Großbaustellen in der Stadt 

100 Millionen teurer als geplant: Kosten für Verkehrsprojekte drohen zu explodieren

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Zwei zentrale Verkehrsprojekte der Stadt drohen teurer zu werden: die Verlängerung der U5 bis nach Pasing und der Tunnel unter der Landshuter Allee. Beide Großbaustellen sind heute Thema im Stadtrat.

Münchens Straßen werden immer voller, also versucht die Stadt, möglichst viel Verkehr unter die Erde zu verbannen. Zwei Tunnelprojekte sind heute Thema im Stadtrat: die Verlängerung der U-Bahnlinie 5 bis nach Pasing und der Tunnel unter der Landshuter Allee. Beide Großbaustellen sollen eine spürbare Entlastung bringen – und bei beiden drohen jetzt höhere Kosten.

So wird nach den neuesten Planungen der U5-Ausbau bis nach Pasing mit Kosten von rund 665 Millionen Euro zu Buche schlagen. Bei einer ersten Schätzung war noch von 547 Millionen Euro die Rede gewesen. Noch gar nicht mit eingerechnet ist dabei eine weitere Kostenfalle, auf die die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hinweist. In dem Unternehmen ist man der Überzeugung, dass als Folge der Fahrgastzuwächse die Innenstadtbahnhöfe Hauptbahnhof, Odeonsplatz und Theresienwiese im Bestand optimiert werden müssten. Die Strecke würde 4,5 Kilometer messen, die MVG rechnet mit bis zu vier neuen Haltestellen.

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Und den nächsten Wunsch gibt es auch schon: die Trasse bis ins Neubaugebiet Freiham auszuweiten. 2025 Wohnungen für rund 25 000 Menschen und Arbeitsplätze für 7500 Münchner. Bevor die U5-Verlängerung in Angriff genommen werden kann, muss zunächst der Bau der zweiten Stammstrecke abgeschlossen sein. Das wird nach derzeitigem Stand allerdings nicht vor 2026 der Fall sein.

Festhalten an Projekten - auch wenn es noch eurer wird 

Die CSU im Stadtrat wird an den Plänen festhalten, auch für den Fall, dass es noch teurer werden sollte. „Irgendwas werden wir brauchen, um die Menschen zu transportieren“, sagt Stadtrat Frieder Vogelsgesang. Aus Kostengründen dürfe man darauf nicht verzichten. „Die Stadt braucht den Ausbau der verschiedenen Verkehrswege, wenn wir den Individualverkehr von der Straße kriegen wollen.“

Beim geplanten Tunnel an der Landshuter Allee geht es dagegen darum, die Autos zumindest von der Oberfläche zu verbannen. 1450 Meter soll die Röhre lang sein und für die Anwohner rund um die Hauptverkehrsader eine echte Verbesserung bringen – sowohl was die Luftqualität als auch den Lärmpegel angeht. Schließlich passieren über 120 000 Fahrzeuge täglich den Mittleren Ring zwischen Arnulfstraße und Georg-Brauchle-Ring.

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Allerdings liegt bei der Planung der Teufel im Detail. Die größte Schwierigkeit bereiten die Tunneleinfahrten. Während im Norden an der Dachauer Straße das Problem ist, dass sich die Lärm- und Abgasbelastung nicht ändert, versucht die Stadt im Süden, an der Arnulfstraße, gegenzusteuern. Dort ist einerseits zu wenig Platz, um die Tunneleinfahrt sowie die nötigen zusätzlichen Straßen und Radwege unterzubringen. Außerdem würde sich die Lärm- und Abgasbelastung sogar noch erhöhen. Deshalb schlägt die Stadt eine Verlängerung des bisher geplanten Tunnels vor. So könnte „die Wohnbebauung zwischen Arnulf- und Nymphenburger Straße wesentlich besser vor Immissionen geschützt werden“, heißt es im Baureferat.

Damit würde auch die Arnulfstraße unterquert und die Donnersbergerbrücke zur reinen Bahnüberquerung. Ein Vorteil dieser Lösung: Die Donnersbergerbrücke müsste ohnehin saniert werden, der zu sanierende Teil würde durch diese Planänderung kleiner. Als Alternative zur Tunnelverlängerung schlagen die Planer eine Einhausung der Tunnelzufahrten vor.

Bei den Grünen sorgen diese Überlegungen für Unverständnis. Stadträtin Anna Hanusch sagt: „Die bautechnischen Probleme eines Tunnels an der Landshuter Allee haben anscheinend immer größere Dimensionen zur Folge – und immer höhere Kosten.“ Diese könnten anderen Investitionen – etwa auch denen in neue U-Bahnen – Konkurrenz machen, befürchtet Hanusch.

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