Technische Schwierigkeiten

Peinliche Panne bei Münchner Musikschule: Behörde zieht seit 2016 keine Gebühren ein

Seit zwei Jahren bereits verschickt das Referat keine Gebührenbescheide für die Musikschule. Eltern wundern sich, für die Stadt hat sich durch die Panne ein heftiger Einnahmenverlust angestaut.

München - Wenn die Musi gratis ist, freut das die Eltern  - nicht aber den Kämmerer. Um die Städtische Sing- und Musikschule gibt es Ärger: Seit zwei Jahren versäumt es das Referat für Bildung und Sport, die Schulgebühren einzuziehen. Das ergaben tz-Recherchen. Die heftigen Verluste für die Stadt: bereits 3,8 Millionen Euro. 

„Prima, wenn meine Tochter die Musikschule gratis bekommt“, sagt Judit Bäcker (Name geändert) ironisch. „Warum kriegt die Stadt das nicht auf die Reihe?“ Seit dem Schuljahr 2016/17 verschickt das Referat keine Gebührenbescheide. Betroffen sind rund 6800 Eltern, wie Referatssprecher Ulrich Lobinger mitteilt. Rund 11 400 Schüler besuchen die Sing- und Musikschule, deren Angebote sich auf 132 Standorte, zumeist Grundschulen, im Stadtgebiet verteilen. Zwei Jahre dauert die Grundstufe, danach erhalten Kinder Instrumental- und Gesangsunterricht. 

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Technische Schwierigkeiten Grund für peinliche Panne bei Münchner Musikschule

Die Kosten für die Eltern sind - verglichen mit dem freien Markt - moderat: In der Grundstufe zahlen sie bei einer Wochenstunde 156 Euro jährlich, beim Instrumental- und Gesangsunterricht zwischen 180 und 600 Euro. Die Stadt bezuschusst die Musikschule mit rund fünf Millionen Euro im Jahr - damit sind rund 27 Prozent der Kosten gedeckt. Grund für die Probleme: Im April 2016 wurde in der Fachabteilung des Referats ein neues IT-System eingeführt. Dieses sollte es ermöglichen, von Jahres- auf Monatsbescheide zu wechseln, was sich laut Lobinger viele Eltern gewünscht hatten. 

Zudem sollte es Fehler vermeiden: Zuvor war einem Stadtratsbeschluss zufolge jede sechste Rechnung fehlerhaft! Doch wegen technischer Schwierigkeiten bei der Umstellung konnten seither keine Bescheide verschickt werden. Kämmerer Ernst Wolowicz (SPD) ist nicht erfreut: Stadtschulrätin Beatrix Zurek habe die „Pflicht“, die Gebühren einzuziehen, sagt er. Seit Februar 2017 habe er seiner Kollegin drei Briefe mit der Aufforderung geschickt, sich zu kümmern. Bis heute würden keine Bescheide versandt.

Die Eltern wurden informiert, sind aber verunsichert. Ein Bekannter Judit Bäckers hat ein Konto eröffnet, auf dem er seit Jahren die Gebühren deponiert - für den Fall, dass die Stadt alles auf einmal einfordern sollte. Das wird Lobinger zufolge nicht passieren. Die Probleme seien nun behoben, sagte er. Ab sofort würden die Bescheide für 2016/17 verschickt, für 2017/18 im Frühjahr und für das laufende Schuljahr im Sommer 2019. 

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Rubriklistenbild: © dpa / Frank Leonhardt (Symbolbild)

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