Neue Ampelschaltung

Staufalle Prinzregentenstraße: Für die Autofahrer kommt es noch dicker

Auf der Prinzregentenstraße wurden die Grünphasen der Ampeln verkürzt. Doch das soll erst der Anfang der Maßnahmen sein.

  • Seit dem 8. Juni hat die Stadt München München einige Ampelschaltungen verändert - unter anderem an der Prinzregentenstraße. Es drohte erhöhte Staugefahr.
  • Die Änderung hat zu verbesserter Luftqualität und besserem Verkehrsfluss geführt. Doch nicht überall kommt sie gut an.
  • Die tägliche Verkehrsmenge soll noch weiter reduziert werden.

Update vom 10. Juli 2020: München - Jeden Morgen die gleiche Meldung im Verkehrsfunk: Stau auf der Autobahn A94 Richtung München, mindestens bis Daglfing. Der Grund: die veränderten Ampelphasen an der Prinzregentenstraße. Hier haben Autofahrer seit den Pfingstferien nun noch 20 Sekunden Grün, im Wechsel mit einer Minute Rot. Ab 2021 könnte die Rotphase sogar doppelt so lang dauern – wenn die Stadt die nächste Stufe der Verkehrssteuerung umsetzt.

Verkehrsreduktion um 15 Prozent für das Stadtgebiet München

Denn bislang führen die verlängerten Rotphasen nur zu einem Rückhalt von sieben Prozent der Verkehrsmenge. „In Abhängigkeit der Entwicklung der Messwerte ist in einer zweiten Stufe zu einem späteren Zeitpunkt, gegebenenfalls Anfang 2021, eine Ausweitung der Verkehrsreduzierung auf 15 Prozent möglich“, so das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) in einem Schreiben an den Bezirksausschuss Bogenhausen. Im aktuellen Luftreinhalteplan der Regierung von Oberbayern für das Stadtgebiet München wird die Eventualität bereits zur Pflicht. Der Stadtrat habe sich für eine „Verkehrsreduktion um 15 Prozent als ersten Schritt entschieden“. Tatsächlich steht laut RGU sogar eine weitere Reduzierung der Verkehrsmenge um bis zu 30 Prozent im Raum, sollte die Stickstoffdioxidbelastung an den beiden Messstellen der Prinzregentenstraße sich nicht entsprechend verbessern.

Doch die Pandemie könnte die Autofahrer vor einer Verschärfung der roten Welle retten. „Der weiter zu erwartende positive Einfluss der coronabedingten Verkehrsreduzierung“ gebe Anlass zur Hoffnung auf eine „deutlich verbesserte Luftsituation in der Prinzregentenstraße im weiteren Jahresverlauf“, heißt es aus dem Umweltreferat. Zudem hat sich die Luftqualität in der Prinzregentenstraße schon vor der Ampelumstellung deutlich verbessert. Bis zum zweiten Quartal 2020 lagen die Stickstoffdioxidwerte zwar noch über 40, aber unter den relevanten 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, die man 2018 gemessen hat und die die ganze Aktion ausgelöst haben.

„Ich habe jetzt den ganzen Tag Stau vor meiner Tür“

Auf der Prinzregentenstraße fließt der Verkehr jetzt deutlich besser als vorher. Das bestätigen sowohl Anwohner als auch eine Analyse des Verkehrsdatenanbieters Tomtom. In den umliegenden Straßen hingegen ist man verärgert. „Ich wohne in der Grillparzerstraße und habe seit den neuen Rotphasen den ganzen Tag Stau vor meiner Tür“, schreibt ein Münchner, der zusammen mit mehr als 11 000 anderen eine Online-Petition „Gegen die rote Stau-Welle in München“ unterzeichnet hat. Wegen des Staus auf der A94 fahre er nun bereits am Moosfeld ab und suche sich seinen Weg durch die Wohnsiedlungen, gibt ein Pendler zu.

