Nächtliche PS-Protzerei

„Angetrunken und nicht nachgedacht“: Ex-Bachelor-Kandidatin über lebensgefährlichen Adrenalinkick in München

Immer öfter werden Münchner Straßen zu illegalen Rennstrecken. Für die Raser mag es ein Adrenalinkick sein, doch der irre Spaß endet schlimmstenfalls tödlich. Anwohner klagen zudem über Ruhestörungen.

  • Bei einer Kontrollaktion griff die Polizei kürzlich in und um München knapp 250 Raser auf.
  • Die Tendenz zeigt leider, dass es einen Anstieg von illegalen Straßenrennen gibt.
  • Diese Strecken in der Stadt erfreuen sich bei Rasern einer großen Beliebtheit.

Update vom 14. Juli, 22.10 Uhr: Mit fast 200 Sachen ist ein Mann im Februar die Fürstenrieder Straße entlanggebrettert. Neben ihm saß die Ex-Bachelor-Kandidatin Michele Stradomska (24), die die irre Aktion filmte und ins Netz stellte. Auf Instagram sorgte das Video für große Empörung. Erst wenige Monate zuvor, im November 2019, hatte ein Raser dort auf der Flucht vor der Polizei einen 14-Jährigen überfahren... 

„Ich war noch angetrunken vom Feiern und habe nicht nachgedacht, als ich das Video gedreht habe“, erzählt die Kosmetikerin – heute würde sie anders handeln. „Ich würde dem Menschen am Steuer sagen, er soll langsamer fahren oder mich aussteigen lassen, wenn er nicht auf mich hören will“, sagt sie. „Ich selbst würde nie mit so einem Tempo durch die Stadt fahren.“ 

Die Begeisterung für schnelle Autos könne sie aber nachvollziehen: „Mich faszinieren Sportwagen von klein auf. Es ist schön, wenn man spürt, wie viel Power der Motor hat, ich mag den Adrenalinkick.“ Junge Menschen würden die Kraft eines Sportwagens jedoch häufig überschätzen. „Auf der Autobahn fahre ich auch nur so schnell, wie ich es mir selbst zutraue.“

Ex-Bachelor-Kandidatin Michele Stradomska mag schnelle Autos.

Illegale Straßenrennen in München: Raser riskieren Unfallopfer - und Haftstrafe 

Update vom 14. Juli, 17.31 Uhr: Aufheulende Motoren, quietschende Reifen: Immer öfter werden viele Straßen in München zu illegalen Rennstrecken. Für die PS-Protzer mag es nur ein Adrenalinkick sein, doch der irre Spaß endet schlimmstenfalls tödlich. Fakt ist: Heuer verzeichnet die Polizei im Vergleich zum Vorjahr einen  bedenklichen Anstieg an gefährlichen PS-Duellen – und hat sich zum Ziel gesetzt, die Hobby-Raser aus dem Verkehr zu ziehen.

„Insbesondere gut ausgebaute Straßenabschnitte werden gerne für höhere Geschwindigkeiten oder sogar verbotene Kraftfahrzeugrennen genutzt“, erklärt Polizei-Sprecher Oliver Barnert. Knapp 250 Raser hat die Polizei letzte Woche bei einer Großaktion – unter anderem auf der Landshuter Allee, der Leopold- und der Ludwigstraße – erwischt (siehe unten). Während des Corona-Lockdowns hatten die Rennen zugenommen, da die leeren Straßen für die Bleifüße besonders verlockend waren.

Die Zahlen sprechen für sich: Die Staatsanwaltschaft München I hat im vergangenen Jahr 35 Ermittlungsverfahren wegen verbotener Autorennen geführt. Seit etwas mehr als zwei Jahren steht die Teilnahme an Straßenrennen unter Strafe – es drohen sogar Haftstrafen bis zu zwei Jahre. „Fast die Hälfte der Rennen sind sogenannte Alleinrennen“, sagt Barnert. Ein verbotenes Kraftfahrzeugrennen kann laut Gesetz nämlich auch eine einzelne Person fahren, die sich „mit nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen“.

Diese Karte zeigt die acht beliebtesten Strecken für Raser in München.

So war es beispielsweise im Falle eines 19-Jährigen, der im Juni mit einem 3er-BMW die Leopoldstraße entlang flitzte und am Siegestor einen Unfall verursachte. Bei den Rennen, an denen mehrere Personen beteiligt sind, verabredeten sich die Raser laut Polizei meist spontan – etwa im Internet. Beliebte Treffpunkte sind dann Parkhäuser und Tankstellen. Meistens seien die Fahrer männlich und zwischen 18 und 30 Jahre alt. Tuning ist bei den Posern beliebt – laut Polizei sind die Veränderungen an den Autos aber nur in Ausnahmefällen illegal.

