Bau-Startschuss 2021

Vorfahrt für die U5: So wird der Münchner Untergrund ausgebaut

+
Diese U-Bahn-Projekte erwarten die Münchner.

U5 bis nach Pasing, U9, U26 und eine längere U4: Die U-Bahn-Projekte für die Zukunft Münchens stehen fest. Wir zeigen, wie im Untergrund ausgebaut wird.

München - Bahn frei! Ziemlich exakt ein Jahr ist es her, dass die Stadtspitze eine Nahverkehrs-Offensive auf den Weg gebracht hat: neue U-Bahnen und Tram-Trassen für nahezu 5,5 Milliarden Euro. Außerdem bekam die Verwaltung den Auftrag, eine Prioritäten-Liste für die U-Bahnen zu ­erarbeiten. Bautechnik, Finanzierung und Nutzen für die Pendler waren Kern-Themen für das Papier, das nun fertig ist. Bahn frei!

Neben der bereits beschlossenen U5 nach Pasing soll die U9 zuerst entstehen, erst im Anschluss die U26 und die Verlängerung der U4. Der Startschuss für die U5 soll bereits 2021 erfolgen, die Verlängerung nach Freiham zügig im Anschluss erledigt werden. Problem: Finanzieren können wird die Stadt das alles nicht allein. Wir zeigen hier, wie im ­Untergrund gebaut wird.

U5 (Laimer Platz nach Pasing)

Dieser 3,8 Kilometer lange Abschnitt wird drei neue Bahnhöfe erhalten. Die Verwaltung geht davon aus, dass ein Baubeginn im Jahr 2021 realistisch ist, sollten die weiteren Verfahrensschritte störungsfrei vonstattengehen. Die Bauzeit soll dann sechs bis acht Jahre betragen.

U5 (Pasing nach Freiham)

Ebenfalls unter Kategorie der Priorität A läuft die weitere Verlängerung der U5 nach Freiham. Entlang der viereinhalb Kilometer langen Trasse sind vier neue Bahnhöfe geplant. Die Verwaltung hat sich mittlerweile auf eine Variante festgelegt, wonach am Westkreuz, an der Radolfzeller Straße und der Riesenburgstraße neue U-Bahnhöfe entstehen sollen. An der Endhaltestelle Freiham Zentrum soll zudem Platz für einen möglichen Anschluss nach Germering bleiben. Die Verwaltung will dazu demnächst mit der Stadt und dem Landkreis Fürstenfeldbruck Gespräche aufnehmen. Außerdem soll an der Endhaltestelle eine große Park-&-Ride-Anlage entstehen, wie die Verwaltung weiter vorschlägt. Mit einer Inbetriebnahme der Verlängerung bis nach Freiham wäre zwischen 2035 und 2040 zu rechnen. Die Verwaltung schlägt vor, im Anschluss an die Fertigstellung der ersten Verlängerung der U5 bis Pasing mit dem Bau zu beginnen. Die Kosten werden auf 750 Millionen Euro geschätzt. Um das Gebiet bis zur Fertigstellung der U-Bahn zu erschließen, schlägt die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ein Busnetz vor, das auch Schnellbusse vorsieht.

Lesen Sie auch: Rauswurf nach Schwarzfahren: Was darf der Kontrolleur wirklich?

U9 (Implerstraße bis Münchner Freiheit)

In einem nächsten Schritt soll die Entlastungsspange U9 realisiert werden (Ebenfalls Priorität A). Die 10,5 Kilometer lange Trasse wird von der Impler-/Poccistraße über den Hauptbahnhof zur Münchner Freiheit verlaufen. Sieben neue Bahnhöfe sollen entstehen, die Kosten werden auf drei Milliarden Euro beziffert. Die Bauzeit soll zehn Jahre betragen, mit der Realisierung wird nicht vor Ende der 2030er-Jahre gerechnet.

U4 (Arabellapark bis Englschalking)

Unter Kategorie B (langfristige Planung) finden sich die Verlängerung der U4 bis Englschalking, um dort eine Verknüpfung mit der S8 (Flughafenlinie) zu schaffen. Auf zwei Kilometern sollen zwei neue Bahnhöfe entstehen. Zudem wird es um die Frage gehen, ob die U4 wegen der Siedlungsentwicklung ­Nordost ausgebaut werden soll. Zwei von drei Planungsvarianten sehen derzeit vor, die U4 mit ein oder zwei neuen U-Bahnhöfen bis zur Messestadt Riem zu verlängern.

