Entlastung für U3/U6

MVG: Kommt die U-Bahnlinie 9?

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Für diese Strecke ist die U9-Spange geplant.

München - Entlastung in der Innenstadt soll eine neue U-Bahnstrecke bringen. Die MVG hat nun die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zur sogenannten U9-Spange vorgestellt.

Die U9-Spange ist baulich möglich - das ist das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, deren Ergebnisse die MVG am Dienstag veröffentlicht hat. Die neue U-Bahn-Strecke hätte "erhebliche positive Auswirkungen" auf den Münchner-Innenstadtverkehr, heißt es in dem Bericht, der von MVG und den Stadtwerken in Auftrag gegeben wurde.  

Die neue Strecke ist zwischen Implerstraße, Hauptbahnhof und Münchner Freiheit geplant. In der Machbarkeitsstudie wurden besonders die Bodenverhältnisse in diesen Bereichen angeschaut. Es gebe im bestehenden Untergrundnetz "ausreichend Platz und Trassierungsmöglichkeiten", so das Gutachten. Auch die zusätzlich erforderlichen Bahnhöfe könnten laut dem Gutachten gebaut werden.

Linie soll an Giselastraße in Bestandsnetz münden

Zu der U9-Spange gibt es eine längere Geschichte: Im Jahr 2008 hatte der Stadtrat die MVG mit ersten Planungen beauftragt. SPD-Bürgermeisterkandidat Dieter Reiter und seine Partei machen sich aktuell für die Pläne stark. CSU-Bürgermeisterkandidat Josef Schmid dagegen ist von der neuen Linie nicht überzeugt. Er favorisiert den Ausbau bestehender Linien am Stadtrand.

Reiter ist begeistert vom Projekt. Er ließ am Dienstag wissen: „Was die MVG heute vorgestellt hat, zeigt eine für mich überzeugende Entwicklungsperspektive für die Münchner U-Bahn auf.“ Skeptischer klang Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher: „Die Frage ist, ob wir nicht lieber Geld in den tangentialen Ausbau der Tram stecken.“ Verhalten auch das Echo bei CSU-Stadtrat Georg Kronawitter: „Der zusätzliche Erschließungseffekt der U9 ist nicht sehr hoch.“ Für die Freien Wähler begrüßte Landtagsabgeordneter Michael Piazolo zwar das Projekt, aber: „Unabhängig davon fordern wir die Verlängerung der U5 nach Pasing.“

"Implerstraße – Theresienwiese – Hauptbahnhof – Pinakotheken – Giselastraße (– Münchner Freiheit)" - das ist die Streckenführung der Spange, die in dem Gutachten favorisiert wird. Anders als in ersten Überlegungen der MVG, könnte sie schon an der Giselastraße in das Bestandsnetz münden - und nicht erst an der Münchner Freiheit.

Wiesn-Verkehr soll entlastet werden

An der Giselastraße lasse sich Spange besser mit den bestehenden Linien der U3 und U6 verknüpfen, wird in dem Bericht argumentiert. An der Theresienwiese könnte die neue U-Bahnstrecke mit einer zusätzlichen Station unterhalb des Bavariaparks verlaufen. Oder der bestehende Bahnhof viergleisig ausgebaut werden. Erreicht werden soll in beiden Fällen, dass der Oktoberfest-Verkehr entzerrt wird.

Ein neuer U-Bahnhof würde bei der U9 im Bereich der Pinakotheken entstehen. Besucher könnten dann direkt mit der U-Bahn zu den Museen fahren.

Am Hauptbahnhof würde für die neue Strecke ein zusätzlicher U-Bahnhof gebaut werden. Nach Planungen der MVG könnte er unterhalb des Gleisfeldes des Hauptbahnhofes liegen. Und dann direkt mit den Fernbahnsteigen und den Flügelbahnhofen verbunden werden.

So könnte das U-Bahnliniennetz mit einer neuen U-Bahnlinie 9 aussehen (zum Vergrößern bitte hier klicken).

Durch die neue U-Bahn-Strecke könnte die bestehende Streckenführung verändert werden. Die neue U-Bahnlinie 9, die die neue Strecke befahren würde, könnte dann als Stammlinie die komplette Strecke Garching-Forschungs-zentrum – Fröttmaning – Hauptbahnhof – Implerstraße – Klinikum Großhadern – Martinsried übernehmen. Das Neue: Durch die U9 wären dann die Allianz Arena und die Standorte der TU direkt mit dem Hauptbahnhof verbunden.

Laut einer Berechnung des Gutachtens würden Fahrgäste vom Hauptbahnhof bis Fröttmanning dann 16 statt aktuell 21 Minuten brauchen. Die Strecke vom Hauptbahnhof bis zur Implerstraße wäre in drei statt aktuell in neun Minuten Fahrzeit möglich. Die U6 würde dann erst ab Fröttmanning fahren und dann vor allem den Stammast über den Marienplatz und das Sendlinger Tor bedienen.

Baukosten und Wirschaftlichkeit noch nicht berechnet

In einem weiteren Bauschritt könnte dann laut dem Gutachten über eine Verknüpfung der U9-Spange mit der U2 nördlich des Hauptbahnhofs nachgedacht werden.

Trotz vieler Pläne ist das Projekt aber noch keinesfalls in trockenen Tüchern: Weder hat die MVG bislang die Baukosten veröffentlicht noch wurde die Wirtschaftlichkeit der neuen U-Bahn-Strecke berechnet. "Wir haben zunächst mal die bauliche Machbarkeit untersucht - sonst bräuchte man ja gar nicht weiterzuplanen", verteidigte MVG-Sprecher Matthias Korte die Vorgehensweise. Frühestens in 13 Jahren könnte die neue U-Bahn rollen, sagt MVG-Chef Herbert König.

Nicht alle Münchner sind begeistert von den Plänen. Andreas Nagel von der Aktion Münchner Fahrgäste warnt vor den Planungen zu einer neuen U-Bahnlinie. "Es ist in unseren Augen besser angelegtes Geld, einen 80 Sekunden-Takt anzustreben, als eine zusätzliche Strecke zu planen", sagte er zu unserem Online-Portal.

Es müsse auch an die Instandhaltung bestehender Strecken gedacht werden. Nagel gibt außerdem zu bedenken, dass auch Stadt und Bund bei dem Projekt mitspielen müssen. Sie müssten die Strecke größtenteils finanzieren. "Wir wollen einfach nicht, dass das Gleiche passiert wie mit der zweiten Stammstrecke" - dort sei ewig geplant worden und dann doch nichts passiert.

wei / we

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