Bahnt sich in München eine weitreichende Maßnahme an? Aufgrund des coronabedingten Isar-Booms scheint nichts mehr ausgeschlossen.

Raser-Alarm in München: Raser stellt traurigen „Rekord“ auf - Unternehmer erteilt nun Hausverbote

Ursprungsartikel: 

Knapp 250 Raser hat die Polizei bei einer Großaktion gegen die sogenannte Autoposer-Szene in München erwischt. Nach Angaben des Präsidiums häuften sich zuletzt in der Landeshauptstadt bei mehreren Inspektionen die Beschwerden von Anwohnern über illegale Straßenrennen und Poser-Treffs, bei denen sich überwiegend junge Männer mit hochmotorisierten und getunten Fahrzeugen imponieren wollen.

Daher stoppten am Freitag (3. Juli) Beamte an mehreren Stellen im Stadtgebiet - unter anderem an der Landshuter Allee, der Leopold- und der Ludwigstraße - Raser und Poser. Auch einschlägige Treffpunkte der Szene wurden überwacht.

Kurz vor dem Start in München: Zwei PS-Monster liefern sich auf der Leopoldstraße ein Rennen.

Spitzenreiter bei den Geschwindigkeiten war ein 57-Jähriger im Porsche Panamera. Der Mann aus dem Landkreis München bretterte statt der erlaubten 50 Stundenkilometer mit 149 Sachen die Ingolstädter Straße entlang. Ihm drohen ein Bußgeldverfahren in Höhe von 680 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein dreimonatiges Fahrverbot.

In der Regel geht die Zentrale Bußgeldstelle bei einem derartigen Überschreiten der zulässigen Geschwindigkeit von Vorsatz aus. Dadurch könnte sich das Bußgeld verdoppeln! Bei der technischen Überprüfung der Autos wurden zwei zur Begutachtung abgeschleppt, bei einigen stellten die Beamten verkehrsgefährdende Veränderungen fest.

Raser-Alarm in München: Pächter von Tankstelle erteilt Hausverbote

Da auch bei Tankstellen-Betreibern diese Szene unerwünscht ist, hat jetzt bereits ein Pächter in Moosach Hausverbote erteilt. Im Rahmen der Kontrollen am Freitag an beliebten Treffpunkten - Parkhäusern und Tankstellen - nahmen die Beamten von 50 Posern die Personalien auf.

Tausende Motorradfahrer mischen München auf - die nächste Mega-Demo ist offenbar schon geplant. Ein junger Raser erkennt seine Ex-Freundin und jagt sie durch zwei Landkreise. Eine „unübersichtliche Situation“ hat zu einem größeren Polizei-Einsatz in München geführt. In der Fußgängerzone waren zuvor mehrere Jugendliche aneinander geraten.

Rubriklistenbild: © FKN

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Kommentare

110110
(1)(0)

wer´s glaubt wird seelig....
...diese Dame kann doch nicht denken, zumindet nchtin der von Ihr dargestellten Form

Red BaronAntwort
(1)(0)

Dann sind wir uns nicht so uneins. Bei den übertriebenen Verstößen sehe ich auch härtere Strafen als legitim. Aber gerade wenn sie 75000 km fahren, wird ihnen auch das eine oder andere Geschwindigkeits- oder Überholverbot auskommen. Anderweitig wären sie ein Superman. Oder sie haben entsprechende Systeme im Auto die sie dran erinnern, aber das hat nicht jeder. Und da ist man bei der derzeitigen Gesetzeslage bereits in der Bredouille
Kinder sehe ich mehr innerorts, wo sich Rasen an sich verbietet, wo wirklich die wenigsten so viel schneller unterwegs sind, außer auf abgegrenzten Ringstraßen, wo normalerweise weniger bis gar keine Fußgänger sind. Und mal ehrlich, es gibt auch sinnfreie Einschränkungen, die auf völlig ungefährlichen Abschnitten, schnurgeraden eingefriedeten Straßen sind, wo Kasse gemacht wird. Da bin ich auch kein Fan von.

murks
(2)(0)

für diese art von laien-rennfahrer gibts an ausdruck: prothesenzipfel besitzer