Heimliche Erhöhungen

MVV-Reform hat für eine Gruppe verheerende Auswirkungen: „Frage mich, wie man so etwas beschließen kann“ 

Die MVV-Tarifreform hat viele Gewinner – aber auch einige Verlierer. Erst nach und nach kommen gewisse Fallstricke der Umstellung ans Tageslicht.

  • Der MVV hat seine Tarife grundlegend reformiert.
  • Für die meisten soll es billiger werden, die Öffentlichen zu nutzen.
  • Bei einer detaillierten Analyse kommt aber heraus, dass sich manches verteuert.

MVV-Tarifreform: IsarCard S wird teurer

München - Sind die Bezieher von Sozialhilfe und Hartz IV „die großen Verlierer bei der MVV-Tarifumstellung“? Dies vermutet Leser Michael K. aus Höhenkirchen (Kreis München), der in seinem Bekanntenkreis einen Sozialhilfe-Berechtigten hat. Für seinen Landkreis hat K. tatsächlich recht, wie der MVV bestätigt. Bisher kostete ein Sozialticket für Fahrgäste mit dem sogenannten Landkreispass 29,20 Euro für das Gesamtnetz. Die neue IsarCard S indes kostet für den gesamten MVV-Raum M+6 (M-Zone und die sechs Zonen drum herum) 53 Euro. Der MVV lässt sich dabei von der Annahme leiten, dass nur wenige Fahrgäste den gesamten MVV-Raum benötigen. „Jeder Kunde kann auswählen, in welchem Geltungsbereich er fahren will.“ Die meisten würden wohl abgestufte Karten kaufen, also beispielsweise dieIsarCard S M+3 für 42,50 Euro – was allerdings für die Bürger im Landkreis München auch noch 13,30 Euro mehr sind als bisher. Unser Leser K. lässt den Einwand ohnehin nicht gelten. Badeausflüge an den Ammersee oder Starnberger See seien so nicht mehr drin.

Auch die IsarCard S für die Münchner wird zumindest nicht billiger, zum Teil sogar teurer. Bisher kostete das Sozialticket für den Innenraum 30 Euro. Die IsarCard S für die neue M-Zone kostet ebenfalls 30 Euro – während es für viele Pendler billiger wird, ändert sich für sozial benachteiligte Personen also nichts. Münchner mit Berechtigung für die IsarCard S (Gesamtnetz) zahlen künftig sogar etwas mehr: 53 Euro statt bisher 50,90 Euro. „Ich frage mich, wie Verantwortliche aus Stadt, Landkreis und MVV so etwas beschließen können“, sagt K.

Profiteure bei der IsarCard S gibt es allerdings auch – nämlich Sozialhilfebezieher in jeden MVV-Gebieten, die bisher kein Sozialticket hatten – und das waren außer Stadt und Landkreis München alle anderen sieben MVV-Landkreise. Dort kann nun ebenfalls ein Landkreis-Pass und damit dann eine IsarCard S beantragt werden. „Aus unserer Sicht kann man deshalb diese Kunden nicht als Verlierer, sondern vielmehr als Gewinner der Reform betrachten“, erklärt der MVV. Bisher wurden in Stadt und Landkreis gut 20 000 Sozialtickets pro Monat verkauft. Ob diese Zahl künftig steigt, wird wohl erst die angekündigte Analyse der MVV-Reform erweisen.

Probleme mit der U21-Streifenkarte

Fragen wirft auch die neue U21 Streifenkarte auf. Der Verband „Aktion Münchner Fahrgäste“ moniert, dass dieses Ticket für Jugendliche von 15 bis 20 Jahren der herkömmlichen Streifenkarte zum Verwechseln ähnlich sieht. Nur der Aufdruck ist anders. Grund: Für Streifenkarten in unterschiedlichen Farben ist in den heutigen Automaten kein Platz – die Karten kommen von ein- und derselben Rolle. Das ist nicht das einzige Problem: Die Streifenkarte rechnet sich auch nicht in jedem Fall – mal ist sie im Vergleich zur herkömmlichen Fahrkarte billiger, mal teurer.

Beispiel S4-Strecke im Westen: Von Eichenau in die Innenstadt (M+1) lohnt sie sich (drei Jugendstreifen für 2,31 Euro statt wie bisher zwei Erwachsenenstreifen für 2,80), von der Buchenau aus indes nicht (3,08 Euro statt 2,80), Von Schöngeising rentiert es sich (3,85/4,00), von Türkenfeld aus wiederum nicht (4,62/4,20 Euro). Wichtig ist daher der Hinweis des MVV, dass Jugendliche „natürlich“ wie bisher immer mit der Erwachsenen-Karte fahren können.

Es ging fast unter: Preis für Bayernticket erhöht

Was bei der MVV-Reform fast unter ging:_ Die Bahn hat einige Ticketpreise zum Fahrplanwechsel am vergangenen Sonntag erhöht. So kostet das Bayernticket nun einen Euro mehr im Basispreis (26 statt 25 Euro) und noch einmal einen Euro mehr je Reisenden. Der Preis des Werdenfels-Tickets steigt ebenso.

Dirk Walter

Die Gemeinde Ismaning will den ÖPNV noch attraktiver machen. Sie erstattet Bürgern für ihre Wochen- und Monatskarte die Differenz zum M-Zonen-Ticket.

Mit der MVV-Reform gab es einige Neuerungen für Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel. Doch beim bargeldlosen Zahlsystem ist es zu einem Fauxpas gekommen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Sven Hoppe

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