Bittere Statistik

Traurige S-Bahn-Wahrheit: Züge immer unpünktlicher - angeblich sind meist Fahrgäste dran schuld

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Ein allzu gewohntes Bild: Viele Wartende an einem S-Bahnhof.

Die Münchner S-Bahnen sind immer unpünktlicher. Etwa jeder zehnte S-Bahn-Zug ist sechs oder mehr Minuten zu spät dran. Das sagt die Deutsche Bahn dazu. 

München - Es heißt ja immer: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wenn es aber um die S-Bahn geht, sind wir Fahrgäste die Gestraften. Und wer zuletzt das Gefühl hatte, dass die Münchner S-Bahn immer unpünktlicher wird, der bekommt dafür jetzt auch die offizielle Bestätigung. Unsere Zeitung hat exklusive Zahlen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) über die Pünktlichkeit der Züge im Jahr 2018 vorliegen. Sie zeigen die traurige Wahrheit: Mittlerweile kommt fast jede zehnte S-Bahn zu spät. Die Pünktlichkeit der Züge lag in den ersten beiden Wochen des aktuellen Monats gerade mal bei rund 90 Prozent. Zum Vergleich: Im Dezember 2016 betrug dieser Wert 97 Prozent.

Diese Zahlen findet die BEG als Auftraggeber „alles andere als zufriedenstellend“. Ein Zug gilt in der Statistik erst dann als unpünktlich, wenn er mindestens sechs Minuten zu spät kommt. Und: Ausgefallene Züge werden gar nicht erst mitgezählt. Heuer sind etwa 2,3 Prozent der Münchner S-Bahnen ausgefallen – das heißt, dass fast jeder 40. Zug gar nicht erst ankam.

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Anfang des Jahres waren noch 96 Prozent der Züge pünktlich

Anfang des Jahres waren immerhin etwa 96 Prozent der Züge pünktlich, aber seitdem sind die Werte fast durchgehend auf Talfahrt. Dass die Fahrgäste darunter leiden, findet die BEG „nicht mehr länger akzeptabel“. Denn sie plant, finanziert und kontrolliert den S-Bahn-Verkehr. Die Gründe für die Verspätungen sieht die BEG zum großen Teil in infrastrukturellen Problemen, wofür die DB Netz AG verantwortlich sei – die genau wie die S-Bahn München zur Deutschen Bahn gehört.

Im Oktober gab es bereits einen Pilotversuch für reibungsärmeren Verkehr speziell auf der Münchner Stammstrecke. „Das einwöchige Pilotprojekt wird derzeit noch ausgewertet“, sagt eine Sprecherin der S-Bahn München. Allerdings lag die Pünktlichkeit im Oktober auch nur bei 90,8 Prozent. Die Idee war: Züge müssen sich nicht zwingend an den Takt halten und aufeinander warten – sondern dürfen einfach weiterfahren, wenn sie schon mal da sind…

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Das sind angeblich die sieben häufigsten Verspätungsursachen

Und woran liegen die Verspätungen? Auf der Internet-Seite der S-Bahn findet man die sieben „häufigsten Verspätungsursachen“: alle durch Fahrgäste verursacht. Zum Beispiel durch Ballons, die sich in Oberleitungen verfangen oder durch Gleise, die als Abkürzungen genutzt werden. Von Signal-, Weichen- und Stellwerkstörungen ist hier nicht die Rede. 

So verteidigt sich die Bahn

Auch die Deutsche Bahn ist mit der Pünktlichkeit der S-Bahn in diesem Jahr nicht zufrieden. ­Problematisch seien vor allem „Großstörungen“ und die „eingeschränkte Fahrzeugverfügbarkeit“ gewesen, sagt eine Sprecherin der Bahn. Für die Verspätungen gebe es drei Ursachen: zum einen „Störungen an der Infrastruktur“, zum anderen „Faktoren im direkten Einflussbereich der S-Bahn“ – also zum Beispiel Fahrzeugstörungen – und außerdem externe Einflüsse wie beispielsweise Personen im Gleis. 

Mit der Einzäunung der Stammstrecke wurde das zwar besser, so die Sprecherin. Aber „leider traf dies nicht auf die Dauer des ­Oktoberfests zu“. Unter ­anderem sollen die Züge durch die 2. Stammstrecke pünktlicher werden. Die Bahn möchte in den nächsten fünf Jahren mehr als eine halbe Milliarde Euro in eine Qualitätsoffensive stecken.

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Das sagen die Münchner

„Rappelvoll und total ungemütlich“

„Die S-Bahn nehme ich schon lange nicht mehr, wenn ich zur Uni fahre. Lieber sind mir da Bus oder U-Bahn. Zeitlich nimmt sich das zwar nichts: Beide brauchen laut Fahrplan 40 Minuten – und in Wirklichkeit meist länger. Aber in der ­S-Bahn ist es immer rappelvoll und total ungemütlich! Und der Bus steht zwar im Stau, aber ­dafür sitze ich bequemer.“ - Sophie Pfänder (22), Studentin aus Ismaning

Sophie Pfänder (22), Studentin aus Ismaning

„Kein Verlass auf die Bahn“

„Viermal die Woche fahre ich mit der S-Bahn zur Arbeit. Darum ist es total ärgerlich, wenn die mal wieder später kommt – und das passiert leider ständig. Ich gehe dann lieber auf Nummer sicher und nehme eine Bahn früher. Das ist zwar nicht angenehm, aber auf das Auto steige ich trotzdem nicht um. Der Verkehr auf der Straße ist ja genauso schlimm.“ - Christa Wolf-Möller (62), Sozialpädagogin, Ottobrunn

Christa Wolf-Möller (62), Sozialpädagogin, Ottobrunn

„Zu teuer und zu unbequem“

„Nur etwa einmal in der Woche nehme ich die S-Bahn. Klar: Die fällt auch schon mal aus, aber wenn man so selten fährt wie ich, bekommt man das nicht so mit. Was mir auf den Geist geht, ist das Stehen in der Bahn, das Gedrängel und der Mief. Und dafür ist das Ganze ganz schön teuer! Mit dem Auto komme ich billiger weg. Da hab ich dann auch besseren Handyempfang.“ - Michael Stips (70), Ingenieur aus Gräfelfing

Michael Stips (70), Ingenieur aus Gräfelfing

Kathrin Braun

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