Minister Spaenle äußert sich

Konzertsaal: Regierung entscheidet über Standort

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Einer der vielen Entwürfe.

München - In den Olympiapark, aufs Gelände der Kultfabrik oder doch in den Münchner Westen? Die Debatte um den Standort des Münchner Konzertsaals dauert schon lange. Jetzt entscheidet die Regierung.

Ein Konzertsaal für klassische Musik auf einer Industriebrache neben Bahnhof, Bars, Musikclubs und Kletterhalle? Ist das nun der große Wurf, der ideale Ort für den von vielen Klassikfreunden und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR) seit Jahren herbeigesehnten neuen Münchner Musentempel? Oder doch wieder nur eine weitere Volte in einer zuweilen fast grotesken Standortdebatte?

Im bayerischen Kabinett präsentierte Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) am Dienstag seine Vorstellungen, wie es mit dem Konzertsaal weitergehen soll. Zuletzt schien es, als hätten sich Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und sein Minister auf das frühere Werksgelände der Kartoffelpüree-Firma Pfanni am Münchner Ostbahnhof festgelegt. Dort ist Pfanni-Erbe Werner Eckart mit seiner Firma OTEC KG gerade dabei, dem noch ziemlich unattraktiven Areal ein neues Gesicht zu geben. Er plant Wohnungen, Hotels und Künstlerateliers, will auch einen Teil der dort seit Jahren beheimateten Bars und Clubs erhalten sowie die beliebte Kletterhalle im früheren Kartoffelmehl-Silo.

Spaenle: Es gibt fünf mögliche Standorte

Nach Spaenles Worten sollen nun aber doch noch einmal fünf mögliche Standorte eingehend unter die Lupe genommen werden: der Apothekenhof in der Münchner Residenz, das Eissportzentrum im Olympiapark, der sogenannte Finanzgarten, die Paketposthalle und eben das Werksviertel Ostbahnhof. Bis Herbst soll die Prüfung abgeschlossen sein. Dann soll der Ministerrat eine „verbindliche Entscheidung“ fällen. Spaenle nennt erstmals einen Realisierungstermin für den neuen Saal - das Jahr 2018. Was angesichts der bisherigen Debatte ambitioniert erscheint. Aber im Herbst 2018 wird in Bayern ein neuer Landtag gewählt. Und vielleicht hofft Seehofer ja, sich mit dem Kulturbau ein Denkmal zu setzen.

Auf jeden Fall zählt das Werksgelände am Ostbahnhof zu den Standort-Favoriten. Für einen Konzertsaal wäre jedenfalls noch Platz. Die Überplanung des Areals inklusive einer Tiefgarage mit 2000 Plätzen sei weit fortgeschritten, die Realisierungschancen für einen Konzertsaal seien groß, sagt ein OTEC-Sprecher. „Das passt alles gut zu einem Konzertsaalprojekt.“

Um den Gasteig ist es still geworden

Etwas stiller war es um eine andere Lösung geworden, die Spaenle nach dem Scheitern der - von Seehofer und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) favorisierten - gemeinsamen Nutzung der Philharmonie im Gasteig-Kulturzentrum durch Münchner Philharmoniker und BR-Symphonieorchester aus dem Hut gezogen hatte. Zusammen mit Münchens Bürgermeister Josef Schmid (CSU) hatte der Minister das Areal der maroden Eissporthalle im Olympiapark gegenüber den BMW-Welt als Konzertsaalstandort angepeilt. Zunächst müsste allerdings eine neue Eissporthalle gebaut werden. Das dürfte dauern.

Ganz neu im Rennen ist die Paketposthalle. Eine Münchner Investorengruppe hatte vergangene Woche spektakuläre Pläne vorgestellt, wie die 1969 fertiggestellte Riesenhalle östlich des Hauptbahnhofs in eine „Musikstadt“ verwandelt werden könnte. Den Konzertsaal wollen die Investoren unter das gewaltige Dach der denkmalgeschützten Betonkonstruktion schieben und versprechen sich davon für die Musikstadt München eine „einmalige Chance“. Verhandlungen mit der Post, die zunächst ihr Briefzentrum verlagern müsste, seien weit fortgeschritten hieß es.

Die BR-Symphoniker hängen immer noch am zentral und prominent gelegenen Finanzgarten hinter dem Landwirtschaftsministerium an der Ludwigstraße. Gegen dieses Areal teils mit alten Bäumen hatte sich heftiger Widerstand von Seiten der Naturschützer formiert. BR-Orchestermanager Nikolaus Pont sprach sich dafür aus, den Standort „doch endlich vernünftig zu prüfen“, was jetzt wohl geschehen soll. Er ließ aber durchblicken, dass sich das Orchester auch mit den anderen Varianten anfreunden könne, wenn es denn nun endlich vorangehe. Wäre die Nachbarschaft wirklich so unpassend? Warum nicht Klassik neben Club? Die Münchner Philharmoniker haben schon mit neuen, jugendgerechteren Konzertformaten in sogenannten Off-Locations experimentiert. Mit beachtlichem Erfolg.

Von Georg Etscheit, dpa

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