Münchner beantwortet spannende Alltagsfragen

Ist es nach Schneefall wirklich stiller als sonst?

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Ja, nach Schneefall ist es wirklich stiller!

München - Was Sie schon immer geahnt haben, aber nie belegen konnten: Hubert Filser macht Schluss mit Stammtischweisheiten und belegt knallhart, warum etwa der Schulunterricht viel zu früh beginnt oder warum Staubwischen mehr Staub produziert.

AHA! Hubert Filsers großes Buch der Alltagsfragen.

Angepisst? Nicht immer ein Grund, um verärgert zu sein. Zumindest, wenn Sie ein weibliches Stachelschwein sind. Denn: "Männliche Stachelschweine signalisieren den Weibchen sehr deutlich, dass sie bereit zur Paarung sind. Mit einem kräftigen Strahl Urin machen sie ihre zukünftige Partnerin von oben bis unten nass." Diese und weitere Geheimnisse klärt und erklärt der Münchner Wissenschaftsjournalist Hubert Filser in seinem neuesten Werk "AHA! Hubert Filsers großes Buch der Alltagsfragen." Sortiert nach den vier Jahreszeiten gibt es also je nach Saison stets einen Anlass in dem Werk nachzuschlagen. Aus dem Herbst etwa:

WAS WIEGEN WOLKEN?

"Die so flauschig wirkenden Wolken sind tatsächlich tonnenschwer. Meteorologen schätzen das Gewicht aufgrund von Größe und durchschnittlich enthaltener Wassermenge. Schönwetterwolken (Cumulus) haben meist klare Grenzen, deshalb lässt sich ihr Gewicht gut bestimmen. Kleine Cumuluswolken sind etwa so groß wie ein Fußballfeld und bis zu einem Kilometer hoch, mittlere sind bereits rund einen Kubikkilometer groß. Solche Wolken enthalten etwa ein Gramm Wasser pro Kubikmeter, damit kommt man auf ein Gesamtgewicht von 1000 Tonnen, das ist so viel wie 200 ausgewachsene Elefantenbullen oder 750 VW Golf." Gerade letzter Vergleich punktet am Stammtisch sicherlich ganz hervorragend, in der Schule sind eventuell die Elefanten deutlicher. 

WAS IST EIGENTLICH STAUB?

Nicht nur, dass Filser dem Staub auf die Spur kommt, er liefert auch handfeste Argumente, weniger Staub zu wischen: "Staub ist eine bunte Mischung aus organischen und anorganischen Stoffen, die zudem noch den Lebensraum für winzige Staubbewohner bilden. Milben, Läuse, Schimmelpilze, Algen, Bakterien und Viren sowie deren Ausscheidungen und Ausdünstungen sind ebenfalls Bestandteile unseres Hausstaubs. Von diesem Staub sinken täglich 6,2 Milligramm pro Quadratmeter in einen durchschnittlichen Wohnraum herab. Etwas weniger als die Hälfte dieses Staubes entsteht normalerweise innerhalb unserer vier Wände. Winzige Faserteilchen lösen sich durch Abrieb von unserer Kleidung und anderen Wohntextilien und verteilen sich in der ganzen Wohnung. Jede unserer Bewegungen verursacht Staub. Staubwischen und Putzen produzieren paradoxerweise durch das Aufwirbeln, Abreiben und das viele Herumhantieren mehr Staub als sie beseitigen."

WARUM KNIRSCHT SCHNEE UNTER DEM SCHUH?

Tipp Vorab: Eine Schneeflocke unter dem Mikroskop hilft dieses Thema auch Kindern gut zu verdeutlichen: "Wenn wir auf den frisch gefallenen Schnee treten, drücken wir ihn zusammen. Mikroskopisch betrachtet, sind Schneeflocken reine Eiskristalle, je nach Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit haben sie eine spezielle Form. Das Knirschen entsteht dadurch, dass die Eiskristalle aneinander reiben. Ist der Untergrund sehr kalt, also jenseits von minus zehn Grad, bestehen die Kristalle meist aus sechsstrahligen, symmetrischen Sternen, von denen weitere kleinere Verästelungen abzweigen. Bei locker gefallenem Schnee sind sie meist ineinander verhakt. Treten wir darauf, brechen die Kristallästchen ab. Weil also millionenfach Kristalle zerspringen und die Bruchstücke aneinander reiben, hören wir ein feines, gedämpftes Knirschen."