U26 (Kieferngarten bis Am Hart)

Grundlage für die Querungs-U-Bahn ist die Inbetriebnahme der U9. Daher wird die U26 über vier Kilometer Länge mit vier neuen Stationen erst im Anschluss realisiert. Die Nord-Süd-Erschließung des Areals der ehemaligen Bayernkaserne wird derweil die Tram 23 übernehmen, die von der Endhaltestelle Schwabing Nord mindestens bis zur Heidemannstraße verlängert werden soll.

Entlastung für die Bahnhöfe

All die genannten Erweiterungen des U-Bahn-Netzes bedingen auch einen Ausbau der bereits bestehenden Umsteigebahnhöfe, etwa Hauptbahnhof, Sendlinger Tor und Odeonsplatz. Denn die sind jetzt schon an den Grenzen der Kapazität!

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) kalkuliert derzeit mit einem Zuwachs der Kundenzahlen im Bereich des Hauptbahnhofs (U4/U5) von 1,1 Prozent bei einer Verlängerung der U5 nach Pasing, 6,6 Prozent bei einer Verlängerung der U5 von Pasing nach Freiham sowie einem Anstieg von 11,8 Prozent bei Inbetriebnahme der U9, allerdings auch mit 18,1 Prozent weniger Umsteigern zwischen U4/U5 und U1/U2.

Für den Bahnhof Odeonsplatz (U4/U5) ergäben sich ein Plus von 2,6 Prozent bei Verlängerung der U5 nach Pasing, 3,6 Prozent bei Verlängerung der U5 von Pasing nach Freiham, aber ein Minus von 2,6 Prozent bei Inbetriebnahme der U9. Die Entlastungsspange würde an den U-Bahnhöfen Odeonsplatz und Sendlinger Tor das Fahrgastaufkommen insgesamt wohl um 20,4 (Odeonsplatz) beziehungsweise 29,9 Prozent (Sendlinger Tor) reduzieren.

Die Finanzierung - wer soll das alles bezahlen?

Bei aller Notwendigkeit des Ausbaus bleibt festzuhalten: Ohne finanzielle Hilfen wird die Stadt die Projekte nicht realisieren können. Bislang hat der Bund einen Fördertopf von einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt – allerdings bundesweit. Die Verwaltung schreibt nun, dass der Bund „möglichst gemeinsam mit den Ländern ein Sonderprogramm für die Modernisierung und den Ausbau der Schienenverkehrswege über mindestens 20 Milliarden Euro schaffen oder alternativ die Bundesmittel“ massiv aufstocken soll.

OB Dieter Reiter (60, SPD) hatte sich bereits vor einem Jahr an die Bundes-Parteivorsitzenden von SPD, CDU und CSU gewandt und eine deutliche Aufstockung der Bundesförderung eingefordert. „Kommunen wie München ist es nicht im Ansatz möglich, die anstehenden Investitionen in Netze und Linien allein zu stemmen“, sagte Reiter. Und weiter hieß es: „Wir befinden uns mitten in einer historischen Verkehrswende mit einem tiefgreifenden Umbruch individueller Mobilität.“ Dabei sei das eindeutige und mutige Engagement der Bundesregierung unerlässlich.

Sascha Karowski

Welches ist Ihr Münchner Viertel? Sendling? Ramersdorf? Moosach? Das Westend? Wir haben Facebook-Seiten gegründet, auf denen wir alles Wichtige, Aufregende und Schöne und Ihre Liebe zu diesem einen Viertel mit Ihnen teilen.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bekanntem Kaufhaus droht der Abriss – Mitarbeiterin: „Ich habe gehört, dass ...“
Bekanntem Kaufhaus droht der Abriss – Mitarbeiterin: „Ich habe gehört, dass ...“
Kündigung nach 40 Jahren: Münchnerin (69) soll Wohnung verlassen: „Kommt mir immer aussichtsloser vor“
Kündigung nach 40 Jahren: Münchnerin (69) soll Wohnung verlassen: „Kommt mir immer aussichtsloser vor“
Keine Mülleimer aber Kuschelecken: So schneidet die neue S-Bahn im Test ab
Keine Mülleimer aber Kuschelecken: So schneidet die neue S-Bahn im Test ab
Bekannte Wirtschaft am Marienplatz führt Biesel-Maut für Touristen ein
Bekannte Wirtschaft am Marienplatz führt Biesel-Maut für Touristen ein

Kommentare