Sind wir noch nicht reif für Veränderung?

Coffee-to-go-System: Warum es in München (noch) scheitert

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So sehen die Kaffeebecher von „reCup“ aus. 

Mitglieder des Münchner Stadtrats wünschten sich ein alternatives Coffee-To-Go-System für München. Der Gedanke dabei war, weniger Müll zu produzieren. Warum aus dem Antrag vorerst nichts wird:

München - Umweltschutz ist eine zähe Sache, wie immer wieder festzustellen ist. Das bekommen auch die drei Münchner Stadtratsmitglieder Herbert Danner, Katrin Habenschaden und Sabine Krieger (Fraktion Die Grünen/Rosa Liste) zu spüren. Sie haben der Stadt vorgeschlagen, ein alternatives Coffee-to-go-System in München durchzusetzen. Der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) entwickele eine Kampagne für dieses System und suche Partner für einen Pilotversuch in München, hieß es in dem Antrag. Der Grund, warum die Stadtratsmitglieder den Vorschlag machten, liegt auf der Hand: Coffee-to-go-Becher verursachen eine außerordentliche Müllmenge. 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Pappbecher werden in Deutschland pro Jahr weggeworfen, das sind etwa 320.000 Becher pro Stunde und wiederum etwa 40.000 Tonnen Müll pro Jahr. 

„ReCup“-System mit wiederverwertbaren Pfandbechern

Das „reCup“-System, um das es sich handelt, wurde von den beiden Jungunternehmern Fabian Eckert und Florian Pachaly entwickelt. Die Becher, die sie entworfen haben, sind zwar aus Kunststoff (PP), da das Material stabil, häufig wiederverwendbar, leicht, stapelbar, recyclebar, spülmaschinenfest, lebensmittelecht und gesundheitlich unbedenklich sein muss. Sie sind dafür aber 500 Mal wieder befüllbar, bevor sie recycelt werden. Ganz nach dem Firmenmotto: „return, reuse, recycle.“

Bereits im November vergangenen Jahres führten die jungen Unternehmer einen Pilotversuch in Rosenheim durch. Bei Erfolg wollten sie den „reCup“ weiterentwickeln und den Becher in anderen Städten verkaufen. Die Aktion kam so gut an, dass viele Cafés in Rosenheim die Becher nach der Testphase gar nicht zurückgeben wollten. Und auch in München erhielten die jungen Männer laut eigener Aussage „extrem viele Anfragen von Cafés“ - das Interesse seitens der Unternehmen wäre also da gewesen. 

Pro7-Video: So viele Coffee-to-Go-Becher landen jährlich im Müll

„Wenig Aussicht auf Erfolg“

Aber dieses Projekt so schnell wie möglich zu starten, wäre wohl zu simpel. Laut Kommunalreferent Axel Markwardt scheinen Münchens Bürger für das System noch nicht reif genug zu sein: „Eine Kampagne für Pfandsysteme zu starten, ohne den Endverbraucherinnen und -verbrauchern ins Bewusstsein zu rufen, warum diese beliebten Pappbecher ein Problem für die Umwelt darstellen, wird wenig Aussicht auf Erfolg haben“, erklärte er. 

Zudem sehe sich der AWM allein nicht in der Lage, ein solches System zu etablieren, da diese Aufgabe die Kompetenzen und Möglichkeiten des AWM sprenge. Und es gebe derzeit noch kein flächendeckendes Mehrwegsystem für Coffee-to-go-Becher, sondern eben lediglich erste Pilotversuche. 

Doch offenbar wird das Thema viel diskutiert: Das Bayerische Umweltministerium lud vor kurzem zu einem Treffen zum Thema „Ressourceneinsatz bei Einweggetränkebechern“ ein, bei dem auch der AWM  sowie das Start-Up-Unternehmen „reCup“ und „Coffee To Go Again“ zum Erfahrungsaustausch geladen waren, berichtet Markwardts. 

Abfallvermeidungskampagne im Herbst

Um also eine „Bewusstseins- beziehungsweise im Idealfall eine Verhaltensveränderung“ bei den Münchner Bürgern zu bewirken, plant der AWM laut Markwardt für Herbst dieses Jahres eine Abfallvermeidungskampagne mit dem Schwerpunkt „Einweg-Kaffeebecher“. Ziel der Kampagne werde sein, die Münchner Bürgerinnen und Bürger für das Thema Abfallvermeidung zu sensibilisieren und zum dauerhaften Mitmachen zu motivieren. Die ersten Planungen für diese Aufklärungskampagne seien bereits gestartet worden. Das Problem der Müllentstehung – und damit explizit der Coffee-to-go-Becher – müsse in einem ersten Schritt möglichst plakativ bekannt gemacht werden.

Der AWM gehe davon aus, dass die meisten Münchner die Problematik „Pappbecher“ als solche noch nicht erkennen würden und deutlich unterschätzten. Im zweiten Schritt wolle der Betrieb darauf hinwirken, dass möglichst viele Münchner Bürger anstatt der Pappbecher ihren persönlichen Mehrwegbecher nutzen.

Ganz so neu wie es scheint, ist das Thema in München jedoch nicht: Schon vor fünf Jahren machte der Stadt das Becher-Problem zu schaffen. 

Wir wollen wissen, was Sie über eine solche Kaffeebecher-Alternative denken, hier geht‘s zur Umfrage: 

 

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