Neue tz-Serie

Münchens schlimmste Verbrechen: Das Nervenbündel im Trenchcoat

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Die neue tz-Serie zeigt Münchens schlimmster Verbrecher.

Die neue tz-Serie zeigt Münchens schlimmster Verbrecher. Heute eine nervöser Mann im Trechncoat, der nur seine Eltern stolz machen wollte und eine Hausfrau als Räuberin.

München - Einige wurden nach Stunden gefasst, andere haben die Stadt jahrelang in Atem gehalten. Sie sind Mörder, Räuber, Entführer, Vergewaltiger. Ihre Verbrechen haben Menschen das Leben gekostet, Familien in Todesangst versetzt und Lebensglück zerstört. Einige Fälle kennt fast jeder, andere sind in Vergessenheit geraten. Heute geht es um einen Bankräuber, der neun Jahre lang sein Unwesen trieb – und um eine Räuberin, die im Jahr 2001 die Stadt mit einem spektakulären Raubzug in Aufruhr versetzte.

Er brüllte. Er drohte. Er rannte hin und her. Und zielte mit der Waffe auf alles und jeden. Er war das reinste Nervenbündel. Und darum so gefährlich: Geschlagene neun Jahre lang spielte der Bankräuber Friedhelm M. († 35, Name geändert) in den 90er-Jahren Katz und Maus mit der Polizei. Als man ihn nach 24 Banküberfällen und einer Beute von rund 420 000 Euro fasste, kam hinter der Maske des bösartigen Kriminellen ein trauriger Mann zum Vorschein. Was nichts daran ändert, dass dieser völlig unberechenbare Räuber Bankangestellte und Kunden mit voller Absicht in Todesangst versetzte und manchen schwere Traumata zufügte.

Münchens schlimmste Verbrechen: Das Nervenbündel im Trenchcoat

An einem Herbsttag des Jahres 1989 schaut die Kassiererin der Dorfbank in Einsbach (Landkreis Dachau) plötzlich in die Mündung einer Waffe. Der Räuber verschwindet ohne Beute, der Fall bleibt ungeklärt. Niemand ahnt zu diesem Zeitpunkt, dass das ein Testlauf und nur der Auftakt zu einer bis dato beispiellosen Bankraubserie war.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat immer mehr zu tun. Die Fallzahlen in verschiedenen Bereichen sind gestiegen. Hier gibt‘s die aktuellen Entwicklungen.

Bereits am 12. Oktober 1989 macht der damals 26-jährige Friedhelm M. ernst: In der Vereinsbank am Viktualienmarkt erbeutet der extrem nervöse Revolver-Mann 33 000 D-Mark (rund 16 500 Euro). Damals trägt er noch eine Jeansjacke. Bald wird er nur noch in einem übergroßen Mantel auftreten, der sein Erkennungsmerkmal wird: der Trenchcoat-Räuber! Immer schüchtert er das Personal mit wüsten Drohungen („Ich erschieße euch alle!“; „Nur die großen Scheine. Schneller! Schneller!“) ein. Einmal filmt die Überwachungskamera, wie ein todesmutiger Kunde plötzlich auf ihn zurennt. Er bleibt gottlob stehen, als der Räuber seinen riesigen Revolver auf ihn richtet.

Münchens schlimmste Verbrechen: Suizidgedanken? „Das würde ich nie tun“

Nie weiß man, wann er auftaucht. In manchen Jahren gar nicht, 1998 gleich sechsmal. Da weiß die Polizei, dass er unter Druck steht. Tatsächlich hat M. sich da gerade einen nagelneuen Ami-Flitzer (Corvette) bestellt. Am 19. November 1998 endet seine Glückssträhne: Nur eine Stunde nach seinem letzten Überfall in Milbertshofen wird der Industriemechaniker nach einem Hinweis festgenommen. Er gesteht sofort. Sein Motiv: Er wollte als Auto-Importeur reich werden. Für die Eltern hatte er schon eine Erfolgsstory erfunden. Sie sollten doch stolz sein auf ihren Buben.

Friedhelm M. bittet die Polizei, zuerst den Vater zu informieren. Er hat Angst, dass die geliebte Mutter diesen Schock nicht verkraften wird. Er wird gefragt, ob er Suizidgedanken habe: „Das würde ich nie tun“, sagt er. Drei Tage nach seiner Festnahme kehrt M. vor den anderen („Mich friert’s“) vom Hofgang in seine Doppelzelle in Stadelheim zurück. Kurz darauf hängt er am Fensterkreuz – tot. Zum letzten Mal hat er Polizei und Justiz ausgetrickst. 

Münchens schlimmste Verbrechen: Sechs Überfälle in 145 Minuten - Zwischendurch ging die Täterin zum Shoppen

Erst Hausfrau, dann Bankräuberin: Von ihr hat man nach ihrer Haftentlassung nichts mehr gehört.

Unter anderen Umständen wäre das wohl einen Eintrag ins Guinessbuch der Rekorde wert gewesen: In nur 145 Minuten überfiel die damals 33-jährige österreichische Hausfrau Silvia T. (Name geändert) im März 2001 sechs Münchner Bankfilialen. Dafür fuhr sie mit Taxis von Tatort zu Tatort. Beute: Knapp 75 000 ­D-Mark (rund 32 000 Euro), die sie zwischen den Überfällen beim ­Power-Shopping gleich wieder ausgab.

Im November 2000 hatte sie derartig häufig geklaut, dass sie in ­U-Haft musste, aber mit Bewährung davonkam. Vom Entlassungsgeld kaufte sie sich am Morgen des 7. März 2001 im ehemaligen Waffengeschäft am Stachus eine Gaspistole: „Ich will nämlich eine Bank ausrauben“, sagte sie. Der Verkäufer fand das lustig.

Münchens schlimmste Verbrechen: „Ich wollte bis zu einer Million gehen“

Den Angestellten der Noris-Bank in der Sonnenstraße verging um 10.23 Uhr das Lachen. Ihre Bank war die erste Station des beispiellosen Raubzugs am Altstadtring. Von Bank zu Bank füllte sich Silvias Beutetäschchen. Die Mutter zweier Söhne (damals acht und neun) war wie im Rausch. Und ihren Luxusträumen näher denn je: „Sie müssen das verstehen, ich hatte doch noch nie so viel Geld in der Hand. Ich wollte bis zu einer Million gehen“, gestand sie später vor Gericht. Ihrem Mann in Korfu, Griechenland, schrieb sie: „Habe im Lotto gewonnen, jetzt kaufen wir ein Haus.“

Zwischen ihren Raubzügen nahm sie sich die Zeit, bei einem Juwelier mal eben Schmuck im Wert von 30 000 Euro und fünf Brillengestelle beim Optiker zu kaufen. Außerdem buchte sie einen Luxusurlaub in der Dominikanischen Republik. Da kreiste schon der Polizeihubschrauber über ihr, und die ganze Innenstadt war im Ausnahmezustand. Der Traum vom runderneuerten Body entfiel: Beim Friseur wurde Silvia T. festgenommen.

Bei der Gerichtsverhandlung stellte sich heraus, dass sie mittlerweile im sechsten Monat schwanger war. Am Vorabend ihres Raubzugs hatte sie sich mit einem anderen Mann eingelassen – eine Liaison mit Folgen. Silvia T. saß eine mehrjährige Haftstrafe ab. Danach verliert sich ihre Spur. 

Vor einiger Zeit ereignete sich in Taufkirchen eine schreckliche Tat. In einem Wohnhaus im Süden von München haben Polizisten zwei Leichen entdeckt. Die Polizei ging von einem Mord aus.

Dorita Plange

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