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Sorge in manchen Vierteln war groß

Bleiben Münchens 18 Dorfkerne unter Denkmalschutz? Entscheidung ist gefallen

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Die Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf ist das Wahrzeichen des geschützten Ensembles in Ramersdorf. Rechts die Liste aller noch bestehenden geschützten Dorfkerne. 

Das Zittern war in manchen Vierteln groß. Nun ist die Entscheidung gefallen, ob alle 18 noch existierenden Dorfkern-Ensembles in München unter Denkmalschutz bleiben. Vor allem zwei waren Wackelkandidaten: Aubing und Ramersdorf. 

Münchens - Spätestens nach dem Aufschrei wegen des illegalen Abbruchs des denkmalgeschützten Uhrmacherhäusls in Giesing ist klar: Die Münchner interessieren sich sehr für ihre historischen Kleinode. Dazu gehören auch die alten Dorfkerne, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind.

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege überprüft in regelmäßigen Abständen den denkmalschützerischen Status der Münchner Dorfensembles. 2012 kam der Schock: Thalkirchen und Untermenzing flogen aus der Denkmalliste. Andere Ensembles wurden verkleinert, standen seitdem auf der Kippe. Um den Schutz zu behalten, dürfe sich nichts weiter verschlechtern, hieß es. Für Ramersdorf und Aubing gab es dunkelgelbe Karten samt Gnadenfrist.

Die Drohung hat offenbar Wirkung gezeigt. Alle 18 noch existierenden Münchner Dorfkernensembles sind jetzt gesichert und werden auch nicht verkleinert, teilte der Landesdenkmalrat mit. Bei der Stadt atmet man auf. Man werde sich auch nach dieser freudigen Nachricht weiterhin sensibel um alle noch vorhandenen Dorfkerne kümmern und aufpassen, dass dort keine wesentliche Bausubstanz verloren geht, verspricht Ingo Trömer, Sprecher des städtischen Planungsreferats.

Thomas Goppel, Vorsitzender des Bayerischen Landesdenkmalrats, stellt der Stadt vorerst ein versöhnliches Zeugnis aus. „Die Sensibilität für den Erhalt der Münchner Dorfkernensembles ist sowohl im öffentlichen Bewusstsein als auch in der örtlichen Politik deutlich gestiegen.“ Die Stadt habe sich sehr bemüht, historische Elemente in den Ensembles zu erhalten. „Dadurch konnten weitere Beeinträchtigungen und Verluste an historischer Bausubstanz vermieden werden.“

In Aubing ist man stolz auf diesen Erfolg. „Da stecken fünf Jahre harte Arbeit drin“, sagt Klaus Bichlmayer, Vorsitzender des Fördervereins „1000 Jahre Urkunde Aubing“. So wurde unter anderem eine Baubroschüre erstellt mit Empfehlungen für Aubinger Bauherren zum Erhalt des Ensemble-Charakters. „Eine Gestaltung ist möglich, ohne den Dorfkern zum Museum erstarren zu lassen.“ Zudem wurde ein „kommunales Denkmalschutzkonzept“ erarbeitet. Eins von bislang nur zwölf in Bayern. Mit Positiv- und Negativlisten sowie Empfehlungen an die Kommune. Inzwischen wird bei Neubauten viel mehr auf die Verträglichkeit mit dem Dorfkern geachtet. „Die Sensibilität der Stadt ist steil nach oben gegangen. Man ist auf einem guten Weg“, findet Bichlmayer. Nachholbedarf gebe es bei unpassenden Haus-Verkleidungen, Zaun- und Vorgartengestaltungen. „Wenn da alle mitziehen würden, könnte auf einen Schlag viel für die Ortsbildverschönerung getan werden.“ Derzeit untersucht die Stadt, ob Aubing Sanierungsgebiet werden soll.

Für den Ortskern von Ramersdorf hingegen gibt es zwar viele Pläne, doch „auf bahnbrechende Dinge warten wir hier noch“, sagt Wolfgang Thalmeir (CSU), Vorsitzender des Planungsausschusses im Bezirksausschuss. Trotzdem ist er froh, dass der Schutz der Dorfkerne von Ramersdorf und Perlach weiter gewährleistet ist. So könne man eine weitere Zersplitterung des Ortsbilds verhindern. Würden die Ensembles nicht geschützt, nähme „der Zug der Zerstörung“ richtig Fahrt auf, glaubt Thalmeir. „Was weg ist, hinterlässt eine Wunde, die nicht mehr zu heilen ist.“ Die Stadt macht den Ramersdorfer Bürgern Mut. Aktuell wurde der Ortskern als eigenes Sanierungsgebiet festgelegt, im kommenden Jahr soll der Stadtrat die Weichen für die Neuordnung des ehemaligen Dorfkerns stellen.

Lesen Sie hier: Nach illegalem Abriss des Giesinger Uhrmacherhäusls: Jetzt reden die Anwohner.

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Carmen Ick-Dietl

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