“Das ist nicht unser Bayern“

„Weiß-Blau-Braun“ - SPD und Grüne nutzen CSD für Abrechnung mit CSU-Politik

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Christopher Street Day in München.

Drei Monate vor der bayerischen Landtagswahl hat die Opposition die alljährliche Schwulen- und Lesbenparade beim Münchner Christopher Street Day für eine Abrechnung mit der CSU genutzt.

München - Der Ministerpräsident ist nicht anwesend, aber trotzdem präsent: „Nicht noch mehr Kreuze für Söder“, hat eine barbusige Teilnehmerin des Münchner Christopher Street Day (CSD) auf ihr Plakat geschrieben. Ein Wahlaufruf gegen die CSU und ihren Spitzenkandidaten Markus Söder. Drei Monate vor der Landtagswahl gerät die alljährliche Parade der Schwulen- und Lesbenszene am Samstag durch die Münchner Innenstadt zu einer Kundgebung gegen CSU und Rechtspopulisten, befeuert durch den Streit um die Asylpolitik.

Über 130 Gruppen und mehrere Tausend Menschen nehmen heuer an der Parade durch die Münchner Innenstadt teil, ziemlich weit vorne läuft der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Der Christopher Street Day hat seit jeher ein doppeltes Gesicht: einerseits eine große Straßenparty mit schrillen Kostümen, andererseits eine Demonstration für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben.

Doch die Gleichstellung spielt am Samstag eine untergeordnete Rolle - schon vor einem Jahr hat der Bundestag die Ehe für alle beschlossen. Stattdessen geht es um Rechtspopulismus. „Es verfärbt sich gerade Weiß-Blau in Weiß-Blau-Braun“, sagt die Grünen-Lokalpolitikerin Lydia Dietrich bei der Eröffnungskundgebung auf dem Marienplatz vor einigen Hundert Zuhörern. „Das ist nicht unser Bayern.“

Bei der Kundgebung ist die Opposition links der Mitte in der Mehrheit. „CSU und AfD sind klare Gegner unserer Community“, sagt FDP-Politiker Michael Mattar. „Geht zur Wahl, um den Rechtsruck in unserer Gesellschaft ein bisschen aufzuhalten.“

Die CSU ist auch dabei, vertreten von Stadtrat Hans Theiss, der auf der Bühne vorsichtige Kritik an Parteichef Horst Seehofer durchblicken lässt. Er sei mit einigen Äußerungen auf Bundesebene „auch nicht glücklich“, sagt Theiss. „Wir unterstützen das queere und bunte Leben in dieser Stadt.“ Er erntet Buhrufe eines Teils der Zuhörer, Grünen-Stadtratskollege Dominik Krause sagt anschließend ganz unverblümt: „Ich will mit solchen Leuten“ - gemeint ist die CSU - „nicht gemeinsam demonstrieren“. So aggressiv ging es in den vergangenen Jahren auf dem Rednerpodium nicht zu.

Für den Großteil der Zuschauer spielt die politische Auseinandersetzung mutmaßlich nur eine kleine Rolle. An Kostümen ist alles vertreten, vom Sadomaso-Look in Lack und Leder über Paradiesvögel bis zur Volkstanzgruppe „Schwuhplattler“ in bayerischer Tracht. Hunderte von Fotoamateuren nutzen die Gelegenheit.

Mehr Informationen zum CSD 2018 in München

dpa/lby

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