48 Stunden Verspätungen pro Jahr

Trams ausgebremst! Riesen-Ärger über Falschparker in München

Ein Falschparker, der eine Tram an der Inneren Wiener Straße ausbremst.

Immer öfter sorgen Falschparker in München für Ausfälle bei der Tram. Insgesamt geht die Verkehrsgesellschaft im Jahr von 48 Stunden Verspätungen aus.

München - Manchmal sind es nur ein paar Zentimeter, die über Wohl und Wehe entscheiden. Vor ein paar Tagen erst hatte es die 18er-Tram erwischt. Ein Auto, das nicht korrekt abgestellt war, nur wenig in die Straße ragte. Aber das reichte aus. Der Zug kam nicht weiter, es wurde sogar ein SEV mit Bussen eingerichtet. Längst ist das kein Einzelfall mehr. Zwischen 100 und 200 Mal im Jahr blockieren Fahrzeuge die Weiterfahrt der Tram. 2018 verzeichnet die Falschparker-Statistik der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) 112 Fälle, 2019 sind es bis jetzt bereits 95. „Verkehrsunfälle im Gleisbereich und Falschparker gehören leider zu den häufigsten Gründen für Verspätungen bei der Tram“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. „Immer wieder werden die Züge – und damit Hunderte von Fahrgästen – von gedankenlos abgestellten Fahrzeugen blockiert, weil sie beispielsweise zu nah am Gleis oder in der zweiten Reihe parken.“ Je nach Örtlichkeit sind dann gleich mehrere Linien betroffen.

„Selbst wenn man annimmt, dass jeder Falschparker nach 20 Minuten vom Gleis ist, beläuft sich der Stillstand des Tramverkehrs durch Falschparker plakativ hochgerechnet bei 150 Fällen auf etwa zwei Tage pro Jahr“, sagt Korte. Und: „Kurzzeitige Behinderungen, die zwar auch kleinere Verspätungen, aber keine Fahrtausfälle, Umleitungen und größere Verspätungen nach sich ziehen, werden in der Statistik nicht erfasst.“

Ein Falschparker am Johannisplatz.

Ähnliche Probleme beim Busverkehr: 100 Falschparker pro Tag

Beim Bus gestaltet sich das Problem ähnlich. 2018 gab es 234 dokumentierte Fälle, 2019 bis jetzt 133. Hinzu kommen Fahrzeuge, die zwar nicht den Linienweg blockieren, aber die Haltestellen. „Die Fahrer von Bus und Tram melden über den Bordcomputer pro Jahr über 40 000 Mal, dass eine Haltestelle verparkt ist.“ Das sind 100 Fälle am Tag.

Die Handlungsmöglichkeiten der Verkehrsbetriebe sind begrenzt. Zum einen sind die Autos heutzutage breiter als früher und passen nicht mehr in die alten Parkstreifen, parken aber dennoch dort. Zum anderen besteht in der Stadt eine generelle Flächenkonkurrenz zwischen verschiedenen Nutzungen. „Wo möglich, werden wir natürlich aktiv“, sagt Korte. „So werden zum Beispiel Randsteine im Rahmen von Baumaßnahmen versetzt, um den Abstand zwischen Gleis und Parkstreifen zu vergrößern. Und logischerweise werden insbesondere die Neubaustrecken bei der Tram auf eigener Trasse, also möglichst unabhängig vom Autoverkehr, realisiert.“ Besonders beim Bus reduzierten zudem so genannte Kaphaltestellen, die vor allem der Beschleunigung des Busverkehrs und der Barrierefreiheit für die Fahrgäste dienen, auch das Falschparker-Risiko, weil sie aufgrund ihrer Bauform nicht zugeparkt werden können.

Seit 2015 hat die Verkehrsgesellschaft eine Vereinbarung mit der Polizei. Die MVG darf selbst einen Abschleppwagen rufen, wenn die Beamten hinzugezogen wurden. „Dadurch konnte die Störungsbeseitigung beschleunigt werden. Den Abschleppwagen rechnet die Polizei mit dem Verursacher ab“, sagt Korte. Außerdem gibt es in der Regel ein Bußgeld, zudem stellt die MVG Kosten in Rechnung, wenn ein Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen oder Taxis angeboten werden musste. Und da können ein paar Zentimeter dann auch richtig teuer werden.

Sascha Karowski

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