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Aicher Ambulanz will übernehmen

Nach 130 Jahren: Rotem Kreuz droht das Oktoberfest-Aus

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Helfer der Sanitätsstation auf der Wiesn kümmern sich um eine Alkoholleiche. Ob diese Helfer zukünftig weiterhin vom Bayerischen Roten Kreuz kommen, ist fraglich.

Seit mehr als einem Jahrhundert kümmert sich das Bayerische Rote Kreuz um Kranke, Verletzte und Betrunkene auf dem Oktoberfest. Doch nun droht die Ablösung.

Update 14.01 Uhr

Fünf Monate vor dem Beginn des Münchner Oktoberfestes hat die Stadt am Dienstag die Zulassungen für Wirte, Marktkaufleute und Schausteller vergeben. Zumindest bei den großen Bierzelten ändert sich nichts, wie es nach der Entscheidung hieß. Kleinere Neuerungen werden voraussichtlich erst im Juli bekanntgegeben. Das Vergabeverfahren für den Sanitätsdienst auf der Wiesn läuft derweil weiter.

Ende einer Tradition?

Er kann auf eine lange Tradition zurückblicken: Seit 1885 versorgt der Kreisverband München des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) die Besucher auf dem Oktoberfest. Doch mit eben dieser Tradition gleich hinter der Festhalle Schottenhamel könnte heuer Schluss sein. Denn der Wiesn-Sanitätsdienst ist für 2018 bis 2021 europaweit ausgeschrieben – und ein Konkurrent hat laut Insidern sehr gute Chancen auf den Zuschlag.

Dabei handelt es sich um den kommerziellen Anbieter Aicher Ambulanz aus München. Dieser hatte sich laut eigener Aussage bereits für die Zeit 2011 bis 2013 – ausgeschrieben wird immer für vier Jahre – für den Sanitätsdienst beworben. 2011 hatte Brüssel von München gefordert, zukünftig europaweit auszuschreiben. Zwei Mal erhielt das Rote Kreuz in der Folge den Zuschlag.

Nun aber zeigt sich das BRK, Körperschaft des öffentlichen Rechts, alarmiert. Er warne dringend davor, bei der Vergabe vor allem auf den Preis des Angebots zu schauen, sagt Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. „Sollte das BRK gegen einen privaten Anbieter verlieren, ist das ein Schlag ins Gesicht für 180.000 Ehrenamtliche und ein Signal, dass unsere Arbeit der letzten Jahren nicht wertgeschätzt wird.“ Der Hintergrund: Private Anbieter können oftmals günstiger sein, da sie etwa weniger komplexe Strukturen und jüngere, günstigere Mitarbeiter haben. Er frage sich, was wohl passiere, wenn nach einer Woche Wiesn das Personal auf der Sanitätsstation ausgehe, so Stärk. „Werden dann wir gerufen?“ Die Aicher Ambulanz könne sich nicht darauf verlassen, dass die BRK-Ehrenamtlichen auch bei ihnen arbeiteten.

Tauglich für die Wiesn? Über den Erfahrungsschatz der Aicher Ambulanz

Sprecherin Ulrike Krivec von der Aicher Ambulanz schließt Personalprobleme dagegen aus. „Seit Bekanntwerden unserer Teilnahme an der Ausschreibung erhalten wir über unsere Homepage eine hohe Anzahl an Initiativbewerbungen, welche sich konkret auf den Einsatz im Bereich Sanitätsdienst auf der Wiesn beziehen.“ Das Unternehmen habe außerdem Erfahrungen in Sachen Großveranstaltungen: etwa als langjähriger Partner der Messe oder bei Rock im Park in Nürnberg. Gegenüber dem Mitbewerber hebe sie die geplante Vergütung der Mitarbeiter des Sanitätsdienstes ab. „Festangestellte wie auch ehrenamtliche Helfer erhalten eine entsprechende Vergütung für ihren tatkräftigen Einsatz.“ Laut Leonhard Stärk vom Roten Kreuz arbeiten die Ehrenamtlichen auf der Wiesn bisher tatsächlich komplett ohne Bezahlung, lediglich die Notärzte würden vergütet.

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In der langen Zeit auf dem Oktoberfest hatte es viel Lob für das Rote Kreuz gegeben. Aber auch Kritik: Etwa als 2009 bekannt wurde, dass Patienten der Wiesn-Sanitätsstation 2004 ohne ihr Wissen mit abgenommenem Blut an einer wissenschaftlichen Studie teilgenommen hatten. Mehrere BRK-Mitarbeiter mussten nach Bekanntwerden des Skandals gehen. Ein Jahr später räumten die Retter der Wiesn-Sanitätsstation zusätzlich Hygienemängel ein. Im Jahr 2011 wurde die Station dann erstmals ausgeschrieben, zunächst kam immer das Rote Kreuz zum Zug.

Aktuell befindet sich die Vergabe laut Stadt in der Endphase. Der Wirtschaftsausschuss hatte im Herbst vergangenen Jahres beschlossen, die Vergabestelle der Stadt zu ermächtigen, die Ausschreibung durchzuführen und auch den Zuschlag an einen Sanitätsdienst zu vergeben. Dieser müsse laut Vergaberecht an den gehen, der „zur Leistungserbringung geeignet ist und das wirtschaftlichste Angebot abgegeben hat“, heißt es von der Stadt.

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Video: Nach der Wiesn ist vor der Wiesn

Rund 6,2 Millionen Menschen sind vergangenes Jahr auf das Münchner Oktoberfest gekommen, deutlich mehr als im Vorjahr. Insgesamt 7,5 Millionen Mass Bier tranken die Gäste aus aller Welt. Festleiter Josef Schmid sprach von einer “Wiesn zum Genießen” – wegen der erhöhten Sicherheit gab es auch mehr Platz für die Besucher. Die Vorbereitungen für das nächste Oktoberfest sind am Laufen: Nach der Wiesn ist vor der Wiesn.


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