“Besteht auf eure Rechte“

Miet-Wahnsinn in München: Experte gibt Tipps bei ungerechtfertigter Mieterhöhung und anderen Schikanen

Nicht nur, aber gerade in München steigen die Mieten rasant an. Gegen zusätzliche Kosten kann man sich aber wehren. Hier gibt ein Experte wichtige Tipps.

  • In München* steigen die Mieten. Und steigen. Und steigen.
  • Viele Mieter trauen sich jedoch nicht gegen unberechtigte Erhöhungen vorzugehen.
  • Hier gibt es Experte Tipps, wann und wie man sich wehren sollte.

München - Viele ältere Mieter liegen im Streit mit ihren Vermietern und haben das Gefühl, sich nicht wehren zu können. „Die Senioren haben viele Ängste. Etwa, dass die Stadt ständig teurer wird und sie sich ihre Heimat bald nicht mehr leisten können“, sagt Wilhelm Kling (76), Seniorenvertreter bei der Landeshauptstadt München und Mitglied im Arbeitskreis Mieten und Wohnen.

Der Rentner ist einer, der sich nicht einschüchtern lässt und schon mehrere Gefechte mit seiner Vermieterin, der Heimag, die nun zur städtischen Gewofag gehört, erfolgreich ausgefochten hat. „Zeigt euch, besteht auf eure Rechte“, rät er den Münchnern. Mit der tz sprach er über die größten Sorgen der Senioren.

Tipps für Münchner Mieter: Mieterhöhungen ohne triftigen Grund

Vor zwei Jahren hat Wilhelm Kling erfolgreich ein Mieterhöhungsverlangen der Gewofag um 15 Prozent abgeschmettert. Er verwies darauf, dass in seiner Wohnung kein gehobener Standard gegeben sei, weil beispielsweise die Leitungen auf Putz liegen.

Daraufhin schickte die Vermieterin einen Sachverständigen. Der Experte bestätigte die Einschätzung Klings, die Gewofag nahm die Erhöhung zurück. Sein Tipp an die Senioren: „Informiert euch über eure Rechte, viele Mieterhöhungen sind rechtswidrig.“

„Senioren haben viele Ängste“: Miet-Experte Wilhelm Kling hat ein offenes Ohr für solche Fälle und oft eine Lösung parat.

München: Experte gibt Tipps bei drohender Mieterhöhung - Ungerechtfertigt hohe Nebenkosten

Bei Kling sind die Wasserkosten von 2017 auf 2018 um 137 Prozent gestiegen. „Das kann nicht sein, ich hab die Sache einem Anwalt übergeben“, sagt der Rentner. Auch über steigende Hausmeisterkosten gibt es Beschwerden.

„Das Problem ist, dass die Vermieter Fremdfirmen als Hausmeister einsetzen. Die sind teurer, arbeiten aber schlecht und keiner kontrolliert“, sagt Kling. Die Probleme um die Hausmeisterkosten waren am Montagabend auch Thema bei der regulären Sitzung des Mieterbeirates im Rathaus. Das Gremium hatte die Gewofag gebeten, dort ihr neues Hausmeistermodell vorzustellen.

Tipps für Münchner Mieter: Aufzug kaputt oder Wohnung nicht barrierefrei

Ältere und Gehbehinderte sind quasi eingesperrt in ihren Wohnungen, wenn der Aufzug streikt. So geht es Gabriele Jung (63), die an der Hans-Fischer-Straße an der Bavaria wohnt und gehbehindert ist. „Bei uns steht der Aufzug seit Ostern still“, sagt sie. Da sie zwei kaputte Knie hat, kann sie ihre Wohnung im dritten Stock nur noch unter Qualen verlassen.

„Von der Vermieterin, werden wir ständig vertröstet, ich möchte wenigstens die Miete mindern“, ärgert sie sich. Für ältere Mieter ist auch fehlende Barrierefreiheit oft ein Problem, weiß Mietervereins-Geschäftsführer Volker Rastätter. Mit Zustimmung des Vermieters darf der Mieter die Wohnung auf eigene Kosten barrierefrei gestalten - aber Achtung, beim Auszug muss er alles wieder zurückbauen.

Mietwohnungen in München: Starker Aufschlag nach Modernisierungen 

In dem Haus, in dem Wilhelm Kling wohnt, wurden die Fenster ausgetauscht - und danach sollte deshalb die Miete erhöht werden. „Auch das habe ich erfolgreich abgewehrt“, sagt Kling. Denn seiner Meinung nach waren die neuen Fenster keine Verbesserung, sondern mussten eingesetzt werden, da die alten Fenster über die Jahrzehnte kaputt gegangen waren.

Für Kling war der Fenstertausch deshalb eine Instandhaltungsmaßnahme. Er widersprach also der Erhöhung „und die Gewofag nahm den Aufschlag wieder zurück“, erzählt der wehrhafte Senior.

Drohende Mieterhöhungen - Deutscher Mieterbund will Mietstopp im Bund

Der Deutsche Mieterbund (DMB) hat einen bundesweiten Mietenstopp gefordert. „Wir brauchen eine bundesweite Regelung, nach der die Mieten in den nächsten fünf bis sechs Jahren nur im Rahmen der Inflationsrate erhöht werden dürfen“, sagte DMB-Präsident Lukas Siebenkotten dem Berliner Tagesspiegel.

Nach dem Berliner Mietendeckel werden die Mieten auf dem Stand vom 18. Juni 2019 bis 2022 eingefroren. In Bayern gibt es eine Initiative für ein Volksbegehren, nach dem die Mieten sechs Jahre lang nur in Höhe der Inflationsrate steigen dürfen. (S. Sasse) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Seit dem 1. Juli ist der Kündigungsschutz trotz nach wir vor anhalternder Pandemie weggefallen - nun drohen Mietern Kündigungswellen. Wegen der Corona-Krise fordern Verbände einen Corona-Fonds.

Ein Mini-“Penthouse“ über einer Münchner Promi-Meile wird zum Verkauf angeboten - der Preis hat sich mehr als gewaschen.

Rubriklistenbild: © Michael Westermann

Auch interessant

Meistgelesen

Schock-Moment im ICE: Brandmelder löst aus- Fehlalarm legt Münchner Zugverkehr lahm
Schock-Moment im ICE: Brandmelder löst aus- Fehlalarm legt Münchner Zugverkehr lahm
Münchner Wiesn-Ersatz 2020 zieht durch die Viertel: Zwei Monate voller Gratis-Konzerte
Münchner Wiesn-Ersatz 2020 zieht durch die Viertel: Zwei Monate voller Gratis-Konzerte
München: Corona-Drohung, Hitlergruß und eine Keksrolle als Waffe - Sendlinger Streit eskaliert ins Groteske
München: Corona-Drohung, Hitlergruß und eine Keksrolle als Waffe - Sendlinger Streit eskaliert ins Groteske
Neue Mega-Staufalle in München: Autofahrer kalt erwischt - KVR zieht erste Bilanz
Neue Mega-Staufalle in München: Autofahrer kalt erwischt - KVR zieht erste Bilanz

Kommentare