Rekordjahr für Nahverkehr

Züge oft komplett überfüllt: MVG-Chef mit schonungsloser Analyse - „Viel mehr geht dann nicht“

2019 wird erneut ein Rekordjahr für den öffentlichen Nahverkehr – auch in München. Doch mittlerweile sind die Fahrzeuge zeitweise so voll, dass nichts mehr geht.

  • In München gelangen die öffentlichen Verkehrsmittel an ihre Grenzen.
  • Das Wachstum ging zwar leicht zurück, trotzdem bilanzierte die MVG erneut ein Rekordjahr.
  • Die Verkehrsbetriebe bauen in großem Stil ihre Flotte aus.

München - Die U-Bahn ist zu voll zum Einsteigen, auch in Bus und Tram quetschen sich die Fahrgäste. Der Kundenandrang bringt den öffentlichen Nahverkehr bundesweit an die Belastungsgrenze. Im 22. Rekordjahr in Folge sind die Fahrgastzahlen 2019 aber kaum noch gestiegen. Hochgerechnet werden die Deutschen etwa 10,41 Milliarden Fahrten in Bussen und Bahnen gemacht haben, wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. Das entspräche einem Anstieg von 0,3 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.

„Das ist ein positives Ergebnis, allerdings mit Einschränkungen“, erklärte Verbandspräsident Ingo Wortmann, der auch Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist. „Aufgrund zunehmender Kapazitätsengpässe und umfangreicher Baumaßnahmen stoßen wir gerade in Hauptverkehrszeiten in den Ballungsräumen und Großstädten zunehmend an Grenzen. Viel mehr geht dann nicht, die Fahrzeuge sind voll.“

München: Über 600 Millionen Fahrgäste im Jahr 2019

Für den Bereich der Münchner Verkehrsbetriebe liegen aktuell noch keine finalen Zahlen vor. Allerdings ist auch das Wachstum in der Landeshauptstadt nicht mehr so groß wie in den Jahren zuvor. Die Fahrgastzahlen 2018 stiegen im Vergleich zu 2017 um zwei Prozent auf596 Millionen Fahrgäste (2017: 585 Millionen). 2019 rechnet die MVG ebenfalls wieder mit einem Rekordjahr. „Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt von einer Steigerung von über einem Prozent aus, sodass wir erstmals über der Marke von 600 Millionen Fahrgästen liegen werden“, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte.

Um das Angebot weiter ausbauen zu können, läuft bei der MVG eine der größten Fahrzeugbeschaffungsaktionen der letzten Jahrzehnte: „Bei der U-Bahn erhalten wir bis 2022 24 weitere neue C2-Züge mit knapp zehn Prozent mehr Platz.“ Drei davon sind bereits in München. Die Züge sollen neben der U3/U6 im nächsten Jahr erstmals auch auf der U2 eingesetzt werden. Mit den neuen Zügen sind auch weitere Taktverdichtungen geplant. „Ferner werden wir die Infrastruktur modernisieren und erweitern.“

Bei der Tram sind 73 neue Züge bestellt, die ab 2021 ausgeliefert werden und ebenfalls mehr Platz für die Fahrgäste haben sollen. Im Vergleich zu den zu ersetzenden Altfahrzeugen (Typ R2) ergebe sich durch die größere Zuglänge eine Kapazitätssteigerung um rund ein Drittel. Außerdem führe die im Vergleich zu den Altfahrzeugen verdoppelte Türanzahl zu kürzeren Aufenthaltszeiten an den Haltestellen, was zur Verbesserung der Pünktlichkeit beitragen soll. Neben dem Einsatz dieser größeren Fahrzeuge – darunter auch die Züge auf der Linie 20, die zusammengekoppelt werden können – sind auch Taktverdichtungen geplant.

Rückenwind aus der Politik für den Ausbau in großem Stil

„Beim Bus stellen wir weitere Linien auf größere Fahrzeuge um und verkürzen ebenfalls die Intervalle. Neue Linien, besonders auch Expresslinien, attraktive Linienverlängerungen zur Herstellung von Tangenten machen das Busnetz noch besser“, sagt Korte.

MVG-Chef Wortmann sagte unserer Zeitung: „Wir arbeiten auf allen Ebenen daran, neue Kapazitäten und Angebote zu schaffen, und freuen uns über den Rückenwind aus der Politik. Wichtig ist jetzt, das Geld an der richtigen Stelle einzusetzen, um das Pferd nicht von hinten aufzuzäumen.“ Das bedeute, zunächst mehr Platz zu schaffen, das Netz zukunftsfähig zu machen und dann erst gegebenenfalls über weitere Tarifabsenkungen nachzudenken. „Es geht nur in dieser Reihenfolge. Andersrum ließe sich die zu erwartende Mehrnachfrage nicht bewältigen.“

Sascha Karowski

Die Gemeinde Ismaning will den ÖPNV noch attraktiver machen. Sie erstattet Bürgern für ihre Wochen- und Monatskarte die Differenz zum M-Zonen-Ticket.

Seit dem 15. Dezember gelten für München und Umgebung neue Tarife. Einfacher und günstiger sollte das neue M-Ticket alles machen. Stattdessen: Lange Warteschlangen im Servicecenter.

An der U-Bahn-Haltestelle Dietlindenstraße in München kam es kürzlich zu einem Messerangriff. Die Polizei war mit einem Großaufgebot an Einsatzkräften vor Ort. 

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