sich vor der FDP-Zentrale.

Rubriklistenbild: © dpa / Peter Kneffel

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