Landtag wird zur Großbaustelle

Abstieg in die Unterwelt: Mit Ilse Aigner in den Grundfesten des Maximilianeums

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In den Katakomben des Landtags: Ilse Aigner geht gebückt in die hinterste Kaverne. Hier zweigt ein Geheimgang ab.

Das Maximilianeum wurde schon mit der Akropolis verglichen. Was kaum jemand weiß: Der Prachtbau, in dem der Bayerische Landtag beheimatet ist, hat eine faszinierende Unterwelt. Und die wird nun für 65 Millionen Euro saniert und ausgebaut.

Ilse Aigners Abstieg in die Katakomben beginnt hinter einer dicken Eisentüre in Kellergeschoss U2. Die Landtagspräsidentin (CSU) hat sich auf einen Rundgang durch die Geheimgänge tief unter dem Maximilianeum begeben, bevor Bayerns Machtzentrale aufwendig saniert wird. Die tz hat sie in die Unterwelt des Parlaments begleiten dürfen.

Tief unter dem Landtag tut sich eine Kellerwelt auf. Man würde sie nicht vermuten unter diesem Prachtbau. Das Maximilianeum ist nach 1857 auf schier endlos vielen Kavernen gebaut worden. Viele sind verschüttet, manche noch zugänglich durch ein Netz an Gängen. „Da vorne ist der Kerker“, ruft Aigner fröhlich und bückt sich unter einem Durchschlupf in der meterdicken Ziegelwand hindurch.

Im allerletzten Raum klafft ein dunkles Loch in der Wand: ein Fluchttunnel. Die Röhre führt 500 Meter unterirdisch vom Landtagsbau parallel zur Isar südlich zum Müllerschen Volksbad. Ein Geheimgang! „Das glaubt man gar nicht, was hier unten alles ist“, sagt Aigner, ihre Worte hallen. „Beim ersten Besuch dachte ich mir: Hier finde ich nie wieder raus.“

Bayerischer Landtag: 2020 wird das Maximilianeum zur Großbaustelle

Der Landtag wird in den nächsten Jahren zur Großbaustelle: Für mindestens 65 Millionen Euro wird jetzt der Keller erneuert und ausgebaut, eine unterirdische Großbaustelle auf 5660 Quadratmetern. Rund sieben Jahre lang wird hier geschaufelt und gebohrt. Ziel: Die Haustechnik des Parlaments, bis zu 50 Jahre alt, wird effizienter und energiesparender. Und eines begleitet das Maximilianeum seit Jahrzehnten: Platznot.

Das Maximilianeum mit Blick auf die prachtvolle Westfassade (oben)

25 Millionen Euro: Ludwigsbrücke vor der Sanierung

Aigner läuft weiter, ihr ist etwas eingefallen – und es könnte kaum weiter weg sein: die Dachluke. Also raus aus dem Untergrund, ein paar Meter über die roten Teppiche des Landtags, rein in den Lift, so weit wie möglich nach oben, und als der Lift endet, noch ein paar Stiegen rauf. Auch hier ein Gewirr an Wegen – und plötzlich zu unseren Füßen eine Landschaft aus Glas: die Zwischendecke des Plenarsaals! Doch die Hausherrin will noch höher hinaus: eine Holzstiege noch, neun Stufen, dann durch eine Luke: und plötzlich Wind, Weite und eine riesige flatternde Fahne – Aigner steht auf dem Dach des Maximilianeums, direkt neben der Bayernfahne. Eben noch schlich sie durch den Kerker, nun hat sie München zu ihren Füßen. „Was für ein tolles Gebäude!“

Lesen Sie auch: „Dene geht‘s nass eine“ ist eine Redensart, die in Bayern die meisten kennen. Das gilt auch für den Landtag, dessen Dach nicht ganz dicht ist.

Christian Deutschländer

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