Und da wir gerade so winterlich unterwegs sind, noch eine Frage zu Schnee:

WARUM IST ES NACH DEM SCHNEEFALL SO STILL?

Filser: "Frisch gefallene Schneeflocken liegen meistens relativ locker übereinander und zwischen den Schneekristallen befinden sich zahlreiche kleine Zwischenräume, die Schallwellen absorbieren können. Ist der Schnee hingegen feucht oder liegt er dichter gepackt, kann er weniger Schall schlucken."

WELCHES TIER IST DAS LANGSAMSTE?

Sie haben keine Muskeln, kein Gehirn und keine Nerven, aber sie leben und bewegen sich doch: Schwämme. Filser: "Schwämme bewegen sich tatsächlich, mit 1 bis 2 Millimetern pro Stunde. Rekord und Platz 1 der entschleunigten Tiere. Die Zellen verfließen, die Tiere haken sich dann mit ihren silikathaltigen Nadeln fest und ziehen den Körper nach. Nur 0,1 Prozent aller Schwämme können das. Das ist dann so etwas wie ein "rolling stone", sagt der Stuttgarter Zoologe und Schwammexperte Franz Brümmer."
Wem das jetzt zu schwammig war, der bekommt hier ein echtes Stammtischthema, das niemals ausdiskutiert ist:

WER HAT DAS BIER ERFUNDEN?

Einige weniger schreien da sicherlich immer noch "Bayern", die beleseneren weisen auf Ägypten hin, nur einzelne werden Türkei sagen. Und das ist die Wahrheit. Filser: "Das Bier entstand in Mesopotamien, zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, im heutigen Südosten der Türkei, in Syrien und im Irak." Weiter heißt es:  

"Viele Hinweise deuten darauf hin, dass tatsächlich bereits vor 10000 bis 12000 Jahren die Idee entstand, aus Getreide ein alkoholisches Lebensmittel zu machen. Am Göbekli Tepe fanden Archäologen große Steinwannen, die zum Bierbrauen verwendet worden sein könnten. Die ersten Bierbrauer könnten eine Art Kaltmaischverfahren angewendet haben, meint Bierbrauer und Forscher Martin Zarnkow. Geschrotetes Malz und Wasser vergären dabei schon bei 45 Grad Celsius, Stärke entsteht. Aus dem unlöslichen Stärkemolekül im Getreide wird löslicher, fermentierbarer Zucker und daraus mit Hilfe natürlicher Hefen dann Alkohol." Na, da haben wir doch wieder was gelernt. 

SCHULUNTERRICHT BEGINNT ZU FRÜH

Was wir als Kinder und Jugendliche bereits wussten: Die Schule fängt viel zu früh an! Nach Hubert Filser bestätigen Chronobiologen: "Bei zu frühem Schulbeginn leiden Lernfähigkeit und Gesundheit. Vor allem Teenager zwischen 14 und 17 Jahren sind betroffen. Sie brauchen mindestens neun Stunden Schlaf (ihr Gehirn baut sich gerade um, das dauert …). Laut einer aktuellen Studie der Universität Marburg schlafen sie aber nur etwas mehr als sechseinhalb Stunden. 68 Prozent der Schüler gaben an, sie würde gern länger schlafen wollen. Da hört man schon den Kommentar mancher Lehrer, dass sie dann doch einfach abends früher zu Bett gehen sollten. Doch Schlafforscher sagen, dass gerade Jugendliche einen anderen biologischen Rhythmus hätten und um zwanzig Uhr noch nicht müde seien. Man könne nicht einfach den Biorhythmus verändern. Ein späterer Schulbeginn sei für Kinder schlichtweg besser. Mediziner mahnen zudem, das Thema Schlafdefizit bei Kindern ernst zu nehmen. Sonst seien Magen- oder Darmbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel oder psychische Probleme die Folge."

Andrew Weber

"AHA! Hubert Filsers großes Buch der Alltagsfragen", Droemer-Verlag München, 16,99 €.

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