50 zusätzliche Kilometer

Anbindung ans Umland und bessere Taktung - So könnte das Tramnetz 2024 aussehen

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Statt Autos nur Tram, Radl und Fußgänger: Die Vision der Grünen für die Barer Straße an der Alten Pinakothek (li).

In München fordern die Grünen eine Ausweitung des Tramnetzes. Strecken sollen nicht nur ins Umland erweitert, sondern auch auf einen Fünf-Minuten-Takt umgestellt werden.

München - Dass die folgenden Worte von einem Stadtrat der Grünen stammen, muss tatsächlich zuvor erwähnt werden: „Ich bin froh über die vielen Stellplätze in der Stadt.“ Gesagt hat den Satz Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. Vor dem Parteiausschluss mag ihn allenfalls der Zusatz bewahren, dass eben just die vielen Stellplätze das Potenzial hätten, die Verkehrswende umzusetzen, sprich: Rad, Fußgängern und ÖPNV mehr Platz einzuräumen.

Und genau für Letztgenanntes, noch exakter: für die Tram, haben die Grünen ein Antragspaket eingereicht. Insgesamt ist die Rede von 50 Kilometern mehr Tramstrecken, derzeit besitzt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) rund 80 Kilometer. „Es geht nicht nur darum, dass die Tram umweltfreundlich ist“, sagt Grünen-Chefin Katrin Habenschaden. Die Tram-Offensive ist auch der Tatsache geschuldet, dass der Nahverkehr bereits haltlos überlastet ist, der Bau der dringend notwendigen Entlastungs-U-Bahn U9 aber nicht vor 2037 umgesetzt werden wird.

München: Keine Autos auf Tramstrecke zur Münchner Freiheit 

So ist es Wunsch der Grünen, eine Tramverbindung vom Hauptbahnhof bis zur Münchner Freiheit zu schaffen. Dazu soll die Barer Straße weitgehend dem Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr vorbehalten werden, rund 1,5 Kilometer Gleise müssten vom Elisabethplatz zur Leopoldstraße und weiter zur Münchner Freiheit verlegt werden.

In der Barer Straße dominiert noch der motorisierte Verkehr.

Bickelbacher und Habenschaden kalkulieren bei der neuen Tram mit Kosten von 20 bis 30 Millionen Euro – Peanuts im Vergleich zu den Kosten für eine neue U-Bahn, wie Habenschaden vorrechnet: „Wir gehen bei der Tram von Kosten von 15 Millionen Euro pro Kilometer Gleis aus, bei der U-Bahn sind es 150 Millionen.“ Den Zeitrahmen umreißt Bickelbacher: „Es wäre traurig, wenn sich das in fünf Jahren nicht umsetzen ließe, vielleicht sogar in drei.“

Um die Innenstadt weiter zu entlasten, sollen zudem folgende neue Linien geprüft werden: vom Wetterstein-, über Balde- und Goetheplatz bis zur Paul-Heyse-Unterführung. Dort wäre laut Grünen ein Zugang zum Hauptbahnhof vorstellbar. Die Linie würde über Seidlstraße, Stiglmaierplatz, Maßmannstraße, Schleißheimer Straße bis zum Nordbad führen und könnte dann über Petuelring und BMW bis Fröttmaning fahren.

München: Bessere Anbindung durch neue Tramlinie 50

Eine weitere Linie soll von Solln über den Harras zur Bayerstraße und dann auch wieder über die Barer Straße bis zur Münchner Freiheit führen. Zudem soll eine Trasse von der Brudermühlstraße und dem Regionalhalt Poccistraße über Lenbachplatz, Münchner Freiheit und Hasenbergl nach Feldmoching geprüft werden.

So soll sich die Barer Straße nach den Vorstellungen der Grünen verändern.

Gewünscht ist ferner eine Tram-Süd-Tangente von der Aidenbachstraße über die Brudermühlbrücke und Welfenstraße bis zum Ostbahnhof. Eine neue Tramlinie 50 soll St. Emmeram mit Moosach verbinden, die Trasse würde weitgehend dem Verlauf des Expressbusses X50 folgen. Der bereits örtlich geäußerte Wunsch nach einer Tram auf der Rosenheimer Straße vom Ostbahnhof nach Neuperlach ist ebenfalls aufgegriffen, zudem besteht die Idee einer Schlössertram über die Verdistraße, möglicherweise bis Bergsonstraße und Freiham.

München: Trambahnen sollen auch in angrenzende Gemeinden fahren

Ferner setzen sich die Grünen dafür ein, mit den Umlandgemeinden zu kooperieren. Trambahnen nach Unterföhring, über die Wasserburger Landstraße nach Haar oder von Neuperlach nach Ottobrunn sollen so realisiert werden. Zu guter Letzt haben die Grünen noch ihren Wunsch erneuert, den 5-Minuten-Takt durchgängig einzuführen. Die MVG selbst rechnet mit einer Umsetzung im Jahr 2024, es könnte aber auch schneller gehen.

Anfang des Jahres warnte der MVG-Chef Ingo Wortmann, dass das Münchner ÖPNV-Netz vor dem Kollaps stehe. Deswegen gibt es immer wieder Planungen zur Modernisierung. Eine zweite Stammstrecke soll diese Probleme lösen.

Sascha Karowski

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