“Ist das wirklich unvermeidlich?“

Verkehrsinfarkt! Anwohner in beschaulichen Vierteln verzweifelt - die Stadt bekommt nichts mit

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Verkehrsinfarkt in München: Viele Anwohner müssen leiden.

Wenn es auf der A99 staut, kommt oft auch der Verkehr im Münchner Osten zum Erliegen. Das passiert, weil der Verkehrsüberwachung die Technik fehlt.

München - Wie dringend nötig neue Konzepte für den Münchner Verkehr sind: Das spüren nicht nur die Anwohner der Hauptverkehrsstraßen, sondern längst auch die Leute in einst beschaulichen Wohnvierteln. Denn: Die Staus betreffen mittlerweile häufig auch Nebenstraßen, weil geplagte Pendler Ausweichrouten suchen. Stichwort: Vermeidungsverkehr!

Ein Beispiel: die Georg-Strebl-Straße in Solln. Eng ist es, überall parken Autos, dann wird auch noch gebaut – und Fußgänger müssen auf der Fahrbahn laufen, weil es kein Trottoir gibt. Und viele Navis empfehlen ihren Besitzern die kleine Straße als Abkürzung. Der Frust der Anwohner ist groß.

“Wir müssen unsere schwächsten Verkehrsteilnehmer schützen“

Zuletzt kamen einige von ihnen in die Sitzung des Bezirksausschusses (BA), um ihrem Ärger Luft zu machen. Vor allem brauchen sie dringend einen Gehweg. Die Situation sei dramatisch, weil die Fußgänger zwischen parkenden Fahrzeugen und fahrenden Autos keinen Platz mehr hätten. Zudem fordern die Anwohner ein Parkverbot in bestimmten Bereichen.

Laut Reinhold Wirthl, dem Vorsitzenden des Verkehrsausschusses, sind kleinere Maßnahmen zur Entschärfung bereits beschlossen – etwa ein Halteverbot an einer 90-Grad-Kurve. Außerdem an beiden Enden der Georg-Strebl-Straße jeweils ein Schild, das die Autofahrer vor den Fußgängern auf der Fahrbahn warnt. Das Halteverbot auszuweiten, sieht Wirthl skeptisch: „Dann gehen zu viele dringend benötigte Parkplätze verloren.“ Aus demselben Grund hält der CSU-Politiker den Gehweg für nicht umsetzbar.

Inga Meincke von den Grünen im BA möchte sich dagegen für den Bürgersteig einsetzen: „Die Situation ist ein großes Problem für Fußgänger. Ein Gehweg wäre das Wichtigste. Wir müssen unsere schwächsten Verkehrsteilnehmer schützen!“

München: Stadtosten durch Staus auf der A99 lahmgelegt

Heftige Probleme gibt’s aber auch an anderer Stelle. Zum Beispiel kriegt die Stadt offenbar gar nicht mit, wenn wegen Staus auf der A99 der ganze Münchner Osten lahmgelegt wird.

Zuletzt hatte ein mit giftigem Epoxid­harz beladener Lastwagen auf der Autobahn vier andere Lkw aufeinander geschoben. Wegen der Bergungsarbeiten gab’s eine mehrstündige Sperrung. Die Folge: Mega-Staus bis in die Nacht im gesamten Umfeld. Auch auf Truderings Straßen und bis weit hinein nach München. „Ist das wirklich unvermeidlich, wenn die A99 zu ist?“, so die Frage des BA an die Stadt.

Video: Gefahrguttransporter auf A99 verunglückt

München: Verkehrsleitzentrale fehlt zum Teil die nötige Technik, um Staus zu erkennen

Offenbar ja. Denn dort bekommt man Staus auf der Wasserburger Landstraße & Co. gar nicht mit. Der Verkehrsleitzentrale, die unter anderem vom Kreisverwaltungsreferat betrieben wird, stehen in diesem Bereich nämlich keine Kameras zur Verfügung, die einen Überblick ermöglichen würden…

Wenn dann vielleicht von der Autobahndirektion Südbayern keine offiziellen Umleitungsmaßnahmen ergriffen werden und sich die Autofahrer auf Ortskenntnis und Navi verlassen, erfährt die Stadt gar nichts von dem Chaos. Und Verkehrszustandsdaten von Navi-Betreibern erhält die Stadt nicht.

Eine große Zahl von Baustellen sorgt ebenfalls dafür, dass der verkehr in der Stadt eingeschränkt wird. Eine Studie hat im Frühjahr 2019 hervorgebracht, dass die Münchner 140 Stunden pro Jahr im Stau verbringen.

Um die Stadt München weiter zu entlasten, hat sich die CSU einen irren Vorschlag einfallen lassen: Ein Parkhaus über der A9.

Andrea Lindner, Carmen Ick-Dietl

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