Neue Serie

Münchens schlimmste Verbrechen: Die kranke Welt des Stalkers

+
Roland B. vor Gericht.

Die neue Serie zeigt Münchens schlimmster Verbrecher. Heute ein Stalker der seiner Ex-Freundin jahrelang nachstellte. Obwohl die Polizei von ihm wusste, konnte sie nicht verhindern, was er plante.

München - Am Ende glich das Gesicht von Roland B. (48) nur noch einer Fratze. Seinen Schädel hatte er kahl rasiert, die Wangen waren stark eingefallen. Das Gesicht: blass und zermürbt. Monatelang hatte der frühere Architekt die Nahrungsaufnahme verweigert, weil er sich durch die Anklage unrecht behandelt fühlte.

Roland B. stalkte seine Ex-Freundin schon seit sieben Jahren

Doch das Urteil war deutlich: Das Landgericht sprach Roland B. des Mordes an seiner Ex-Freundin Tsin-Ieh L. (†45) schuldig. Sie hatte er im August 2016 mit 18 Messerstichen vor ihrer Wohnung in der Bayrischzeller Straße getötet. Ein Verbrechen mit sieben Jahren Anlauf, das der Staat nicht verhindern konnte…

Denn Roland B. hatte seine Freundin gestalked, nachdem sie ihn im Jahr 2009 verlassen hatte. „Er handelte aus Wut und Verärgerung darüber, dass sie sich getrennt hat und keine Aussprache wollte“, sagte Richter Michael Höhne, der bei Roland B. sogar die besondere Schwere der Schuld feststellte. Im Klartext: Der Mörder wird mindestens 15 Jahre lang im Gefängnis sitzen, bis die Behörden erneut entscheiden, ob er jemals wieder freikommt. Denn Roland B. beging das schwerste Verbrechen überhaupt: einen lang geplanten, heimtückischen Mord.

Trotz einstweiligen Verfügungen - Roland B. stellte ihr weiter nach

Nur kurz hatte die Architektin eine Beziehung mit Roland B. geführt, den sie danach nie mehr los wurde. Nach der Trennung begann der Stalking-Horror! B. rief sie bei der Arbeit an, klingelte nachts an ihrer Tür und verfolgte sie bis ins Büro.

Hilfesuchend wand sich Tsin-Ieh L. an die Polizei und erwirkte sogar einstweilige Verfügungen gegen Roland B. Den Kontakt brach die Architektin ab, doch B. stellte ihr weiter nach. Zwei Tage, bevor er sich am Amtsgericht wegen Stalkings verantworten musste, lauerte er seiner Ex-Freundin auf – und metzelte sie brutal nieder.

Roland B. grinste sogar vor Gericht 

Nachbarn in Obergiesing hatten ihre Schreie gehört und fanden L. in einer Blutlache vor der Tür. Nach der Tat sei Roland B. seelenruhig davongelaufen, berichteten Anwohner später im Mordprozess. Grinsend hörte der Mörder den Schilderungen zu – als sei er stolz auf seine Tat.

Selbst der Richter war tief betroffen, da es nicht möglich gewesen sei, „trotz Ausschöpfung aller rechtlicher Mittel einem Stalking-Opfer den erforderlichen Schutz zu gewähren“. Roland B. habe „mit absolutem Vernichtungswillen“ gehandelt und sich „von nichts und niemandem abbringen lassen“. Tsin Ieh L. dagegen hatte eigentlich alles richtig gemacht: sich frühzeitig an die Behörden gewandt und Hilfe geholt. Sogar im Hausflur hatte sie Zettel aufgehängt und warnte vor dem Mann, der nach ihrem Leben trachtete.

Stalker konnte erst nach Monaten festgenommen werden

Jahrelang lebte Tsin-Ieh L. in Sorge. Am Ende wurde ihre größte Angst dann wahr: Roland B. brachte sie tatsächlich um. Mit einem Messer stach er 18 Mal auf sie ein, bis sie im Hausflur verblutete. Nach dem Mord fanden Polizisten auf ihrem Schreibtisch eine Liste aller Stalking-Versuche, die sie durch Roland B. über Jahre hinweg ertragen musste. Zu spät! Roland B. setzte sich nach dem Mord nach Spanien ab. Erst Monate später konnten Ermittler ihn auf dem Jakobsweg festnehmen. 

Auch in der tz-Serie „Münchens schlimmste Verbrechen“: Ein nervöser Mann im Trechncoat, der nur seine Eltern stolz machen wollte, eine Hausfrau als Räuberin und der Teufel von Herrsching.

Andreas Thieme

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

MVG-Kracher: Kommt das Kombi-Ticket nach München?
MVG-Kracher: Kommt das Kombi-Ticket nach München?
Amateurfußball in München: Torwart (43) mit unfassbarem Ausraster - Verein mit drastischer Maßnahme
Amateurfußball in München: Torwart (43) mit unfassbarem Ausraster - Verein mit drastischer Maßnahme
Münchens neuer Christbaum steht mit Verzögerung: An den Vorgänger reicht er nicht heran
Münchens neuer Christbaum steht mit Verzögerung: An den Vorgänger reicht er nicht heran
Münchner kämpfen mit 6500 Unterschriften für Natur und gegen Bauvorhaben - „grob sittenwidrig“
Münchner kämpfen mit 6500 Unterschriften für Natur und gegen Bauvorhaben - „grob sittenwidrig“

Kommentare