Groß angelegte Kampagne der städtischen Fachstelle für Demokratie

„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus

+
Ich bin Münchner - ich bin Muslim. Erkan (42- links ) und Merve (27).

Obwohl sie Münchner sind, fühlen sie sich hier nicht immer wohl. Nun startet die Stadt München eine Postkarten-Kampagne. 

München - Sie sind Münchner, sie fühlen sich hier heimisch - und sie sind muslimischen Glaubens. Merve (27) und Erkan (42) sind integriert und ganz normaler Teil der Stadtgesellschaft. Und doch hat sich etwas verändert. „Plötzlich erlebt man im Alltag Rassismus. Ich habe das am eigenen Leib erfahren“, berichtet Merve. Zum Beispiel abfällige Blicke und Sprüche. Die Studentin der Politikwissenschaft sagt: „Nicht das Kopftuch zählt, sondern das, was ich in mir habe.“ Sie sei eine emanzipierte Frau mit eigenem Charakter. 

Logistik-Manager findet: Rassismus habe sich in vergangenen Jahren multipliziert

Erkan ist ebenfalls in München geboren und verwurzelt. Der Logistik-Manager hat drei Kinder. Er sagt: „Ich bin hier zu Hause und mache mir Sorgen um die Zukunft meiner Kinder.“ Der Rassismus habe sich in den vergangenen Jahren „multipliziert“. Seit den Pegida-Demos, seitdem sich Muslimfeinde klar in der Öffentlichkeit artikulieren, habe sich das Klima verändert, sagt der 42-Jährige. Das soll sich wieder ändern. „Ich wünsche meinen Kindern ein großes Stück Normalität.“ 

Merve und Erkan sind zwei von acht Gesichtern einer groß angelegten Kampagne der städtischen Fachstelle für Demokratie. Zehntausende Postkarten mit den Motiven von Menschen muslimischen Glaubens sollen in der Stadt verteilt werden. Das Motto: „Ich bin Münchner - ich bin Muslim.“ Ziel sei es, die Vielfalt muslimischen Lebens und dessen Verwurzelung in der Stadtgesellschaft darzustellen, sagt Miriam Heigl, Leiterin der Fachstelle. 

Erkan ist in München geboren und verwurzelt.

Hintergrund der Aktion seien weit verbreitete abwertende Einstellungen gegenüber Muslimen. Die Protagonisten der Kampagne stammen aus der Türkei, Syrien, Tunesien, Marokko, Burkina Faso oder sind wie Merve und Erkan in München aufgewachsen. Es gelte, Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, aber auch die Vielfalt des Lebens, sagt Heigl. Merves Botschaft: „Jede und jeder von uns ist unterschiedlich, aber ein wichtiger Teil der Gesellschaft.“ 

Merve verdeutlicht: „Nicht das Kopftuch zählt, sondern das, was ich in mir habe.“

Geschätzt 90 000 Münchner sind Muslime. Aber es geht bei dieser Aktion nicht um Zahlen, es geht um Menschen. Oder, so Erkan: „Es geht darum, klare Kante und Gesicht in Zeiten von NSU-Morden zu zeigen.“ Die Aktion der Stadt sei großartig. Merve: „Danke, dass uns eine Stimme gegeben wird.“

Lesen Sie auchSchon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld.

Auch interessant

Meistgelesen

Emotionaler Brief der Münchner Polizei zum 2. Jahrestag des S-Bahn-Dramas von Unterföhring
Emotionaler Brief der Münchner Polizei zum 2. Jahrestag des S-Bahn-Dramas von Unterföhring
Eigenbedarf oder Lüge? Gericht entscheidet nun über Sabines Zukunft
Eigenbedarf oder Lüge? Gericht entscheidet nun über Sabines Zukunft
Rauchalarm im Tunnel: Autokorso einer türkischen Hochzeitsgesellschaft sorgt für Großeinsatz
Rauchalarm im Tunnel: Autokorso einer türkischen Hochzeitsgesellschaft sorgt für Großeinsatz

Kommentare