Stern TV zeigt das ganze Drama

Münchnerin droht zu erfrieren: Diese ergreifende letzte Sprachnachricht schickt sie an ihre Familie

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Zwei Gesichter - dieselbe Person: Katharina Gröne links in ihrem Zelt auf der Wanderung. Sie sieht mitgenommen aus. Rechts: Freudestrahlend bei ihrer Rückkehr nach Deutschland. 

Die Sprachnachricht geht unter die Haut: Zu hören ist eine Frau, die mit tränenerstickter Stimme zu ihren Eltern spricht. Sie ist am Ende ihrer Kraft. 

München - Es sollte ein großes Abenteuer werden - und es kostete sie fast das Leben. Die Münchnerin Katharina Gröne erzählte nun bei Stern TV, wie knapp sie dem Tod entkam und wie dramatische ihre Rettung war. 

Die Geschichte startet an der mexikanischen Grenze, an der Westküste der USA. Die 34-Jährige hat sich etwas vorgenommen: Sie will den legendären "Pacific Crest Trail“ bis zur kanadischen Grenzen hochwandern - 4279 Kilometer sind es. Dabei ist die Bayerin körperlich darauf gar nicht gut vorbereitet. „Ich war total unsportlich, habe in meinem letzten Job nur gestanden und nett und gelächelt. Das war natürlich eine sehr krasse Herausforderung. Von jetzt auf gleich war ich Hochleistungssportlerin“, erzählt sie in dem Beitrag von Stern TV. Während der ganzen Wanderung verliert Gröne 20 Kilogramm. 

Münchnerin ist fast am Ziel - da kommt es zum Wintereinbruch

Der Hollywoood-Film „Wild“ mit Reese Witherspoon brachte sie auf die Idee, diese Herausforderung anzunehmen. Sie ist nach fünf Monaten fast am Ziel. Es sind nur noch 200 Kilometer zu bewältigen, pro Tag schafft sie zwischen 30 bis 45 Kilometer. Jetzt aber wartet die größte Prüfung auf sie. Im letzten Teilstück Ende Oktober gilt es, das Kaskadengebirge zu bezwingen.  

Auf dem Weg dorthin lernt sie die erfahrene Wanderin Nancy Abell kennen. Die US-Amerikanerin will die Münchnerin vom Weitergehen abbringen und warnt sie davor, dass das Wetter umschlagen könnte. Doch Gröne will jetzt nicht aufgeben, die Wege der Frauen trennen sich. 

Tatsächlich aber kommt es zum befürchteten Wetterumschwung. Im Schneesturm und bei eisigen Temperaturen irrt Gröne tagelang umher. Sie trifft keine Menschenseele mehr in der Wildniss. Erste Erfrierungserscheinungen treten auf. Es sind Flecken auf ihren Füßen, so groß wie Zwei-Euro-Stücke. „Ich war die komplette Nacht nass“, erzählt Gröne bei Stern TV.  „Ich kann doch nicht meine Füße verlieren“, habe sie nur gedacht. „Das hat mir einfach Angst gemacht.“ 

„Ich kann nicht mehr laufen, es ist so kalt“

In ihrer Not sendet sie dramatische WhatsApp-Nachrichten an ihre Familie in Deutschland. „Ich kann nicht mehr laufen. Es ist so kalt. Es ist einfach so kalt. Ich habe das Gefühl, ich spüre meinen kleinen Finger nicht mehr. Ich weiß nicht, was ich machen soll“, sagt sie. Aber sie sendet auch eine kämpferische Botschaft: „Ich weiß nicht, ob ich rauskomme. Ich werde gleich einen Kakao trinken und ich werde weiterlaufen. Und ich werde alles geben“, versprach sie ihren Lieben in der Ferne. 

In einer weiteren Textnachricht an ihre Eltern und ihren Bruder entschuldigt sie sich dafür, dass sie „zu viel riskiert“ habe. Auch nach ihrer Rückkehr in Deutschland nehmen diese Sprachnachrichten ihre Mutter noch sehr mit: „Das war katastrophal. Das war ein Abschiedsanruf.“ 

„Ich habe meinen Namen geschrien. Katharina, lauf!“

Ihr Überleben verdankt Katharina Gröne dem Glück und Nancy Abell. Die Amerikanerin machte sich Sorgen um die jüngere Wanderbekanntschaft, von der sie nichts mehr gehört hatte. Nach fünf Tagen alarmiert sie die Rettungskräfte. Ein Helikopter sucht nach der 34-Jährigen - nur durch Zufall und kurz vor dem Abbruch des Fluges entdecken die Retter Fußspuren im Schnee. Der Helikopter sucht bei schwierigen Wetterverhältnissen einen Landeplatz in der Nähe. 

Gröne bemerkt den Hubschrauber, sie packt der Lebensmut, verzweifelt versucht sie, auf sich aufmerksam zu machen. Mit letzter Kraft rennt sie in Richtung des Hubschraubers. „Ich habe meinen Namen geschrien. Katharina, lauf! Du läufst um dein Leben, Wenn du jetzt auch nur eine Pause machst und der entwischt dir, dann war‘s das!“ 

Münchnerin auf einem Foto mit ihren Lebensrettern

„Du hast mein Leben gerettet“, sagte sie Nancy Abell nachdem alles gut ausgegangen war. „Eine absolut Fremde hat sich entschieden: Ich lasse das Kind nicht alleine. Ich werde sie da rausholen, wenn sie ein Problem hat.“ Ein Foto zeigt die beiden in der Mitte, neben den Piloten des Hubschraubers. 

Katharina Gröne (Mitte) neben ihren Rettern. Den Piloten des Hubschraubers und Nancy Abell. 

„Ich glaube wirklich, dass sie eine weitere Nacht in der Kälte vermutlich nicht überlebt hätte“, meinte Rettungspilot Bill Quistorf in einem Telefoninterview mit der Deutschen Presse-Agentur. Sie sei durchnässt gewesen und habe Anzeichen von Unterkühlung gehabt. Sie habe aber einen starken Überlebenswillen gezeigt.

Nun ist die Münchnerin wieder in Deutschland gelandet. Noch zwei Tage nach ihrer Rettung fühlten sich ihre Finger taub an.

Den Beitrag von Stern TV können Sie sich hier auf stern.de anschauen.

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