Erneuter Rückruf bei BMW - Mehr als eine Million Fahrzeuge betroffen

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Immobilienmarkt kollabiert

Münchner Familie leidet im Wohn-Loch - zu dritt auf zehn Quadratmetern

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Susanne Kurz mit Tochter Zoe: Sie erinnert sich ungern an die Zeit im Mini-Zimmer

Wo soll das noch hinführen? Viele Münchner können sich die Mieten in der Landeshauptstadt nicht mehr leisten. Besserung ist keine in Sicht - im Gegenteil.

München - Was für ein blödes Gefühl: Da gibt’s ein wunderbares Angebot, und man wäre auch bereit, Geld dafür auszugeben – bloß, dass einem dann an der Ladentür das Schild „Ausverkauft“ entgegenbaumelt! Ungefähr so läuft das zurzeit auf dem Münchner Immobilienmarkt, wie die neuesten Zahlen belegen. Und das hat bitterböse Folgen für jene Leute, die einfach nur als normale Mieter hier leben möchten…

Kaum noch ein Haus oder ein Grundstück sind zu ergattern – und wenn doch, dann nur zu astronomischen Preisen. Und es wird eher noch schlimmer werden, weil die Bevölkerung weiter wächst: Im Jahr 2035 soll München schon 1,8 Millionsten Einwohner zählen – aktuell sind es 1,5 Millionen.

„Eigentumswohnungen für große Mehrheit unerschwinglich“

Thomas Specht von der Wohnungsnotfallhilfe sagt: „Es wird zwar nach wie vor gebaut – aber bei Weitem nicht genug.“ Man müsse nachrüsten, vor allem bei Kleinstwohnungen bis 45 qm. Schließlich lebt in mehr als der Hälfte aller Münchner Haushalte nur eine Person. „Die extrem große Nachfrage hat dazu geführt, dass die Mietpreise explodieren“, so Specht. „Eigentumswohnungen sind für die übergroße Mehrheit der Münchner unerschwinglich geworden“, bestätigt auch Christian Stupka von der Initiative soziales Bodenrecht. Und: „Die Frage nach bezahlbarem Wohnraum betrifft längst nicht mehr nur die Armen.“

Beim sozialen Wohnungsbau fehlt es sowieso an allen Ecken und Enden: Geschätzt 77.000 soziale Wohneinheiten fehlen. Die Folgen sind verheerend: Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist die Zahl der Wohnungslosen um 124 Prozent gestiegen. Aktuell sind über 9000 Münchner ohne festen Wohnsitz, Tendenz steigend. Wie aus dem aktuellen Armutsbericht der Stadt hervorgeht, leben momentan mehr als 269.000 Münchner in Armut. „Von diesen Menschen können sich gerade mal 3,9 Prozent überhaupt eine Wohnung leisten“, so Specht.

Mit einer Tagung am Freitag hat das Bündnis München Sozial gemeinsam mit Experten und Betroffenen auf die heftige Situation in der Landeshauptstadt aufmerksam gemacht. Wir haben mit zwei Münchnerinnen gesprochen, die ganz genau wissen, wie sich die Wohnungsnot anfühlt.

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Im Wohn-Loch: Zu dritt auf zehn Quadratmetern

Susanne Kurz hat zusammen mit ihren zwei Kindern sechs Jahre lang auf zehn Quadratmetern gelebt. Hinter einer Feuerschutztür unterm Dach. „Meine Kinder haben meine Wohnung als Loch bezeichnet“, erzählt die 43-Jährige, „ich habe sie liebevoll Büro genannt.“ Für einen Schreibtisch hatte sie allerdings keinen Platz. Eine Matratze zum Schlafen, ein paar Regale, ein Schränkchen – das war’s. Dafür verlangte der Vermieter 110 Euro, zumindest am Anfang. Nachdem die damals Alleinerziehende die x-te Mieterhöhung bekam, beschloss sie, auszuziehen. Doch ihr neues Heim, eine Zweizimmerwohnung für 180 Euro, lag in einem Abrisshaus.

Sechs Jahre lang lebte die Familie Kurz auf zehn Quadratmetern.

„Die Decke hing runter“, sagt sie, „wir hatten kein fließendes Wasser, keinen Strom.“ Zum Duschen ging die Familie ins Michaelibad. „Ich habe 10.000 Euro in die Hand genommen, um das Ding zu renovieren.“

Ihr eigenes Schicksal hat Susanne Kurz dazu bewegt, sich sozial zu engagieren. Um anderen zu helfen, kandidiert die Grünen-Politikerin für den Landtag.

Sie kann sich die Stadt nicht leisten

Jo-Anne Degen macht sich Sorgen. Davor, in ein paar Monaten auf der Straße zu stehen. Sobald die Münchnerin 21 Jahre alt ist, muss sie ihre alte Wohnung räumen. Denn: Das Angebot der therapeutischen Jugendwohnhilfe, das die 20-Jährige seit ihrem siebten Lebensjahr in Anspruch nimmt, endet mit 21 – so will es das Gesetz. Doch Jo-Anne will bleiben.

Langfristig in München zu bleiben, kommt für Jo-Anne Degen nicht in Frage.

„Die Jugendwohnhilfe ist meine Gemeinschaft“, sagt sie, „so etwas wie ein Familien­ersatz.“ Nachdem das Jugendamt beschlossen hatte, die damals Siebenjährige von ihren Eltern zu trennen, kam Jo-Anne in die Einrichtung, in der sie sich mit neun Jungendlichen ein Bad und und unzählige Erinnerungen teilt. „Die Vorstellung, das alles plötzlich aufgeben zu müssen, macht mich traurig.“

Langfristig in München zu bleiben, kommt für die 20-Jährige nicht in Frage. Gerade sucht sie einen Ausbildungsplatz im Bereich Grafik. Schon jetzt weiß sie: „Ich werde mir München nicht leisten können…“

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