Die rote Welle macht es auch Rettungsdiensten schwer. Das Klinikum Rechts der Isar muss über die Einstein- und Prinzregentenstraße, auch über die A94 angefahren werden. Autofahrer meiden die Prinzregentenstraße seit der Umschaltung der Ampelphase, hat auch Tomtom registriert. „Auf fast allen Straßen des Münchner Ostens zwischen B304/Wasserburger Landstraße und Leopold-/Ifflandstraße steigt die Zahl der GPS-Messungen von Tomtom seit Umstellung der Ampelphasen.“ Einzige Ausnahme: Die Prinzregentenstraße, die Einsteinstraße und die A94 ab Kreuz München stadteinwärts. Der Effekt sei vor allem morgens sehr deutlich zu erkennen und nehme im Tagesverlauf ab. - Carmen Ick-Dietl

In München gibt es ein Verkehrschaos mit Ansage: Hier droht Mega-Stau - Stadt macht den Ampel-Trick

München - Während der Hochphase der Corona-Pandemie gab es in München auch zwei wesentliche Effekte: weniger Verkehr auf den Straßen und kaum Fahrgäste in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch langsam kehrt wieder der Alltag ein. Von Tag zu Tag wachsen die Blechkarawanen in der Stadt. Und es dürfte ab kommender Woche noch stockender vorangehen auf einer wichtigen Einfallstraße: Entlang der Prinzregentenstraße werden nämlich die Ampelgrünphasen verkürzt. Die Stadt warnt alle Pendler, dass es zu den Spitzenverkehrszeiten von 7 bis 9 Uhr und von 16 bis 18 Uhr zu erheblichen Staus – vor allem auf der A94 – kommen dürfte. Wenn möglich, sollte auf alternative Verkehrsmittel umgestiegen werden.

München droht neuer Mega-Stau - Ursprünglich schon vor Corona geplant

Die Maßnahme ist Bestandteil des von der Regierung von Oberbayern verfügten Luftreinhalteplans. Genauer gesagt der siebten Fortschreibung dieses Papiers. Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung habe höchste Priorität, heißt es von der Stadt. Vom Landesamt für Umwelt wurden dazu in einem Gutachten verschiedene Varianten zur Reduzierung der Stickstoffdioxidbelastung geprüft. Das höchste Potenzial ergibt sich demnach durch eine Reduzierung des durchschnittlichen Tagesverkehrs um 15 Prozent und mit dem Einsatz von E-Bussen auf der Linie 100. Die E-Busse fahren dort inzwischen bereits. Auch die kürzeren Grünphasen sollten eigentlich schon umgesetzt werden, wurden aber aufgrund der Corona-Pandemie verschoben.

Berufsverkehr auf der Prinzregentenstraße: Der Stau am Friedensengel ist schon bisher oft enorm, und die Blechkarawane droht durch die Maßnahmen zur Luftreinhaltung noch länger zu werden.

Die tägliche Verkehrsmenge auf der Prinzregentenstraße soll mit der Maßnahme zunächst um etwa sieben Prozent verringert werden. Um Schleichverkehr in angrenzende Wohngebiete zu vermeiden, werden nach Auskunft der Stadt auch die Grünphasen der Ampelanlagen in der näheren Umgebung angepasst. Ursprünglich war sogar eine Verkehrsreduzierung um 15 Prozent vorgesehen. Weil sich jedoch im gesamten Stadtgebiet und auch an der Prinzregentenstraße in den vergangenen Monaten ein positiver Trend bei der Stickstoffdioxidbelastung zeigt, wird zunächst darauf verzichtet.

München: An diesen Stellen drohen Staus wegen verkehrsbeschränkender Maßnahme

So reduzierte sich der Jahresmittelwert an der Prinzregentenstraße zwischen April 2019 und April 2020 von 48 auf 43 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft. Eine Entwicklung, die durch die in der Corona-Krise verhängten Ausgangsbeschränkungen verstärkt wurde. Der Grenzwert für verkehrsbeschränkende Maßnahmen liegt bei 50 Mikrogramm. OB Dieter Reiter (SPD) hat aus diesem Grunde den bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) in einem Schreiben gebeten, „von weiteren verschärfenden Maßnahmen abzusehen“.

Betroffen sind im Verlauf der Prinzregentenstraße die Ampeln zwischen Grillparzer- und Ismaninger Straße. Stadteinwärts werden auch die Grünphasen auf den Zubringern verkürzt. Hier sind folgende Kreuzungen tangiert: Prinzregenten-/Töginger Straße, Prinzregenten-/ Vogelweidestraße, Eggenfeldener-/Weltenburger Straße, Einstein-/ Truderinger Straße, Leuchtenbergring/Prinzregentenstraße, Grillparzer-/ Prinzregentenstraße und Einstein-/Grillparzerstraße.

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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