Münchens schlimmste Verbrecher

Der Teufel von Herrsching: Er war Einbrecher, Brandstifter & Vergewaltiger

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Bizarr maskiert: Matthias M. in der Bank. Die Maske sitzt falsch herum – wie der Damenblazer mit den Schulterpolstern. Er gehörte einem Opfer.

Unsere neue Serie zeigt Münchens schlimmste Verbrecher: Der Teufel von Herrsching.

München - Zwei schwere Verbrechen überschatteten im Frühsommer 2014 das Leben der Bürger von Neuried (Landkreis München) und Herrsching am Ammersee. Das Unbegreifliche an diesem außergewöhnlichen Fall der Mordkommissionen München und Fürstenfeldbruck blieb die nie ­geklärte Frage: Wie wurde aus ­einem kleinen Einbrecher nach ­Jahren der Haft eine derart teuflische Bestie in Menschengestalt?

Einbrecher legte Feuer

  • Fall 1: Am späten Abend des 1. Mai dringt ein Einbrecher in die Wohnung einer schlafenden Frau (64) in Neuried ein. Bevor er geht, legt er an drei Stellen Feuer. So gerät die Schlafende in Lebensgefahr – ein infamer, völlig unnötiger Mordversuch. Zum Glück erwacht die Frau rechtzeitig und entkommt mit einer schweren Rauchvergiftung. In derselben Nacht hebt der Unbekannte mit der EC-Karte des Opfers 1000 Euro an Bankomaten im Würmtal ab. Die Überwachungskameras liefern groteske Fotos: Der maskierte Mann trägt einen gelben Damenblazer aus dem Schrank seines Opfers – auf links gezogen, mit abstehenden Schulterpolstern.
Die Wohnung in Neuried: Hier legte der Einbrecher Feuer.

Studentin in Herrsching brutal vergewaltigt und überfahren

  • Fall 2: Nur gut zwei Wochen später – am frühen Morgen des 19. Mai 2014 – hört ein Anwohner der Hechendorfer Straße in Herrsching ein Wimmern im Vorgarten. Er findet eine halbnackte und blutüberströmte Frau (25) mit schweren Wunden am Kopf und an den Beinen. Sie flüstert: „Ich bin vergewaltigt worden. Ich kann nichts mehr sehen.“ Dann wird sie bewusstlos. Die Studentin war in der Nacht mit der S-Bahn aus München gekommen. Matthias M. folgt ihr, schlägt sie mit einem Fausthieb vom Radl und wirft sie in den Kofferraum. Mitten im Wald hält er an, verklebt ihr die Augen und fesselt die Hände. Nach der Vergewaltigung überfährt er die am Boden liegende Frau mit voller Absicht. Dann fährt er davon. 1,3 Kilometer schleppt sich die schwer verletzte Studentin zu den ersten Häusern in Herrsching. Eine enorme Leistung. In der Siedlung herrscht jetzt Angst: „Niemand hier kann mehr ruhig schlafen, solange der nicht gefasst ist“, sagen die Anwohner.
In dieser Siedlung fand die verletzte Frau Hilfe. 

Zu diesem Zeitpunkt war Beinahe-Mörder Matthias M. (†28) – Vater eines Buben und vorbestrafter Einbrecher mit langjähriger Knast-Karriere – schon tot. Zuvor hatte er sich einem Freund anvertraut. „Ich habe im Suff einen Menschen totgefahren“, soll er gesagt haben. Der Freund riet ihm, sich zu stellen. M. wählte den anderen Weg: In Trudering warf er sich mittags wenige Stunden nach der Tat vor einen Zug. Er war sofort tot.

Spuren überführten den Teufel von Herrsching

Matthias M. bei einem früheren Prozess. 

Auf den Sitzen seines schwarzen VW Golf wiesen Spurensicherer die DNA beider Opfer nach. Die Spuren des Neurieder Einbruchsopfers wurden von dem gelben Blazer verursacht, den Matthias M. offenbar im Auto trug. Im Auto gefunden wurde auch allerhand Aufbruchswerkzeug – darunter ein kleiner Schraubenzieher. Unter dem Mikroskop zeigt sich, dass er haargenau zu den Aufbruchsspuren am Fensterrahmen des Neurieder Opfers passt.

Matthias M. war zuletzt in Herrsching gemeldet, arbeitete als Heizungsbauer und hatte eine Freundin in München. Zehn Jahre seines Lebens saß er unter anderem wegen Einbruchs im Knast. Nie zuvor jedoch war er wegen Gewalt- oder Sexualstraftaten aufgefallen. Erst ein halbes Jahr vorher war er aus der Haft entlassen worden. Und schien auf einem guten Weg zu sein. Welch schrecklicher Irrtum. 

Münchens schlimmste Verbrechen

Einige wurden schon nach Stunden gefasst, andere haben die Stadt jahrelang in Atem gehalten. Sie sind Mörder, Räuber, Entführer, Vergewaltiger. Ihre Verbrechen haben Menschen das Leben gekostet, Familien in Todesangst versetzt und Lebensglück zerstört. Einige Fälle kennt fast jeder, andere sind längst in Vergessenheit geraten. Heute geht es um Einbrecher, die ihren Opfern unverzeihliches Leid zufügten und zwei Frauen in höchste Lebensgefahr brachten, wie ein nervöser Mann im Trechncoat, der nur seine Eltern stolz machen wollte und eine Hausfrau als Räuberin.

Im niedersächsischen Göttingen hat ein Mann offenbar eine Frau auf offener Straße ermordet. Die Polizei steht vor einem Rätsel.

Dorita Plange

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